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4.5.3 Frauen und Männer ohne Kinder
In der Altersspanne von 35 bis 44 Jahren, dies entspricht in Deutschland dem empirischen Zenit der Familienphase (siehe oben), wohnt in den westdeutschen Bundesländern im Jahr 2004 (Tabelle A 4.2) bei 42,4 Prozent der Männer und bei 27,6 Prozent der Frauen kein Kind im Haushalt.[117] In den ostdeutschen Bundesländern haben 38 Prozent der Männer und 18,1 Prozent der Frauen in diesem Alter keine alltäglichen Versorgungsaufgaben für Kinder (Tabelle A 4.3). In der nicht-deutschen Bevölkerung liegen die entsprechenden Anteilswerte nochmals niedriger und betragen 32,7 Prozent bzw. 20,7 Prozent (Tabelle A 4.5). Es zeigen sich somit erhebliche Differenzen nach Geschlecht, zwischen westdeutschen und ostdeutschen Bundesländern sowie nach Migrationshintergrund in Bezug auf die Frage, welche Personen im mittleren Erwachsenenalter mit Kindern zusammenwohnen.
Wir beziehen uns im Folgenden im Wesentlichen auf die Frage, wer in der mittleren Lebensphase mit Kindern zusammenwohnt. Würde man die Frage nach dem Umfang von Kinderlosigkeit stellen, könnte der Mikrozensus nicht als Datengrundlage herangezogen werden, da hier nur Kinder erfasst werden, die im Haushalt der Befragten wohnen, nicht aber alle leiblichen Kinder. Stattdessen müssten die Ergebnisse unterschiedlicher Studien (z.B. SOEP, Familiensurvey, Altersstudie) vergleichend dargestellt werden. Da in diesen Studien Stichprobenziehungen sowie Kategorisierungen und Differenzierungen in der Auswertung unterschiedlich vorgenommen werden, würde eine solche Darstellung stark methodischen Charakter bekommen. Wir beziehen Ergebnisse dieser Studien ein, sofern sie Ergebnisse des Mikrozensus differenzieren.
Ein weiteres wesentliches Differenzierungsmerkmal, ob jemand in Deutschland mit Kindern zusammenwohnt oder nicht, ist das Bildungsniveau (Tabelle 4.11).
Tabelle 4.11: Deutsche Frauen und Männer ohne Kinder im Haushalt nach Alter und schulischem sowie beruflichem Bildungsabschluss in Deutschland insgesamt sowie in West- und Ostdeutschland 2004 (in %)
/ = kein Nachweis, da Zahlenwert nicht sicher genug
Datenbasis: Mikrozensus 2004
Quelle: Statistisches Bundesamt, Sonderauswertung
Nach den Angaben des Mikrozensus 2004 zeigt sich bei den 35- bis 39-jährigen deutschen Frauen in den westdeutschen Bundesländern eine klare Abhängigkeit zwischen schulischem sowie beruflichem Bildungsniveau und der Ausübung der Mutterrolle. Je höher der Schulabschluss, desto größer ist der Anteil der Frauen, bei denen kein Kind im Haushalt lebt. Von den Hauptschulabsolventinnen sind in dieser Altersgruppe 24,2 Prozent kinderlos (im Mikrozensus definiert als: kein Kind im Haushalt), bei den Realschulabsolventinnen 27,6 Prozent und bei den Abiturientinnen 40,7 Prozent, also 16 Prozent mehr als bei den Hauptschulabsolventinnen. Hier muss jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass in diesem Alter noch einige Frauen, insbesondere die höher gebildeten, ihr erstes Kind bekommen werden. Es handelt sich bei diesen Anteilswerten somit nicht um endgültige Kinderlosigkeit. Neben den hochgebildeten Frauen ist auch bei den Frauen ohne Schulabschluss der Anteil derer, bei denen kein Kind im Haushalt lebt, sehr hoch: er beträgt 31,7 Prozent. Auf Grund der Daten aus dem Sozio-oekonomischen Panel (Schmitt 2005) kann angenommen werden, dass diese Frauen nicht seltener Kinder bekommen haben, sondern dass ihre Kinder zu einem größeren Teil schon von zu Hause ausgezogen sind. Nimmt man die nächste Altersgruppe der 40- bis 44-Jährigen in den Blick, um Kinder später Mütter mit berücksichtigen zu können, stellt sich das Problem, dass dann noch mehr Kinder bereits aus dem Elternhaus ausgezogen sein können, also eventuell zu viele Frauen als "kinderlos" eingestuft werden (Tabelle 4.11). Bei Frauen mit Abitur und nochmals verstärkt bei Akademikerinnen sieht man deutlich, dass die Entscheidung für oder gegen ein Kind mit Ende 30 noch nicht abgeschlossen ist. In diesem Alter lebte bei 40,7 Prozent der westdeutschen Frauen mit Abitur kein Kind im Haushalt; in der Altersgruppe von 40 bis 44 Jahren liegt der entsprechende Anteil nur noch bei 34,1 Prozent, 6 Prozent mehr Frauen haben dann ein Kind als bei den 35- bis 39-Jährigen. Bei Akademikerinnen ist der späte Übergang zur Mutterschaft ebenfalls offensichtlich: In der Altersgruppe 35 bis 39 Jahren lebten 45,3 Prozent in einem kinderlosen Haushalt, mit Anfang 40 liegt dieser Wert bei 38,4 Prozent, also um 7 Prozent niedriger. Bei Frauen, die eine Verwaltungsfachhochschule besucht haben, ist die zeitliche Verschiebung der Mutterschaft ebenso ausgeprägt. Bei ihnen ist der Anteil kinderloser Haushalte im Alter von 40 bis 44 Jahren um 7 Prozent niedriger als mit Ende 30, er ist von 43,6 Prozent auf 36,1 Prozent gesunken. Jedoch kann hieraus nicht mit Sicherheit gefolgert werden, dass sich die heute 35- bis 39-Jährigen genauso verhalten werden wie die heute 40- bis 44-Jährigen. Es kann sich um unterschiedliche Generationen handeln und die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung kann Einfluss auf die Entscheidung über eine späte Mutterschaft nehmen, der Trend kann sich sowohl verstärken, aber auch abschwächen.


