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4.3.2 Erste Partnerschaft: Alters- und Bildungshomogamie

Nach den geschlechtsspezifisch differenzierten Angaben zur Lösung vom Elternhaus und zum jungen Lebensalter folgen nun Ausführungen zur nächsten Lebensphase, nämlich zur ersten länger andauernden Partnerschaft. Hier werden Ähnlichkeiten bzw. Unterschiede im Lebensalter sowie im Bildungsniveau bei Paaren dargestellt, wofür der Begriff Homogamie verwendet wird, und Veränderungen in den Paarkonstellationen in den letzten Jahrzehnten aufgezeigt. Alter und Bildung sind strukturelle Indikatoren für Gleichheit und Gleichberechtigung in einer Beziehung und geben Hinweise auf vermutlich eher traditionelle bzw. eher partnerschaftliche, also geschlechterdemokratisch ausgerichtete Partnerbeziehungen. Die Ausgestaltung einer Beziehung im Alltag und die subjektive Wahrnehmung der jeweiligen Partner über mögliche Gleichheit und Machtstrukturen in der Beziehung können hiervon jedoch durchaus abweichen.

In einem traditionellen gesellschaftlichen und familialen Regime haben Frauen weniger Chancen für Investitionen in Bildung und sind in ihrer Lebensplanung auf eine "gute Partie" als Möglichkeit für einen Statusaufstieg bei der Partnersuche ausgerichtet. Das Pendant für Männer bei der Partnerwahl ist eine Frau, die sich auf Haushalt und Familienarbeit spezialisiert. Haben Frauen jedoch die Möglichkeit bzw. bestehen die Notwendigkeit oder der Wunsch in Bildung zu investieren, verändern sich sowohl die Gelegenheitsstrukturen bei der Partnersuche als auch die Entscheidungskalküle von Frauen und Männern für die Paarfindung. Die strukturellen Chancen im Ausbildungssystem und im Berufsleben einen gleich qualifizierten und gleichaltrigen Partner zu finden steigen. Durch die zunehmende Berufstätigkeit auch während einer Ehe und in der Familienphase kann Bildung bei der Partnerwahl zusätzlich an Bedeutung gewinnen, denn die Frau trägt dann mit ihrem Einkommen (dessen Höhe in Beziehung zu ihren Bildungsinvestitionen steht) zum zukünftigen Haushaltseinkommen bei. Dieser Wandel kann aber auch beinhalten, dass die Möglichkeiten für Frauen durch Partnerwahl und Heirat einen sozial höheren Status zu erlangen, abnehmen. Steigende Bildungshomogamie kann einerseits ein Hinweis auf mehr Gleichheit auf der Ebene einzelner Paare bedeuten. Andererseits kann es gleichzeitig ein Indikator für eine Schließung sozialer Kreise im Prozess der Paarbildung sein, der auf eine wachsende Kumulation sozialer Ungleichheiten zwischen Paaren hinweist.

In analoger Weise ist der Altersabstand bei Paaren einzuordnen. Eine älterer Partner hat - neben den auf dem Arbeitsmarkt noch immer zu konstatierenden allgemeinen Einkommensunterschieden zwischen Frauen und Männern (Kapitel 3) - durch seine längere Berufserfahrung zumeist einen Vorsprung im Berufsleben. Unter traditionellen Rahmenbedingungen ist dies für eine Partnerin im Hinblick auf den sozialen Status und die materiellen Möglichkeiten von Vorteil. Bei gleichaltrigen Partnern verliert dieser Aspekt an Bedeutung; in diesen Paarbeziehungen werden Prozesse des Aushandelns unter Gleichberechtigten zunehmen.

Inwieweit lässt sich eine strukturell zunehmend partnerschaftlich ausgerichtete Partnerwahl für Deutschland ausmachen? Für die erste Partnerbeziehung zeigt sich auf der Basis des DJI-Familiensurveys sowohl bezogen auf das Lebensalter als auch auf das Bildungsniveau eine Neigung zur Homogamie, also zu einer großen Ähnlichkeit bzw. Gleichheit auf Paarebene. Auch wenn das Bild, das Frauen und Männer im Detail zeichnen, Unterschiede aufweist, lässt sich folgende Entwicklung konstatieren.

In der ersten Partnerschaft[107] sind Paare zunehmend altershomogam, also gleichaltrig (Tabellen A 4.6, A 4.7). Von den Ende der 40er-Jahre geborenen westdeutschen Männern gaben 55 Prozent an, ihre erste Partnerin sei maximal zwei Jahre jünger bzw. älter gewesen. Bei den jüngeren, ab Ende der 60er-Jahre geborenen Männern ist ein Anstieg des Anteils der Gleichaltrigen sogar auf fast 76 Prozent zu verzeichnen. Nach den Angaben aus der Stichprobe der Frauen zeichnet sich derselbe Trend ab, der Anteil der Gleichaltrigen fällt in den jeweiligen Geburtsjahrgängen jedoch nicht ganz so groß aus wie bei den Männern[108]. Für den gleichen Zeitraum ist bei den Frauen ein Anstieg gleichaltriger Paare von 52 Prozent auf ca. 67 Prozent zu verzeichnen. Aus den Angaben der Männer sowie denen der Frauen ergibt sich weiterhin, dass große Altersunterschiede auf Paarebene in der frühen Phase der Partnerschaftsbiografie abnehmen[109]. Der Anteil der Männer, die in der ersten festen Beziehung deutlich älter, hier als mindestens sechs Jahre älter definiert, als ihre Partnerin sind, sinkt nach den Angaben der Männer von über 11 Prozent in der ältesten hier untersuchten Geburtskohorte (1946 bis 1950) auf unter 4 Prozent in den jüngeren Geburtsjahrgängen (1971 bis 1980). In der Frauenstichprobe reduziert sich der Anteil von Paaren mit älterem Partner geringer, nämlich von über 20 Prozent auf ca. 16 Prozent. Bei den jüngeren Paaren geht also der Anteil derer zurück, die das traditionelle Altersgefälle zwischen Partnerin und Partner ausweisen.




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