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8.2 Lebenserwartung im internationalen Vergleich, im Zeitvergleich sowie im regionalen Vergleich

Die Ermöglichung eines langen, möglichst gesunden Lebens gilt als wichtiger Indikator für die Lebensqualität, die eine Gesellschaft gewährleisten kann. Deshalb wird der Lebenserwartung eine hohe Bedeutung beigemessen. Nach dieser Logik könnte Abbildung 8.1 nahe legen, dass die westlichen Industrienationen Frauen eine höhere Lebensqualität bieten als Männern. Diese Schlussfolgerung ist allerdings gewagt, da auch genetische und biologische Faktoren die Lebenserwartung von Frauen und Männern mitbestimmen.

Abbildung 8.1: Durchschnittliche weitere Lebenserwartung von 40-jährigen Frauen und Männern im internationalen Vergleich 2000 bis 20031 (in Jahren)

1 Die letzten aktuell vorliegenden Daten stammen für die einzelnen Länder aus unterschiedlichen Jahren. Für Frankreich und Japan stammen sie aus dem Jahr 2002 und für Deutschland, Kanada und die Vereinigten Staaten aus dem Jahr 2001. Für Italien und das Vereinigte Königreich liegen nur Daten aus dem Jahr 2000 vor.
Anmerkung: Die Länder sind nach Geschlechterdifferenzen geordnet.
Lesehilfe: Im internationalen Vergleich haben 40-jährige Frauen in Japan die höchste Lebenserwartung, in den USA die niedrigste.
Datenbasis: OECD Gesundheitsdaten 2004
Quelle: Gesundheitsberichterstattung des Bundes; eigene Darstellung

In allen in Abbildung 8.1 verglichenen Ländern lag die durchschnittliche weitere Lebens­erwartung von 40-jährigen Frauen zu Beginn des 21. Jahrhunderts über der der Männer. Die höchste Lebenswartung haben japanische Frauen und Männer. Im Vergleich mit den anderen hier dargestellten europäischen Ländern finden sich die deutschen Frauen und Männer hinter Frankreich und Italien im Mittelfeld wieder.

Die Lebenserwartung in Europa hat sich in den letzten vier Jahrzehnten um durchschnittlich acht Jahre verlängert. Im Jahr 2001 betrug sie in der EU der damals 15 Länder bei der Geburt für Männer 76 Jahre und für Frauen 82 Jahre (Europäische Kommission 2004b: 280).

Zwar ist die letzte Lebensphase von Frauen oft von Krankheit und Behinderung geprägt, trotzdem können Frauen im Vergleich zu Männern in allen Ländern Europas eine etwas höhere Anzahl von Jahren ohne dauerhafte gesundheitliche Beeinträchtigungen erwarten (Abbildung 8.2). Dabei zeigt sich, dass Deutsche im Vergleich zu anderen Europäern 1996 vergleichsweise viele gesunde Lebensjahre zu erwarten hatten und dass in Deutschland die Geschlechterdifferenz besonders groß war. Während Männer bei der Geburt im Durchschnitt "nur" 63 gesunde Lebensjahre vor sich hatten, hatten Frauen 69 gesunde Lebensjahre vor sich.

Abbildung 8.2: Gesunde Lebenserwartung von Frauen und Männern in Europa 1996 (in Jahren)

Anmerkungen: Männer werden in der EU-15 im Schnitt ohne Behinderung 63 Jahre alt, Frauen 66 Jahre (Daten von 1996). Für Schweden lagen keine Zahlen zu den erwarteten gesunden Lebensjahren vor.
Die Länder sind nach der gesunden Lebenserwartung von Frauen geordnet.
Lesehilfe: In Griechenland haben Frauen EU-weit die höchste gesunde Lebenserwartung, in Finnland die niedrigste. In Dänemark (62 Jahre) und den Niederlanden (63 Jahre) erwarten Frauen und Männer jeweils die gleiche Zahl gesunder Lebensjahre.
Quelle: Bericht zur sozialen Lage in der Europäischen Union 2003: 34

Abbildung 8.2 macht deutlich, dass Unterschiede in der Lebenserwartung keine "Naturkonstanten" sind; sie hängen vielmehr mit den sozioökonomischen und sozialen Verhältnissen eines Landes sowie mit dem Risikoverhalten von Frauen und Männern zusammen.[199] Auch klimatische Verhältnisse und der Lebensstil einer Population sowie ihre medizinische Versorgung dürften ihre gesunden Lebensjahre mitprägen.

Abbildung 8.3 zeigt, dass in Deutschland neugeborene Mädchen und erwachsene Frauen schon über einen langen Zeitraum eine höhere Lebenserwartung als Jungen bzw. Männer hatten. Frauen hatten zwar im 19. Jahrhundert und noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein nicht unerhebliches Risiko, bei der Geburt eines Kindes zu sterben, dafür starben mehr Jungen als Mädchen in den ersten fünf Lebensjahren, und Männer hatten und haben ein größeres Risiko, tödliche Unfälle zu erleiden als Frauen (Tabelle 8.6).

Als Ursachen für die durchschnittliche höhere Lebenserwartung von Frauen werden unterschiedliche Faktoren diskutiert, so z.B. eine unterschiedliche Anfälligkeit für verschiedene Krankheiten, bestimmte genetische Schutzfaktoren, aber auch ein sorgsamerer Umgang von Frauen mit ihrem Körper und seinen Bedürfnissen. Zur niedrigeren Lebenserwartung der Männer können ihre häufigere Erwerbstätigkeit in zum Teil unfallgefährdeteren Berufen sowie ein zum Teil risikobereiteres Freizeitverhalten beitragen; aber auch Kriege setzten ihre durchschnittliche Lebenserwartung im vergangenen Jahrhundert deutlicher als die von Frauen herab.

Die Lebenserwartung nahm bei Frauen und Männern seit der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert in Deutschland sehr stark zu. Die Hauptursache dafür liegt in der enorm gesunkenen Säuglings- und Kindersterblichkeit. Neugeborene Mädchen hatten in Deutschland 2002 eine Lebenserwartung von 81,2 und neugeborene Jungen von 75,4 Jahren (Abbildung 8.3)




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