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4.4.1 Alter bei erster Heirat und Geburt des ersten Kindes
Sowohl für Frauen als auch für Männer steigt das durchschnittliche Alter bei Erstheirat kontinuierlich an (Abbildung 4.7). Auffallend ist hierbei, dass der Anstieg des Heiratsalters bei den Männern für den hier betrachteten Zeitraum seit 1991 von 28,5 Jahren auf 32 Jahre deutlich über dem von Frauen (Anstieg von 26,1 auf 29) liegt. Bei Frauen tritt die Heirat heute im Durchschnitt 2,9 Jahre später ein als noch Anfang der 90er-Jahre im Vergleich zu einem Anstieg von 3,5 Jahren bei den Männern in diesem Zeitraum. Das zeitliche Aufschieben der Heirat ist Teil eines bereits länger andauernden Wandels in Westdeutschland.[111] Ob der verstärkte Aufschub bei Männern mit einer schwieriger gewordenen Etablierung im Berufsleben zusammenhängt, kann auf der Basis dieser Daten nicht beantwortet werden, erscheint jedoch durchaus plausibel (Tölke 2005). In der DDR lässt sich kein ähnlich geradliniger Trend beim Aufschieben der Heirat beobachten: Hier heirateten ledige Frauen bis in die 80er-Jahre mit durchschnittlich ca. 22 Jahren und Männer mit ca. 24 Jahren. Erst nach der Wende kam es in den ostdeutschen Bundesländern zu einem vergleichbaren kontinuierlichen Anstieg des Erstheiratsalters für beide Geschlechter.
Abbildung 4.7: Durchschnittliches Heiratsalter Lediger in Deutschland 1991 bis 2003 (in Altersjahren)
Datenbasis: Bevölkerungsstatistik
Quelle: Statistisches Bundesamt
Analog zum Anstieg des Heiratsalters stieg auch das Alter bei Geburt des ersten Kindes. Das durchschnittliche Alter von Frauen bei der Geburt ihres ersten ehelich geborenen Kindes lag in den 60er-Jahren im früheren Bundesgebiet bei knapp 25 Jahren, 1991 war es für Westdeutschland auf 27 Jahre und bis zum Jahr 2000 auf 28,9 Jahre gestiegen (Statistisches Bundesamt, Geburtenstatistik). 2003 betrug das durchschnittliche Alter bei der Geburt des ersten ehelich geborenen Kindes für Gesamtdeutschland 29,4 Jahre (Abbildung 4.8).
Abbildung 4.8: Durchschnittliches Alter der Mütter bei der Geburt ihres ersten ehelich lebend geborenen Kindes in Deutschland insgesamt sowie in West- und Ostdeutschland 1991 bis 2003 (in Jahren)
Anmerkung: Die Daten für Westdeutschland und Ostdeutschland einschließlich Berlin-Ost werden getrennt nur bis einschließlich 2000 ausgewiesen.
Datenbasis: Geburtenstatistik
Quelle: Statistisches Bundesamt
Ein Vergleich der Entwicklung des Erstgebärendenalters zwischen BRD und DDR zeigt bis zur Wende deutliche Unterschiede. 1970 betrug das durchschnittliche Alter bei der ersten Geburt im früheren Bundesgebiet 24,3 Jahre und in der DDR nur 21,9 Jahre. Im Gebiet der ehemaligen DDR war das Erstgebärendenalter noch lange niedrig: 21,6 im Jahr 1980 und noch 1989 22,9 Jahre. Mit der Wende hat ein zeitliches Aufschieben der Mutterschaft eingesetzt. 1991 lag das durchschnittliche Alter bei Erstgeburt bereits bei ca. 25 Jahren (Herlyn/Krüger 2003: 15). Seitdem ist ein paralleler Anstieg des Alters bei der ersten Mutterschaft zu verzeichnen (Abbildung 4.8). Im Jahr 2000 ist das durchschnittliche Erstgebärendenalter mit 28,4 Jahren in den ostdeutschen Bundesländern nur noch unwesentlich geringer als in den westdeutschen Bundesländern mit 28,9 Jahren (Statistisches Bundesamt, Geburtenstatistik, Sonderauswertung). Insofern muss ein allgemeiner, kontinuierlicher und anhaltender Trend zu einer späteren Mutterschaft konstatiert werden.
[111] So betrug das durchschnittliche Heiratsalter lediger westdeutscher Frauen 1970 noch 23 Jahre und lediger Männer 25,6 Jahre (Statistisches Bundesamt, Bevölkerungsstatistik).


