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4.9 Ergebnisse im Überblick
Wie überall in Europa ist auch in Deutschland die Geburtenziffer deutlich gesunken. In Deutschland liegt sie mit 1,34 Kindern pro Frau unterhalb des europäischen Durchschnitts (1,46). Nicht eheliche Lebensgemeinschaften und außereheliche Geburten haben langfristig zugenommen. In Ostdeutschland leben mehr Menschen in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft mit Kindern und deutlich mehr Alleinerziehende als in Westdeutschland. Heirat und die Geburt des ersten Kindes werden zunehmend ins vierte Lebensjahrzehnt verlagert. Längere Ausbildungen und beruflich unsichere Phasen veranlassen Paare oftmals, Elternschaft hinaus zu schieben. Nicht selten wird aus diesem Aufschub unfreiwillige Kinderlosigkeit.
In der Gesamtschau der Bevölkerung ist das Alter von 35 bis 44 Jahren die familienintensivste Phase in Deutschland. Etwas mehr als jede zweite Person in dieser Altersgruppe lebt in einer traditionellen Familienform, ist also verheiratet und hat mindestens ein Kind. Bleibt der Familienstand außer Acht, so haben in diesem Alter gut 10 Prozent mehr, nämlich 67 Prozent, familiale Verpflichtungen. Das Zusammenleben von Eltern und Kind(ern) ist also trotz der Zunahme anderer Lebensformen zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr für Erwachsene noch die dominierende Lebensform. Der Anteil der Frauen, die in diesem mittleren Lebensalter mit mindestens einem Kind zusammen leben, liegt um 16 Prozent über dem der Männer. In der ausländischen Bevölkerung hat nur ca. jeder dritte Mann und ca. jede fünfte Frau in dieser familienintensivsten Phase keine Kinder im Haushalt.
Auch wenn hier betont wurde, dass die Familie immer noch eine dominante Lebensform darstellt, ist doch offensichtlich, dass zwischen Kinderwunsch und tatsächlicher Elternschaft eine erhebliche Lücke klafft. Von den 18- bis 44jährigen Kinderlosen wünschen sich nur 24 Prozent der Männer und 21 Prozent der Frauen kein Kind.
Bei westdeutschen Frauen gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen schulischem Bildungsniveau und Mutterschaft. Je höher der Schulabschluss, desto größer der Anteil von Frauen, bei denen im Alter von 35 bis 39 Jahren kein Kind im Haushalt lebt. Allerdings hat die späte Mutterschaft gerade bei hochqualifizierten Müttern deutlich zugenommen, so dass bei diesen Frauen zum Teil noch Kinder zu erwarten sind. Deutlich ist aber, dass eine lange Ausbildung und eine ambitionierte Erwerbstätigkeit von Frauen vielen Paaren mit einer Familiengründung nicht vereinbar scheint. Beruflich unqualifizierte Männer sowohl in den westdeutschen als auch in den ostdeutschen Bundesländern, sehen ihrerseits allerdings ebenfalls geringere Chancen, eine Familie zu gründen. Bei diesem Personenkreis dürften vor allem finanzielle Erwägungen eine Rolle spielen.
In Westdeutschland scheinen Paarbeziehungen einen Teil ihres geschlechtshierarchischen Charakters zu verlieren und sich den strukturell eher egalitär angelegten Paargemeinschaften im Osten anzugleichen. Nach traditioneller Norm sollte der Mann in einer Paarbeziehung der ältere, der qualifiziertere und der beruflich besser positionierte sein. Dieses Muster lockert sich. Das traditionelle Muster, wonach der Mann - wenn beide erwerbstätig sind - die höhere berufliche Position hat, wird im Westen nur noch von knapp der Hälfte der Paare in ihrer aktuellen Partnerschaft realisiert, im Osten Deutschlands nur noch von 40 Prozent. Diese Veränderung der Paarstrukturen kann, zusammen mit den für junge Männer wie Frauen schwierigen Situationen auf dem Arbeitsmarkt dazu führen, dass sich für Paare mit Kindern keineswegs mehr durchweg die Berufsunterbrechung und Teilzeitarbeit von Müttern als einziges Modell der Vereinbarkeit von Familie und Beruf anbietet.
Die Scheidungsraten steigen seit langem kontinuierlich an. Inzwischen kann man davon ausgehen, dass jede dritte Ehe geschieden wird. Scheidungen werden weit häufiger von Frauen als von Männern beantragt, dies gilt ganz besonders im Osten. Mit einer Trennung bzw. Scheidung sinkt der Lebensstandard der Geschiedenen. Frauen haben deutlich stärkere Einkommensverluste als Männer hinzunehmen. Neben der Scheidung ist auch das Allein Erziehen insbesondere für Frauen mit einem hohen Armutsrisiko verknüpft.
Im Rentenalter leben Männer noch ganz überwiegend in Partnerschaften, während Frauen vielfach ihre Partner schon verloren haben. Pflegebedürftige Frauen sind deshalb häufiger als Männer in dieser Situation auf die Unterstützung durch andere Familienmitglieder oder die Versorgung in einem Heim angewiesen. Die größere soziale Einbindung von Ausländerinnen in partnerschaftliche oder familiale Beziehungen im mittleren Alter setzt sich in höherem Alter fort. Von den über 60Jährigen leben nur 29,1 Prozent der Ausländerinnen aber 41,4 Prozent der deutschen Frauen allein.


