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5.3 Aktuelle Veränderungen in Bezug auf die berufliche Integration von Müttern und Vätern
In der deutschen und europäischen Erwerbstätigenstatistik, so auch in den Abbildungen 5.2, 5.3 und 5.4, wird jede Frau und jeder Mann zu den Erwerbstätigen gezählt, wenn sie/er in einem Beschäftigungsverhältnis steht, selbst wenn diese Erwerbstätigkeit z.B. wegen Urlaub nicht aktiv ausgeübt wird. Werden die vorübergehend Beurlaubten aus den Erwerbstätigen herausgerechnet, erhält man die Quote der aktiv Erwerbstätigen (Statistisches Bundesamt 2004f). Im Folgenden wird dieser Indikator verwandt, um die Erwerbsbeteiligung von Müttern zu beschreiben, denn in der "Familiengründungsphase" sind vergleichsweise viele Mütter vorübergehend beurlaubt (Abbildungen 5.11 und 5.12).
Wie Abbildung 5.5 zeigt, hat die aktive Erwerbstätigkeit von Müttern in der für Vereinbarkeitsprobleme relevanten Altersgruppe der 25- bis 54-Jährigen zwischen 1996 und 2004 deutschlandweit von 58,5 auf 63,5 Prozent deutlich zugenommen.[130] Dies ist umso erstaunlicher als die Erwerbstätigkeit von Vätern in diesem Zeitraum leicht zurückging. Die Erwerbstätigkeit von Frauen und Männern ohne Kinder im Haushalt hat sich bis auf eine kaum messbare Differenz (0,8 Prozentpunkte) angeglichen. Die aktive Erwerbsbeteiligung von Frauen mit Kindern im Haushalt ist aber auch 2004 noch viel geringer als die von Frauen ohne Kinder (d %= 13,5 %).[131] In Deutschland beeinträchtigen Kinder im Haushalt die aktive Erwerbsbeteiligung von Frauen also ganz erheblich. Während sich die Quoten der aktiv erwerbstätigen Frauen und Männer ohne Kinder ganz angeglichen haben, bleibt die Diskrepanz der Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern mit Kindern im Haushalt deutlich (d% = 24,8 %, Abbildung 5.5). Es zeichnet sich keine Tendenz von Vätern ab, ihre aktive Erwerbstätigkeit zu unterbrechen. Ihre Erwerbsbeteiligung ist vielmehr weiterhin deutlich höher als die der Männer ohne Kinder. Kinder im Haushalt beeinträchtigen also nur die aktive Erwerbsbeteiligung von Frauen, nicht die von Vätern.
Auch wenn hier die unterschiedliche aktive Erwerbsbeteiligung von Müttern und Vätern betont wird, bleibt doch festzuhalten: Mütter haben ihre aktive Erwerbsbeteiligung zwischen 1996 und 2004 deutlich gesteigert (Abbildung 5.5). Wie in Kapitel 2 deutlich gemacht wurde, ging diese Steigerung der Erwerbsbeteiligung von Frauen nicht mit einer Steigerung ihrer Vollzeitbeschäftigung, sondern mit der Zunahme von Teilzeitarbeit und geringfügiger Beschäftigung einher (Kapitel 2, Abbildung 2.13 und Abbildung 2.17).
Abbildung 5.5: Quote der aktiv erwerbstätigen1 25- bis 54-jährigen Frauen und Männer mit oder ohne Kind(er)2 in Deutschland 1996 und 2004 (in %)
1 prozentualer Anteil der Erwerbstätigen ohne vorübergehend Beurlaubte (z.B. wegen Elternzeit) an der Bevölkerungsgruppe im gleichen Alter
2 ledige Kinder, die in einer Eltern-Kind-Gemeinschaft leben, ohne Altersbegrenzung.
Datenbasis: Mikrozensus
Quelle: Statistisches Bundesamt: 2005a; eigene Berechnungen
In der DDR war die Erwerbsbeteiligung von Müttern traditionell sehr hoch. Vor der Wiedervereinigung gingen hier neun von zehn Müttern einem Beruf nach (Engstler/Menning 2003: 105). Infolge von Strukturveränderungen und Rationalisierungen auf dem ostdeutschen Arbeitsmarkt in der ersten Hälfte der 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts kam es in den ostdeutschen Bundesländern zu einem deutlichen Rückgang des Anteils erwerbstätiger Frauen mit und ohne Kinder (Kapitel 2). Die Quote aktiv erwerbstätiger Mütter stabilisierte sich in den ostdeutschen Bundesländern bei rund 75 Prozent und nahm seitdem leicht ab (Abbildung 5.6). Die für Gesamtdeutschland zwischen 1996 und 2004 konstatierte Zunahme der aktiven Erwerbsbeteiligung von Müttern (Abbildung 5.5) geht also ganz auf das veränderte Erwerbsverhalten der Mütter im Westen Deutschlands zurück. Wie aus Abbildung 5.6 ersichtlich, stieg hier der Anteil aktiv erwerbstätiger Frauen mit Kindern an allen 25- bis 54-jährigen Frauen von 54,4 Prozent 1996 auf 61,6 Prozent 2004. Wie in Kapitel 2 gezeigt wurde, ging die Entwicklung mit einer enormen Ausweitung der Teilzeit und der geringfügigen Beschäftigung von Frauen einher (Kapitel 2, Abbildung 2.13 und Abbildung 2.17). Die Entwicklung in Deutschland darf deshalb nicht als ein Trend zur Doppelversorgerfamilie verstanden werden, vielmehr ist eine Modernisierung des männlichen Versorgermodells zu verzeichnen.
Die aktive Erwerbsbeteiligung von Vätern nahm im betrachteten Zeitraum in Ost- und Westdeutschland ab (Abbildung 5.6). Als Beginn einer stärkeren Familienorientierung von Vätern kann dies nicht interpretiert werden, ist doch der gleiche Trend auch bei Männern ohne Kinder zu verzeichnen (Abbildung 5.5). Der Ost-West-Vergleich in Abbildung 5.6 legt nahe anzunehmen, dass die Quote der aktiv erwerbstätigen Väter in den letzten Jahren vor allem wegen des Verlusts von Arbeitsplätzen zurückgegangen ist.
Abbildung 5.6: Quoten der aktiv erwerbstätigen1 25- bis 54-jährigen Mütter2 und Väter2 in West3- und Ostdeutschland4 1996 und 2004 (in %)
1 Quote der aktiv Erwerbstätigen: prozentualer Anteil der Erwerbstätigen ohne vorübergehend Beurlaubte (z.B. wegen Elternzeit) an der Bevölkerungsgruppe im gleichen Alter
2 Frauen und Männer, die in einer Eltern-Kindgemeinschaft leben
3 einschl. Berlin-West
4 einschl. Berlin-Ost
Datenbasis: Mikrozensus
Quelle: Statistisches Bundesamt: 2005a; eigene Berechnungen


