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4.5.1 Männer und Frauen mit Kindern
Im mittleren Lebensalter, hier eingegrenzt auf das Alter von 35 bis 44 Jahren, leben in Deutschland 55 Prozent der Bevölkerung, also etwas mehr als jede zweite Person, in einer traditionellen Familienform, ist also verheiratet und hat mindestens ein Kind (Tabelle A 4.1). Gut 11 Prozent mehr, nämlich insgesamt 66 Prozent, haben in diesem Alter familiale Verpflichtungen, d.h. in ihrem Haushalt lebt mindestens ein Kind - unabhängig davon, ob es eine Partnerin bzw. einen Partner gibt. Dieses Alter ist in der Gesamtschau der Bevölkerung die familienintensivste Phase. Bei den Frauen ist mit einem Anteil von 74 Prozent die familiale Lebensform in diesem mittleren Lebensalter häufiger vertreten als bei den Männern, von denen nur 58 Prozent gemeinsam mit mindestens einem Kind im Haushalt zusammenleben. Noch deutlicher sind die Unterschiede in der jüngeren Altersspanne von 30 bis 34 Jahren, wo die Differenz zwischen Frauen und Männern im Hinblick auf familiale Aufgaben sogar über 20 Prozent ausmacht. Bei 62 Prozent der Frauen, aber nur bei 41 Prozent der Männer lebt mindestens ein Kind im Haushalt. Bei Männern reicht die Familienphase dafür stärker in das Alter von 55 bis 64 Jahren hinein. Immerhin noch 24 Prozent der Männer wohnen in diesem Alter mit einem Kind zusammen, im Vergleich zu 16 Prozent bei den Frauen.
Unterschiede zeigen sich außerdem zwischen Ost- und Westdeutschland in Bezug auf die Familienformen. Im Osten leben in nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften häufiger Kinder als im Westen. So leben z.B. 15 Prozent von den 30- bis 34-jährigen Männern in Ostdeutschland in einer nicht-ehelichen Lebensgemeinschaft mit mindestens einem Kind zusammen (Tabelle A 4.3), im Westen sind es nur 4 Prozent der Männer (Tabelle A 4.2). Bei den Frauen fällt die Differenz zwischen Ost (18 %) und West (4 %) noch etwas größer aus. Zudem ist der Anteil allein erziehender Frauen in den ostdeutschen Bundesländern größer (Tabellen A 4.2, A 4.3).
Zwischen Ost- und Westdeutschland sowie zwischen deutscher und nicht-deutscher Bevölkerung sind beachtenswerte Unterschiede bei den "Eltern-Kind-Gemeinschaften" - also den Familientypen festzustellen (Tabelle 4.5). Lediglich 63,5 Prozent der Familien mit Kindern in den ostdeutschen Bundesländern gehören dem traditionellen Familientyp an, der aus Ehepaaren mit Kindern besteht. In den westdeutschen Bundesländern sind es noch 76,2 Prozent. Nicht-eheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern sind in den ostdeutschen Bundesländern mit 12,3 Prozent und allein Erziehende[114] mit 24,2 Prozent sehr viel häufiger vertreten als in den westdeutschen Bundesländern (4,8 % bzw. 19 %) (Tabelle 4.5).
Tabelle 4.5: Eltern-Kind-Gemeinschaften nach Lebensformen in Deutschland insgesamt sowie in West- und Ostdeutschland1 2004 (in %)

1 Ostdeutschland einschl. Berlin-Ost
Datenbasis: Mikrozensus 2004
Quelle: Statistisches Bundesamt, Sonderauswertungen
Bei nicht-deutschen Familien überwiegen die verheirateten Eltern noch stärker als bei den deutschen, es gibt sowohl weniger nicht-eheliche Lebensgemeinschaften mit Kind(ern) als auch weniger allein Erziehende. Familien ausländischer Herkunft haben sich also bisher deutlich weniger dem allgemeinen Trend nach neuen familialen Lebensformen angeschlossen.
Die Altersspanne zwischen 25 und 54 Jahren ist bei den Ausländerinnen durch ein Leben in einer selbst gegründeten Familie geprägt. In diesem Alter leben durchweg mindestens 48 Prozent der Ausländerinnen mit ihrem Ehepartner und mindestens einem Kind zusammen (Tabelle A 4.5). Bei den deutschen Frauen wird ein Wert von über 50 Prozent nur in einer deutlich kürzeren Altersspanne, nämlich zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr, erreicht (Tabelle A 4.4). Die größere soziale Einbindung der Ausländerinnen in partnerschaftliche oder familiale Beziehungen setzt sich auch im höheren Alter fort. Weniger Ausländerinnen als deutsche Frauen leben allein (Tabelle A 4.5).
Auch bei den ausländischen Männern ist die Familienphase zeitlich deutlich ausgedehnter als bei den deutschen. Zwischen 25 und 64 Jahren leben durchweg mindestens ca. 30 Prozent in der traditionellen Familienform. Bei den deutschen Männern liegt die Altersspanne, in der mindestens 30 Prozent in einer traditionellen Familie leben, bei 30 bis 54 Jahren; die Familienphase ist somit im Durchschnitt bei den deutschen Männern an beiden Enden kürzer als bei den ausländischen Männern. Die Hauptphase väterlicher Verantwortung liegt bei den Ausländern sowie bei den Deutschen im Alter zwischen 35 und 44 Jahren; 67 Prozent der Ausländer wohnen dann - unabhängig von der Partnerschaftsform - gemeinsam mit einem Kind in einem Haushalt; der Vergleichswert für die deutschen Männer beträgt 58 Prozent.
Der seit den 70er-Jahren in Deutschland kontinuierlich und deutlich steigende Anteil nicht-ehelicher Geburten ist Ausdruck veränderter Vorstellungen von Familie und Partnerschaft und insbesondere des Wunsches, die herkömmliche geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, die mit der Ehe häufig einhergeht, zu vermeiden. Die Zunahme nicht-ehelicher Geburten steht auch in engem Zusammenhang mit der inzwischen vorhandenen Akzeptanz nicht-ehelicher Lebensgemeinschaften und der rechtlichen Gleichstellung nicht-ehelicher Kinder. Bis 1970 galt die Regelung, dass der leibliche Vater nicht mit seinem nicht-ehelichen Kind verwandt ist, nicht-eheliche Kinder waren nicht erbberechtigt und der Vater konnte normalerweise nicht das Sorgerecht für das Kind bekommen (Bien/Schneider, 1998: 2 ff.). Auch nach der Reform des Kindschaftsrechts von 1970 war es dem Vater eines nicht-ehelichen Kindes nur möglich bei einer Ehelicherklärung oder Adoption das Sorgerecht zu erlangen. Eine gemeinsame elterliche Sorge für das nicht-eheliche Kind war ausgeschlossen. Die Reform des Kindschaftsrechts von 1998 beinhaltet nicht nur die rechtliche Gleichstellung der nicht-ehelichen mit den ehelichen Kindern, sondern auch die Möglichkeit des gemeinsamen elterlichen Sorgerechts (BMJ 2003: 8). Mit dieser Reform des Kindschaftsrechts ist für viele Paare ein wesentlicher Grund weggefallen, eine Ehe zu schließen. Die Entwicklung der Raten nicht-ehelicher Geburten (Tabelle 4.6) spiegelt dies wieder, seit 1998 schreiten sie beschleunigt voran. In den acht Jahren zwischen 1990 und 1998 ist ein Anstieg der nicht-ehelich geborenen Kinder um 5 Prozent zu verzeichnen. In den vier darauf folgenden Jahren bis 2003, also in der Hälfte der Zeit, erfolgte erneut ein Anstieg von 5 Prozent. Die beschleunigte Entwicklung zu nicht-ehelichen Geburten in den ostdeutschen Bundesländern trägt verstärkend zu diesem Trend in Gesamtdeutschland bei.


