Inhaltsbereich

5.2 Erwerbstätigkeit von Müttern und Vätern im internationalen Vergleich

Die Erwerbsbeteiligung von Frauen hat in fast allen Industriestaaten der Welt zugenommen (OECD 2002). Oft allerdings prägen Teilzeitarbeit und geringfügige Beschäftigung die Erwerbsbeteiligung von Frauen.[130] Die Anwesenheit von betreuungsbedürftigen Kindern erweist sich in vielen OECD-Staaten weiterhin als Hürde für die Erwerbstätigkeit von Frauen. Eine Familiengründung beeinträchtigt nur die Erwerbsbeteiligung von Müttern (in gar keiner Weise die von Vätern) (Abbildung 5.2, 5.3 und 5.4 im Vergleich).

Haben Frauen noch keine Kinder oder sind die Kinder älter als 14 Jahre, dann sind die Geschlechterunterschiede in Bezug auf die Erwerbsbeteiligung eher gering. Je nach Land sind die Geschlechterdiskrepanzen sehr unterschiedlich groß. In Schweden reichte im Jahr 2000 die Erwerbstätigkeit von Frauen ohne betreuungsbedürftige Kinder ganz an die der Männer heran (Abbildung 5.2).

Abbildung 5.2: Erwerbstätigenquoten der 25- bis 54-jährigen Frauen und Männer ohne betreuungsbedürftige(s) Kind(er)2 im internationalen Vergleich 20003 (in %)
1 ungewichteter Durchschnitt
2 noch keine Kinder im Haushalt oder Kinder sind älter als 14 Jahre (für Schweden und Neuseeland älter als 15 Jahre)
3 Die OECD-Daten erlauben es nicht speziell, die aktiv Beschäftigen zu betrachten. Erwerbstätige sind nach dem Labour-Force-Konzept der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) alle Personen im Alter von 15 und mehr Jahren, die unabhängig von Arbeitszeit und Einkommen (in der Berichtswoche zumindest eine Stunde gegen Entgelt) gearbeitet haben oder in einem Ausbildungsverhältnis stehen. Aus dieser Definition folgt, dass auch "geringfügig Beschäftigte" im Sinne der Sozialversicherungsregelungen und Soldaten, Wehrpflichtige und Zivildienstleistende als Erwerbstätige erfasst werden (Statistisches Bundesamt 2004f).
Anmerkung: Nach der Differenz der geschlechtspezifischen Erwerbstätigenquote sortiert. Oben geringste Geschlechterdifferenz unten höchste
Datenbasis: Nationale Erhebungen (OECD 2002: 114 ff.)
Quelle: OECD: 2002; eigene Berechnungen

In den südlichen Mittelmeerländern klafften dagegen die geschlechtsspezifischen Erwerbstätigenquoten von Frauen und Männern ohne betreuungsbedürftige Kinder weit auseinander (z.B. Griechenland mit 31 Prozentpunkten). Sieht man, wie hier in Abbildung 5.2, vom Arbeitsvolumen einmal ab, so scheint die Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern ohne betreuungsbedürftige Kind(er) in Deutschland weitgehend angeglichen. Deutschland lag schon 2000 im europäischen Vergleich bezogen auf diesen Gleichstellungsaspekt im vorderen Mittelfeld, nämlich auf dem siebten Rangplatz, sogar vor dem skandinavischen Land Dänemark (Abbildung 5.2).

Die Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern mit betreuungsbedürftigen Kindern weist deutlich größere Geschlechterdiskrepanzen auf als die Erwerbsbeteiligung der Frauen und Männer ohne betreuungsbedürftige Kinder (Abbildung 5.3), das heißt, schon ein einziges Kind im Haushalt legt Paaren in vielen OECD-Staaten zumindest eine temporäre Rückkehr zu dem Modell der männlichen Versorgerehe nahe. In den skandinavischen Ländern waren diese Effekte am geringsten, in den südlichen Mittelmeerländern am höchsten. Deutschland lag im internationalen Vergleich der Erwerbsbeteiligung von Müttern und Vätern mit betreuungsbedürftigem Kind nur noch im Mittelfeld und zwar auf dem zwölften Rangplatz. In Deutschland beeinträchtigt die Verantwortung für ein Kind die Erwerbsbeteiligung von Frauen also gravierender als in vielen anderen OECD-Staaten (Abbildung 5.2 und 5.3 im Vergleich).

Abbildung 5.3: Erwerbstätigenquoten der 25- bis 54-jährigen Frauen und Männer mit einem betreuungsbedürftigen Kind2 im internationalen Vergleich 2000 (in %)

1 ungewichteter Durchschnitt
2 Kind ist unter 15 Jahren (in Schweden und Neuseeland unter 16 Jahre).
Anmerkung: Nach der Differenz der geschlechtspezifischen Erwerbstätigenquote sortiert. Oben geringste Geschlechterdifferenz unten höchste
Datenbasis: Nationale Erhebungen (OECD 2002: 114 ff.)
Quelle: OECD: 2002; eigene Berechnungen

Die länderspezifischen Auswirkungen von zwei oder mehr betreuungsbedürftigen Kindern auf die Erwerbstätigkeit von Müttern und Vätern sind in Abbildung 5.4 zu sehen.

Abbildung 5.4: Erwerbstätigenquoten der 25- bis 54-jährigen Frauen und Männer mit zwei und mehr Kindern2 im internationalen Vergleich 2000 (in %)

1 ungewichteter Durchschnitt
2 Kinder unter 15 Jahren (in Schweden und Neuseeland unter 16 Jahre)
Anmerkung: Nach der Differenz der geschlechtspezifischen Erwerbstätigenquote sortiert. Oben geringste Geschlechterdifferenz unten höchste
Datenbasis: Nationale Erhebungen (OECD 2002: 114 ff.)
Quelle: OECD: 2002; eigene Berechnungen

Deutschland gehört neben Irland, Griechenland, Luxemburg, Australien, Spanien und Italien zu den Ländern, in denen sich die Erwerbsbeteiligung der Väter mit mehreren betreuungsbedürftigen Kindern von der der Mütter besonders stark unterscheidet. In vielen anderen Staaten, vor allem in solchen mit institutionell verankertem Doppelernährermodell und gut ausgebautem Kinderbetreuungsangebot, ist die Erwerbstätigenquote von Müttern mit mehreren betreuungsbedürftigen Kindern deutlich höher. Deutschland liegt international gesehen beim Vergleich der Erwerbsbeteiligung von Müttern und Vätern mit mehreren Kindern auf Rang 15 (Abbildung 5.4). In Australien, in Deutschland, in Irland und in Neuseeland waren die Erwerbstätigenquoten von Müttern mit mindestens zwei betreuungsbedürftigen Kindern mehr als 20 Prozentsatzpunkte niedriger als die der kinderlosen Frauen (Abbildung 5.2 und 5.3). Ungünstige Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erzeugen also nicht nur eine erhebliche Ungleichheit zwischen Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch zwischen Frauen mit und Frauen ohne Kinder.




Artikel ausdrucken Zur Druckansicht Seite 1 von 2  | weiter