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4.8 Lebensformen von Frauen und Männern im Alter
Die beiden folgenden Abbildungen verdeutlichen die sehr unterschiedlichen Lebensformen älterer Frauen und Männer in Deutschland. Während Frauen mit ansteigendem Alter zunehmend in Witwenschaft leben, ist selbst für hochbetagte Männer die Lebensgemeinschaft (LG) mit ihrer Ehefrau die häufigste Lebensform. Dieses statistische Abbild der unterschiedlichen Lebenserwartungen von Frauen und Männern hat weit reichende Implikationen für das Leben im Alter. So liegt es beispielsweise auf der Hand, dass pflegebedürftige Männer im höheren Lebensalter eher auf die Hilfe ihrer Frau zurückgreifen können als dass ältere Frauen Pflege durch einen Ehemann erhalten können (Abbildung 4.13 und 4.14).
Abbildung 4.13: Lebensformen von Frauen im Alter von 60 und mehr Jahren in Deutschland 2004 (in %)
Anmerkung: Legende ist in Leserichtung zu lesen.
Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus - Bevölkerung in Privathaushalten
Abbildung 4.14: Lebensformen von Männern im Alter von 601 und mehr Jahren in Deutschland 2004 (in %)
Anmerkung: Legende ist in Leserichtung zu lesen.
1 Bevölkerung in Privathaushalten
Datenbasis: Mikrozensus 2004
Quelle: Statistisches Bundesamt, Sonderauswertung
Die für Frauen und Männer sehr unterschiedliche Zahlenrelation der deutschen und ausländischen Bevölkerung im Alter zeigt die folgende Tabelle. Auf Grund der höheren Lebenserwartung von Frauen überwiegen in der deutschen Bevölkerung im Alter von 60 und mehr Jahren die Frauen mit knapp 57 Prozent deutlich. Durch die geschlechtsspezifisch unterschiedlich starke Migration ist es in der Bevölkerung mit nicht-deutschem Pass genau umgekehrt. In der Hochzeit der Gastarbeitermigration der 50er- und 60er-Jahre wanderten deutlich mehr Männer als Frauen nach Deutschland ein. Gegenwärtig gibt es daher in der älteren Migrantenpopulation in Deutschland mit ebenfalls knapp 57 Prozent deutlich mehr Männer als Frauen (Tabelle 4.19).
Tabelle 4.19: Bevölkerung in Privathaushalten im Alter von 60 und mehr Jahren nach Geschlecht und Nationalität in Deutschland 2004 (absolut und in %)
Datenbasis: Mikrozensus 2004
Quelle: Statistisches Bundesamt, Sonderauswertung
Bereits angesichts dieser Zahlenrelationen ist eine unterschiedliche Verteilung von Lebensformen bei ausländischen Frauen und Männern zu erwarten. Tatsächlich ist eine geringere Anzahl von Frauen und Männern mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit bereits verwitwet (Tabelle A 4.5 Spalte "allein lebend, nicht ledig"). Eine besonders deutliche Differenz zu deutschen Staatsangehörigen besteht jedoch hinsichtlich des Lebens in Mehrpersonen-Haushalten, in der Regel also in Familien. Bei den deutschen Frauen über 60 Jahren leben 2004 7,8 Prozent in Haushalten mit drei und mehr Personen, bei den ausländischen Frauen sind dies 20,9 Prozent. Männer mit Migrationshintergrund im Alter von über 60 Jahren leben sogar zu 28,8 Prozent in Familienhaushalten, deutsche Männer dagegen nur zu 11,5 Prozent. Umgekehrt leben in dieser Altersgruppe lediglich 29,1 Prozent der ausländischen, aber 41,4 Prozent der deutschen Frauen allein (Tabelle A. 4.18).
Mit zunehmendem Alter steigt die Pflegebedürftigkeit von Frauen und Männern (Abbildung 7.25). Besonders betroffen davon sind Frauen. Sie stellen 69 Prozent der pflegebedürftigen Menschen (Tabelle 7.13). Die Mehrheit der pflegebedürftigen Menschen wird derzeit zu Hause versorgt (71 %), rund 1,4 Millionen Menschen, davon 922.000 Frauen und 513.000 Männer (Tabelle 7.13). Dabei spielen Familienangehörige als Pflegepersonen eine ganz entscheidende Rolle. Sie stellen über 85 Prozent der Hauptpflegepersonen (Infratest Sozialforschung: 18). Unter den Pflegenden in Privathaushalten tragen Frauen mit 73 Prozent die Hauptverantwortung (Abbildung 4.15). Frauen profitieren von dieser familialen Leistung häufiger als Männer. Auf Grund ihrer größeren Pflegebedürftigkeit sind sie allerdings auf entsprechende Leistungen auch häufiger angewiesen.
Wie Abbildung 4.15 zeigt, übernehmen (Ehe-)Partnerinnen bzw. (Ehe-)Partner die Funktion der Pflege am häufigsten. Dies werden vor allem die pflegebedürftigen Männer noch in Anspruch nehmen können, während die pflegebedürftigen alten Frauen, die viel häufiger als die Männer schon verwitwet sind, auf andere verwandtschaftliche Hilfe zurückgreifen können, vor allem auf ihre Töchter (Abbildung 4.15). Dennoch sind 79 Prozent der Bewohnerinnen bzw. Bewohner von Pflegeheimen weiblich (Tabelle 7.13).
Abbildung 4.15: Hauptpflegepersonen von Pflegebedürftigen in Privathaushalten - Hauptpflegepersonen von Leistungsbezieherinnen und -beziehern der Sozialen und der Privaten Pflegeversicherung in Deutschland 2002 (in %)
Quelle: Infratest Sozialforschung 2003: 19 ff.


