Inhaltsbereich

4.6.2 Bildungshomogamie

Das Muster, das sich bei der ersten festen Beziehung im Hinblick auf das Bildungsniveau zeigte (Kapitel 4.3.2), wiederholt sich bei der aktuellen Partnerschaft (Tabellen 4.12, Tabelle 4.13). Bildungshomogame Paarkonstellationen haben in jeder der hier untersuchten Geburtskohorten in Westdeutschland die höchsten Anteilswerte[122]; dies trifft auf die Frauen ebenso zu wie auf die Männer des DJI-Familiensurvey 2000. Als Veränderung im Lebenslauf, also zwischen erster und aktueller Beziehung, lässt sich auf Aggregatniveau, also im Gruppenvergleich, folgendes konstatieren.

Für Männer mit Hauptschulabschluss liegen die Anteilswerte bildungsgleicher Paare für die aktuelle Beziehung niedriger als in ihrer ersten Beziehung, d.h. ihr Spektrum der Paarkonstellationen hat sich im Lebenslauf geweitet. Mit fast durchweg über 60 Prozent bildungsgleichen Paarkonstellationen ist die Bildungshomogamie bei Männern mit Hauptschulabschluss jedoch immer noch groß. Dieses Ergebnis beinhaltet aber auch, dass immerhin in ca. 40 Prozent der Partnerschaften die Partnerin einen höheren Schulabschluss hat als der Mann. Auch bei den Frauen mit Hauptschulabschluss ist im Verlauf des Lebens eine soziale Öffnung zu erkennen, sie fällt aber nicht so stark aus wie für die Männer. Fast über alle Altersgruppen hinweg haben noch über 70 Prozent der Hauptschulabsolventinnen einen Partner mit gleichem Schulabschluss.

Anders als bei den Hauptschulabsolventinnen und -absolventen nimmt bei den Männern und Frauen mit Abitur auf Paarebene die Gleichheit im Bildungsniveau mit dem Lebensalter zu. In fast allen hier untersuchten Geburtskohorten liegt der Homogamieanteil für die aktuelle Beziehung bei den Männern über 50 Prozent, häufig sogar über 60 Prozent. Erste Beziehungen sind bei Abiturienten sozial weiter gestreut als bei den Hauptschülern, in späteren Partnerschaften nehmen bildungsgleiche Paarkonstellationen dann aber zu. Bei den Frauen mit Abitur war in der ersten festen, also mindestens ein Jahr andauernden Beziehung die Bildungshomogamie bereits größer als bei den männlichen Abiturienten. Dieses setzt sich im Lebenslauf fort. In der Partnerschaft zum Zeitpunkt des Interviews im Jahr 2000 liegen die Homogamie-Anteilswerte bei den Frauen mit Abitur durchweg über 65 Prozent, in manchen Geburtsjahrgängen sogar über 75 Prozent. Abiturientinnen gehen somit seltener eine Beziehung mit einem statusniedrigeren Partner ein als dies bei den männlichen Abiturienten der Fall ist. Inwieweit dies dem Wunsch der Frauen entspricht oder auf schlechtere Chancen auf dem Partnermarkt hinweist, da es nicht dem normativ etablierten Muster entspricht, wenn die Frau besser gebildet ist als ihr Partner, müssten sozialwissenschaftliche Studien klären.

Wie bereits für die erste Partnerschaft aufgezeigt, findet auch im weiteren Lebenslauf kein nach Bildungsniveau und Geschlecht gleichförmiger Prozess in der Paarfindung statt. Während sich bei der Partnerwahl bei Hauptschulabsolventinnen und -absolventen mit dem Alter eine soziale Öffnung abzeichnet, zeichnet sich bei Frauen und Männern mit Abitur eine zunehmende Neigung zur Gleichheit ab. Aber auch diese Ergebnisse müssten durch weitergehende Untersuchungen, insbesondere durch Analysen individueller Lebensläufe, untermauert und präzisiert werden.

Tabelle 4.12: Bildungshomogamie in der aktuellen Partnerschaft nach Geburtskohorte und Schulabschluss bei Frauen und Männern in Westdeutschland (in %)

Datenbasis: Familiensurvey 2000
Quelle: DJI-Familiensurvey 2000; eigene Auswertungen

Tabelle 4.13: Bildungshomogamie in der aktuellen Partnerschaft nach Geburtskohorte und Schulabschluss bei Frauen und Männern in Ostdeutschland (in %)

Datenbasis: Familiensurvey 2000
Quelle: DJI-Familiensurvey 2000; eigene Auswertungen

[122] Für die ostdeutschen Bundesländer sind die Fallzahlen zu gering, um vergleichbare Analysen durchzuführen.