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6.8 Überblick über die Ergebnisse

Auch wenn gleicher Einfluss für Frauen und Männer in der Politik noch nicht erreicht ist: Auffallend ist, dass es seit den 80er-Jahren selbstverständlicher wurde, dass Frauen auch Spitzenpositionen in Politik und Parteien einnehmen. Dies gilt inzwischen für alle Bereiche der Politik und betrifft die Anteile von Frauen bei Ministerämtern, im Parteivorsitz bzw. den Parteivorständen und bei den Abgeordnetenmandaten.

Wirkliche Gleichstellung haben Frauen im politischen Sektor noch nicht erreicht. Der durchschnittliche Frauenanteil in den Länderparlamenten, im Bundestag und bei den deutschen Abgeordneten des Europäischen Parlaments beträgt jeweils nur etwas über 30 Prozent. Damit liegt die Beteiligung von Frauen im europäischen Vergleich im guten Mittelfeld.

In den vorgestellten Zahlen zum politischen Interesse und zu den von Frauen bevorzugten politischen Themenbereichen kommt zum Ausdruck, dass Frauen dem institutionalisierten politischen Feld häufiger als Männer fern stehen. Dies mag zum Teil erklären, warum Frauen beispielsweise seltener in Parteien eintreten.

Dies bedeutet jedoch keine generelle Distanz von Bürgerinnen gegenüber gesellschaftlichem Engagement. Zwar sind auch im freiwilligen Engagement Männer häufiger als Frauen aktiv, doch wie aus den Ergebnissen des Freiwilligensurvey 2004 hervorgeht, konnten Frauen ihren Anteil am freiwilligen Engagement seit 1999 steigern, während der Prozentsatz des freiwilligen Engagements von Männern in diesem Zeitraum stagnierte. Auffällig ist insbesondere die Steigerung des bürgerschaftlichen Engagements von Frauen in den älteren Altersgruppen. Die 55- bis 64-jährigen Frauen steigerten ihr freiwilliges Engagement von 1999 auf 2004 von 29 auf 37 Prozent; auch unter den 25- bis 34-jährigen Frauen gab es 2004 eine breitere Beteiligung als 1999.

Während der Schulzeit erweisen sich Mädchen als diejenigen, die sich häufiger als Jungen freiwillig engagieren. Die Beteiligung von jungen Männern zwischen 14 und 34 Jahren nahm in den letzten Jahren ab. Sehr deutlich stieg das freiwillige Engagement über 65-jähriger Männer.

Die Ursachen für die größere Distanz von Frauen gegenüber politischem Engagement und Führungspositionen sowie im freiwilligen Engagement liegen zum einen vermutlich in den traditionell männlich geprägten Strukturen, Verfahren und Themenschwerpunkten der Organisationen, die politische Arbeit bündeln. Wie aus den Daten dieses, aber auch anderer Kapitel (4, 5) hervorgeht, wird es Frauen allerdings auch durch die Doppelbelastung durch Beruf und Familie schwer gemacht, sich gesellschaftlich und politisch in größerem zeitlichen Umfang zu engagieren. Die Dreifachbelastung durch Ehrenämter oder politische Funktionen ist insbesondere für Frauen mit kleineren Kindern schwer zu bewältigen. Die unterschiedlichen Anteile, die Frauen in verschiedenen Parteien als Abgeordnete oder als Mitglieder von Parteien oder Parteigremien erreichen, deuten zusätzlich darauf hin, dass die Parteien unterschiedlich günstige Voraussetzungen für eine Mitarbeit von Frauen schaffen.

Eine eklatante Forschungslücke besteht in den Kenntnissen zum politischen Engagement von Migrantinnen und Migranten in Deutschland. Mit dem Survey zum freiwilligen Engagement von Türkinnen und Türken in Deutschland liegen zur bürgerschaftlichen Beteiligung dieser Zuwanderungsgruppe erste Erkenntnisse vor. Diese weisen darauf hin, dass die mit knapp 10 Prozent deutlich unterdurchschnittliche bürgerschaftliche Partizipation der türkischstämmigen Bevölkerungsgruppe sehr gering ist. Dies gilt noch stärker für Frauen, die oder deren Eltern aus der Türkei zugewandert sind, die mit 7 Prozent besonders wenig am freiwilligen Engagement teilhaben. Die Ergebnisse zum bürgerschaftlichen Engagement von Migrantinnen und Migranten stehen im Einklang mit der Tatsache, dass es in Deutschland nur einen sehr geringen Anteil von Politikerinnen und Politikern mit Migrationshintergrund gibt. Außer aus bereits etwas länger zurückliegenden Jugendstudien ist wenig zum politischen Engagement von Zuwanderern in Deutschland bekannt. Es wären hierzu und zum bürgerschaftlichen Engagement anderer Zuwanderergruppen dringend weitere Untersuchungen nötig. Offen ist auch, worüber sich die geringere Beteiligung von jungen Frauen in den politiknahen Feldern herstellt, während ihr freiwilliges Engagement in der Schule doch ausgeprägter ist als das der jungen Männer.