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4.3.3 Kinderwunsch

In der Vergangenheit lag die persönlich als ideal angesehene Kinderzahl in fast allen europäischen Staaten im Durchschnitt zwischen zwei und drei Kindern. Dieses Ideal lag deutlich über der Zahl der tatsächlich geborenen Kinder. Die Daten des Eurobarometer 2001 zeigen nun, dass nicht nur die Zahl der tatsächlich geborenen Kinder zurückgeht, sondern dass in einigen europäischen Staaten, nämlich in Deutschland und Österreich insbesondere bei den jüngeren Frauen auch die gewünschte Kinderzahl deutlich unter zwei gesunken ist (Lutz/Milewski 2004: 2). Nach den Angaben des Eurobarometer[110] (2001) nannten 20- bis 34-jährige Frauen in Ostdeutschland im Durchschnitt 1,6 Kinder pro Familie als persönliche ideale Kinderzahl, Frauen in Westdeutschland lagen mit 1,7 Kindern als Ideal kaum über diesem Wert (ehd.). Diese Ergebnisse führen zu dem beunruhigenden Resultat, dass Deutschland und Österreich die einzigen europäischen Länder sind, in denen der Kinderwunsch - und nicht nur die reale Geburtenrate - deutlich unter dem zur gesellschaftlichen Reproduktion notwendigen Wert von zwei Kindern liegt (ebd.)

Einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach von 2004 ist zu entnehmen, dass kinderlose Frauen zu einem deutlich höheren Prozentanteil als Männer einen entschiedenen Kinderwunsch haben. Die Anteile der kinderlosen 18- bis 44-Jährigen, die dezidiert keine Kinder haben wollen, sind in dieser Studie bei beiden Geschlechtern jedoch erstaunlich nahe beieinander. Bei Männern beträgt der Anteil 24 Prozent und bei Frauen 21 Prozent (Tabelle 4.2). Die sehr große Unbestimmtheit des Kinderwunsches bei kinderlosen Männern ist wohl das wichtigste Ergebnis aus diesen Daten.

Tabelle 4.2: Kinderwünsche von Eltern und Kinderlosen in Deutschland 2004 (in %)


Datenbasis: IfD-Umfrage 5177
Quelle: Institut für Demoskopie Allensbach 2004

Auch die 2005 vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung vorgestellten Ergebnisse der 2003 durchgeführten "Population Policy Acceptance Study" bestätigen den inzwischen deutlich gesunkenen Kinderwunsch der deutschen Frauen sowie den noch geringeren Kinderwunsch der Männer: Nach der Zahl der gewünschten Kinder gefragt, gaben die befragten Frauen im Alter von 20 bis 39 Jahren durchschnittlich 1,74 und die Männer 1,57 Kinder an (Dorbritz/Lengerer/Ruckdeschel 2005: 36). Die Zahl derer, die sich keine Kinder wünschen, variiert in Deutschland beträchtlich nach Geschlecht und nach Region. Bei den Frauen in Ostdeutschland ist der Kinderwunsch noch sehr verbreitet, während von den westdeutschen Männern jeder Vierte einen Kinderwunsch verneint (Tabelle 4.3). Es wird in dieser Tabelle stärker als in der vorangegangenen sichtbar, dass es insbesondere junge Männer sind, die dezidiert keine Kinder haben wollen.

Tabelle 4.3: Zahl gewünschter Kinder von 20- bis 39-jährigen nach Geschlecht in West- und Ostdeutschland 2003 (in %)

Datenbasis: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, Population Policy Acceptance Study
Quelle: Dorbritz/Lengerer/Ruckdeschel 2005: 36

[110] Im Eurobarometer 2001 wurden die beiden folgenden Fragen gestellt:
(1) "Generally speaking, what do you think ist the ideal number of children for a family?"
(2) "And for you personally, what would be the ideal number of children you would like to have or would have liked to have had?” (Goldstein/Lutz/Testa 2003: 6).