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5.4 Erwerbstätigkeit von Müttern und Vätern im Lebenslauf

Die Erwerbsbiografien von Frauen sind enger an ihre familiäre Lebenssituation gekoppelt als die der Männer. Bei Männern sind familienbedingte Erwerbsunterbrechungen bisher kaum zu beobachten (Abbildung 5.8[132] und BMFSFJ 2004a).

Abbildung 5.8: Quote der aktiv erwerbstätigen1 21- bis 50-jährigen Frauen und Männer mit und ohne Kind(er/n)2 in Deutschland 2004 (in %)

1 prozentualer Anteil der Erwerbstätigen ohne vorübergehend Beurlaubte (z.B. wegen Elternzeit) an der entsprechenden Bevölkerungsgruppe
2 ledige Kinder, die in einer Eltern-Kind Gemeinschaft leben
Datenbasis: Mikrozensus
Quelle: Statistisches Bundesamt: 2005a; eigene Darstellung

Die Erwerbsunterbrechungen von Müttern fallen biografisch betrachtet in einen Lebensabschnitt, in dem viele voll und kontinuierlich erwerbstätige Frauen und Männer entscheidende Weichen für ihre berufliche Zukunft stellen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Mütter sich mit den Berufsunterbrechungen berufliche Nachteile einhandeln, ist also groß.[133] Von jungen Erwerbstätigen erwarten Betriebe heute oft erhöhte Flexibilität, Mobilität und ein verstärktes berufliches Engagement. Damit verschärfen sich gegenwärtig die Konflikte zwischen Eltern- und Berufsrolle, was die berufliche Entwicklung von Müttern besonders erschweren dürfte.

Zwar beteiligen sich in der Praxis auch viele Väter (zeitlich begrenzt) an Haushaltsführung und Kinderbetreuung, dies beeinflusst ihre Verfügbarkeit für Erwerbsarbeit jedoch in der Regel kaum (Kapitel 5.6). Trotz der Vervielfältigung von Familienformen (Kapitel 4) und trotz der Ausgliederung von Betreuungsaufgaben aus der Familie (Häußermann/Siebel 1996), werden Erziehungs- und Pflegetätigkeiten mit zeitweisem Verzicht auf Berufstätigkeit vor allem von Frauen erwartet (Kapitel 5.5) und auch tatsächlich geleistet (Kapitel 5.7 und 5.10).

Die Quote der aktiv erwerbstätigen Väter liegt zwischen dem 21. und dem 50. Lebensjahr durchweg über der entsprechenden Quote der Männer ohne Kinder im Haushalt. Väter sind also stärker in den Arbeitsmarkt integriert als kinderlose Männer (Abbildung 5.8). Dies kann Folge ihrer verschärften Bemühungen sein, ihrer Versorgerrolle gerecht zu werden. Es wäre allerdings auch möglich, dass sich in den hier dargestellten Erwerbsverläufen auch der bessere Schutz von Familienvätern vor Entlassungen niederschlägt.

In Abbildung 5.8 fällt auf, dass Frauen und Männer ohne Kinder im Haushalt bis ins mittlere Lebensalter sehr ähnlich in den Arbeitsmarkt integriert sind.[134] Deutlich werden in der Abbildung 5.8 die großen Unterschiede zwischen Frauen ohne und mit Kindern im Haushalt, insbesondere zu Beginn der so genannten "aktiven Familienphase", etwa bei den 21- bis 30-Jährigen. Bemerkenswert ist auch, dass die Höhepunkte der aktiven Erwerbsbeteiligung bei Frauen und Männern mit und ohne Kind(ern) jeweils in unterschiedlichem Alter erreicht werden (Abbildung 5.8).

Augenfällig ist die relativ niedrige Erwerbsbeteiligung von jungen Männern ohne Kinder im Haushalt. Bei dieser Gruppe dürfte es sich um Männer handeln, die sich in einer Schul- oder Hochschulausbildung befinden und von einer Familiengründung noch absehen (Statistisches Bundesamt 2003a, Engstler/Menning 2003).

Eine wesentliche Rolle für die Berufstätigkeit von Frauen spielt das Alter der Kinder (Abbildung 5.9). Je jünger die Kinder im Haushalt, desto seltener gehen Mütter einer Beschäftigung nach, auf die Erwerbsbeteiligung von Vätern hat das Alter ihrer Kinder dagegen fast keinen Einfluss[135]. Die Berufstätigkeit von Frauen nimmt spürbar zu, wenn ihre Kinder das Kindergartenalter erreicht haben (Abbildung 5.9).

Abbildung 5.9: Quote der aktiv erwerbstätigen1 Frauen und Männer (15- bis 64-Jährige) nach dem Alter des jüngsten Kindes2 in Deutschland 2004 (in %)
1 prozentualer Anteil der Erwerbstätigen ohne vorübergehend Beurlaubte (z.B. wegen Elternzeit) nach dem Alter des jüngsten Kindes an der entsprechenden Bevölkerungsgruppe
2 ledige Kinder, die in einer Eltern-Kind Gemeinschaft leben
Datenbasis: Mikrozensus
Quellen: Statistisches Bundesamt: 2005a; Statistisches Bundesamt: Sonderauswertung des Mikrozensus; eigene Berechnungen

Dass sich die aktive Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern mit Kindern über 18 Jahren noch um 11,1 Prozentpunkte unterscheidet, spiegelt unter Umständen die stärkere Dominanz des traditionellen Ernährermodells in der älteren Generation wider. Die Geschlechterdiskrepanz in dieser Altersstufe kann aber auch als Hinweis darauf gewertet werden, dass familienbedingte Berufsunterbrechungen die weiblichen Berufsbiografien (womöglich gegen den Willen der Betroffenen) noch prägen, wenn die aktive Familienphase längst durchlebt ist. Bei einem Teil der Frauen könnte auch auf eine Kinderbetreuungsphase eine Phase der Versorgung älterer Verwandte folgen, die ebenfalls primär sie und seltener die Männer übernehmen (Kapitel 5.10).

Vergleicht man die Erwerbsbeteiligung von Müttern und Vätern mit Kindern unterschiedlichen Alters in Ost- und Westdeutschland, so zeigt sich, dass insbesondere die Erwerbstätigenquote von Müttern mit Kindern unter 6 Jahren in den westlichen Bundesländern deutlich geringer ist als in den östlichen. Die in den westdeutschen Bundesländern verbreiteten Vorbehalte gegen eine Erwerbsarbeit von Müttern mit Kleinkindern spiegelt sich hier ebenso wider wie die fehlenden Kinderbetreuungsangebote im Krippen- und Kindergartenalter (Kapitel 5.5 und 5.8). Offensichtlich profitieren Mütter in Ostdeutschland noch von einem breit ausgebauten Kinderversorgungsnetz - insbesondere für Kleinkinder (Kapitel 5.8). Für die Mütter in den ostdeutschen Bundesländern dürfte allerdings auch die ökonomische Notwendigkeit zu arbeiten größer sein, sind sie doch seltener verheiratet (Kapitel 4) und müssen häufiger als im Westen auch mit der Erwerbslosigkeit des Vaters ihres Kindes und mit einem geringeren Einkommen ihres Partners rechnen (Kapitel 2 und Kapitel 3). Auffallend ist, dass bis jetzt im Osten Deutschlands "Spätfolgen" von Berufsunterbrechungen in den weiblichen Berufsverläufen weniger sichtbar werden als im Westen: Bei den Eltern mit Kindern über 18 Jahren unterscheiden sich nämlich die geschlechtsspezifischen Erwerbstätigenquoten im Osten Deutschlands nur um 2,7 Prozentpunkte, im Westen aber um 13,7 Prozentpunkte (Abbildung 5.10). Die Erwerbsbiografien der ostdeutschen Mütter mit Kindern über 18 Jahren sind zwar wie alle Berufsbiografien in den ostdeutschen Bundesländern durch die Umbrüche auf dem Arbeitsmarkt beeinträchtigt, aber weniger als die der Frauen im Westen durch familienbedingte Erwerbsunterbrechungen und daraus resultierende Schwierigkeiten, ins Erwerbsleben zurückzukehren, geprägt.




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