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5.1 Einleitung

Die Gleichstellung von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt ist in hohem Maße davon abhängig, dass Frauen wie Männer zunächst eine qualifizierte Berufsausbildung absolvieren, dann ihre Berufschancen flexibel und mobil nutzen und schließlich ihrer Berufsarbeit ebenso engagiert wie Männer nachgehen können. Hierfür sind die Bedingungen insbesondere in den westdeutschen Bundesländern nach wie vor ungünstig. Die im Westen Deutschlands fest verankerten hohen normativen Erwartungen an die "gute Mutter" (Schütze 1986), das unzureichende öffentliche Betreuungsangebot für kleine Kinder, die weitgehende Fixierung des männlichen Lebensentwurfs auf beruflichen Erfolg und die strukturelle Rücksichtslosigkeit des Erwerbssystems gegenüber Eltern, die sich der Optimierung betrieblicher Abläufe nicht ohne weiteres anpassen können, sind die Rahmenbedingungen, unter denen meist Mütter eine umfassende Verantwortung für ihre Kinder übernehmen. Vätern bleibt neben ihrer Rolle, die eigene Familie ökonomisch abzusichern, meist nur die Rolle des "Freizeitvaters".

Um frei über ihr Familien- und Erwerbsmodell entscheiden zu können, brauchen Eltern neben einem passgenauen öffentlichen Kinderbetreuungsangebot für alle Altersstufen ein Bündel familienfreundlicher Maßnahmen in ihrem Betrieb. Die wichtigsten sind: flexibel gestaltbare tägliche Arbeitszeiten und die Chancen, den Arbeitsumfang (Vollzeit vs. Teilzeit) ohne langfristige berufliche Nachteile, den familialen Anforderungen entsprechend im Lebenslauf zu verändern. Von Bedeutung sind ferner Kinderbetreuungsangebote im Betrieb bzw. Beteiligung von Betrieben an kommunalen Betreuungsangeboten sowie Weiterbildungsangebote und Teilzeit- und Vertretungsangebote während familienbedingter Erwerbsunterbrechungen.

Die familiale Betreuung kleiner Kinder, aber auch die Pflege alter Menschen wird heute noch ganz überwiegend von Frauen geleistet. Unter den gegebenen Bedingungen sind diese Aufgaben mit einer vollen Erwerbsarbeit oft schwer vereinbar. Viele Mütter kleiner Kinder, aber auch ältere berufstätige Frauen, an die Pflegebedarf von Seiten der Familie herangetragen wird, schränken deshalb ihre Erwerbsarbeit ein oder geben sie gar auf und nehmen damit eine deutliche Schlechterstellung auf dem Arbeitsmarkt (Kapitel 2), bei den Einkommen (Kapitel 3) und bei der sozialen Sicherung (Kapitel 7) in Kauf. Das vorliegende Kapitel wird sich ganz auf die Vereinbarkeit von Elternschaft und Beruf konzentrieren. Zur Vereinbarkeit von Elternschaft und Ausbildung liegt ein aktuelles Gutachten vor, auf das an dieser Stelle verwiesen werden soll (Wissenschaftlicher Beirat für Familienfragen 2004). Es macht deutlich, dass die Geburt eines Kindes manchen Ausbildungsabschluss verzögert oder ganz vereitelt und dass davon junge Frauen häufiger als junge Männer betroffen sind. Zu den Schwierigkeiten, familiale Pflegeaufgaben und Beruf zu vereinbaren, wird es im Kapitel 5.10 einige Daten geben.

Pfau-Effinger unterscheidet zwei unterschiedliche Trends bei der Lösung von Vereinbarkeitsproblemen zwischen Elternschaft und Beruf in Europa. Den ersten Entwicklungspfad bezeichnet sie als die Modernisierung der männlichen Versorgerehe (Pfau-Effinger 2001: 495). Bei diesem Entwicklungspfad wird die fast ausschließliche Betreuung von Kindern durch ihre Mütter zumindest in den ersten Lebensjahren favorisiert, finanziell gefördert und mangels bezahlbarer öffentlicher Angebote zur Kleinkindbetreuung Müttern auch strukturell nahe gelegt. Die gesellschaftliche Entwicklung hin zur modernisierten Versorgerehe sieht mütterliche Erwerbsarbeit prinzipiell vor. Als ideal gilt Teilzeitbeschäftigung und/oder die geringfügige Beschäftigung von Müttern kleiner Kinder. Im Geschlechterarrangement der "modernisierten Versorgerehe" bleibt die finanzielle Abhängigkeit für diejenigen, die eigene Kinder betreuen, oft über Jahre erhalten. Gleichzeitig eröffnet die beschränkte Erwerbsarbeit den betreuenden Personen wenigstens begrenzte, berufliche Entwicklungsmöglichkeiten. Im Vergleich zur langjährigen Berufsunterbrechung verbessert Teilzeitarbeit auch die Chance von Personen mit Familienaufgaben, nach einigen Jahren finanzieller Abhängigkeit wieder zu einer vollen autonomen finanziellen Absicherung zu gelangen. Pfau-Effinger geht davon aus, dass die widersprüchlichen Züge der modernisierten Versorgerehe (hier Abhängigkeit, dort Streben nach Unabhängigkeit) ein möglicher Ausgangspunkt für einen weiteren Wandel der modernisierten Versorgerehe sein können.

Neben den Niederlanden und Großbritannien gehört auch Deutschland zu den Staaten, in denen die modernisierte Versorgerehe vorherrscht. Das heißt, die Familiengründung geht mit einer oft langjährigen Reduzierung der Erwerbstätigkeit von Müttern einher. Gegenwärtig gibt es in Deutschland politische Bemühungen, ein Kinderbetreuungsangebot bereitzustellen, das es Müttern auch ganztags und evtl. auch mit Kindern unter 3 Jahren ermöglicht, erwerbstätig zu sein. Um dies zu erreichen, werden noch große Anstrengungen nötig sein (Abbildungen 5.27 und 5.28).




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