Service-Angebote
Inhaltsbereich
4.6.3 Berufliche Stellungen (Karrierestufen) bei Paaren
Auch ein Vergleich der beruflichen Karrierestufen[123] kann - neben Alter und Bildungsniveau - ein Hinweis auf (Un-)Gleichheit in einer Partnerschaft sein. Hier kommen jedoch - neben der Dynamik auf Paarebene - zusätzlich die Mechanismen des Arbeitsmarktes und von Unternehmen stark zum Tragen, die unterschiedlichen Karrierechancen für Frauen und Männer produzieren.[124]
Das traditionelle Muster, wonach der Mann eine höhere berufliche Position als seine Partnerin innehat, wird - je nach Geburtskohorte - von 44 Prozent bis 53 Prozent der Männer realisiert, wenn beide Partner erwerbstätig sind; der Durchschnitt der Kohorten liegt bei 46 Prozent (Tabelle 4.14). Dies bedeutet gleichzeitig, dass mindestens in jeder zweiten Partnerschaft die Partnerin beruflich entweder gleich (ca. 25 %) oder sogar besser gestellt ist (ca. 25 %). Berechnungen für die Stichprobe der Frauen zeichnen ein etwas traditionelleres Bild.[125] Hiernach sind bei 50 Prozent bis 60 Prozent der Paare (im Durchschnitt 57 %), die Frauen beruflich niedriger platziert als ihr gegenwärtiger Partner. Aber auch hier ergeben sich immerhin zwischen 40 Prozent und 50 Prozent beruflich gleichgestellte Paare bzw. beruflich besser gestellte Frauen. Die Größe der Gruppe der gleichgestellten (23 %) und die, bei denen die Frau die höhere Position (21 %) hat, sind, wie bereits in der Männerstichprobe konstatiert, fast gleich groß. In den ostdeutschen Bundesländern zeichnet sich sowohl aus den Angaben der Männer als auch aus denen der Frauen ein weniger traditionelles Muster als in den westdeutschen Bundesländern ab. Nur bei ca. 40 Prozent der Paare hat der Mann die höhere Position. Für die ostdeutschen Bundesländer sind die Fallzahlen jedoch wieder sehr klein, so dass die Aussagen nur als grobe Annäherung verstanden werden können (Tabelle 4.15).
Tabelle 4.14: Vergleich der Karrierestufen auf Paarebene für Frauen und Männer in Westdeutschland (in %)
Datenbasis: Familiensurvey 2000
Quelle: DJI-Familiensurvey 2000; eigene Auswertungen
Tabelle 4.15: Vergleich der Karrierestufen auf Paarebene für Frauen und Männer in Ostdeutschland (in %)
Datenbasis: Familiensurvey 2000
Quelle: DJI-Familiensurvey 2000; eigene Auswertungen
Die Unterschiede zwischen den Geburtskohorten bzw. Altersgruppen in den Tabellen 4.14 und 4.15 lassen sich nicht als Wandel interpretieren, denn die Befragten sind zum Befragungszeitpunkt in unterschiedlichem Alter und damit in unterschiedlichen Phasen ihrer beruflichen Karriere; die Karriereentwicklung der jüngeren Geburtskohorten wird sich nicht mehr nach den gleichen Mechanismen vollziehen wie für die älteren Geburtsjahrgänge.
[123] Die Transformation der im Fragebogen des DJI-Familiensurvey verwendeten "Liste der beruflichen Stellungen" in ein Karrierestufenmodell kann hier aus Platzgründen nicht beschrieben werden. Es wurden zum einen hierarchische Abstufungen, die der ursprünglichen Liste der beruflichen Stellungen bereits immanent sind, übernommen. Zum anderen spielen Faktoren wie die Qualifikationsvoraussetzungen für den Zugang zu einer Position, Einkommenshöhe, Umfang der Verantwortlichkeit sowie Anweisungs- und Managementbefugnisse für die Zuordnung der Stellung zu einer der Karrierestufen eine zentrale Rolle. Einige berufliche Stellungen sind den Karrierestufen nicht oder nur schwer ohne weitere Informationen zur konkret ausgeübten Tätigkeit oder zum Unternehmen zuzuordnen. Hierzu gehören mithelfende Angehörige, Landwirtinnen und -wirte sowie Selbstständige ohne Beschäftigte. Für diese Fälle wurden per Einzelfallanalyse Lösungen gesucht. Wenn dies auf Grund unzureichender Informationen nicht möglich war, wurden die Fälle aus den Analysen ausgeschlossen. Zur ausführlicheren Beschreibung des Karrierestufenmodells siehe Tölke/Diewald (2003).
[124] Die Gruppe, auf die sich die folgenden Analysen beziehen, ist sehr selektiv. Zum einen müssen beide Partner im Befragungsjahr 2000 des DJI-Familiensurvey erwerbstätig gewesen sein und für beide müssen Angaben zur aktuellen beruflichen Stellung vorliegen. Zum anderen ließen sich bestimmte berufliche Stellungen auf Grund unzureichender Informationen nicht in das Karriereschema aufnehmen; auch diese Personen sind aus der Analyse herausgefallen.
[125] Hier sei nochmals darauf hingewiesen, dass im DJI-Familiensurvey nicht Paare, sondern Individuen befragt wurden. Die Befragten machten Angaben zur aktuellen beruflichen Stellung ihrer Partnerin bzw. ihres Partners. Dass die Angaben zwischen Männern und Frauen im aggregierten Geschlechtervergleich differieren, kann - wie oben bereits erwähnt - mehrere Gründe haben. So kann es sich um selektive Stichproben nach Erreichbarkeit handeln; zudem gehören Befragte, die ihre Partnerin bzw. ihren Partner charakterisieren, nicht notwendig der gleichen Kohorte bzw. Altersgruppe an. Weiterhin können bei der Angabe zur beruflichen Stellung der Partnerin bzw. des Partners Wahrnehmungsfehler auftreten.


