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4.3.1 Auszug aus dem Elternhaus und Lebensformen junger Frauen und Männer

Nach obigem globalem Überblick über die Verteilung privater Lebensformen in Deutschland, werden im Folgenden entlang der Lebensphasen partnerschaftliche und familiale Lebensformen herausgearbeitet. Bereits die Lebensformen junger Frauen und Männer sind geschlechtsspezifisch deutlich unterscheidbar (Allbus 1980; 1982; 2000). So zogen zwischen 1972 und 1981 geborene Männer im Durchschnitt erst mit 26 Jahren aus dem Elternhaus aus, während Frauen derselben Kohorte dies bereits mit 21,5 Jahren taten (Weick 2002: 11).

In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen leben im Jahr 2004 72 Prozent der westdeutschen Männer noch im Elternhaus, aber nur noch 56 Prozent der Frauen (Abbildung 4.5). Dies setzt sich in den nächsten Altersgruppen fort. Mit Ende 20 leben 27 Prozent der Männer im Haushalt der Eltern im Vergleich zu 12,5 Prozent bei den Frauen (Tabelle A 4.1). Von den 30- bis 34-Jährigen sind in Westdeutschland immerhin noch knapp 10 Prozent der Männer "Nesthocker", bei den Frauen 3,5 Prozent (Tabelle A 4.2).

Abbildung 4.5: Ledige Kinder bei Eltern bzw. einem Elternteil nach Altersgruppen und Geschlecht1 in West- und Ostdeutschland2 2004 (in %)
1 Bevölkerung am Familienwohnsitz
2 Ostdeutschland einschl. Berlin- Ost
Datenbasis: Mikrozensus 2004
Quelle: Statistisches Bundesamt, Sonderauswertung (siehe Tabellen A 4.2 und A 4.3)

Junge nicht-deutsche Frauen und Männer verlassen deutlich früher das Elternhaus als deutsche. Die Anteile derer, die im Alter von 18 bis 29 Jahren noch bei den Eltern wohnen, liegen bei der ausländischen Bevölkerung sowohl für Männer als auch für Frauen sehr viel niedriger als bei den Deutschen (Abbildung 4.6). Zwischen den Geschlechtern besteht aber das gleiche Muster, d.h. auch in der ausländischen Bevölkerung werden Frauen deutlich früher selbstständig als Männer. Abbildung 4.6 weist für drei Altersstufen aus, in welchem Umfang Frauen und Männer mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit im Vergleich zu Deutschen noch zu Hause wohnen. Männer, sowohl deutsche als auch nicht-deutsche, leben in jeder Altersgruppe zu größeren Anteilen als Frauen noch bei den Eltern. Deutsche Männer ziehen zudem später aus als ausländische Männer, und deutsche Frauen ziehen ebenfalls später aus als Ausländerinnen. Eine Erklärung liegt in der früheren Familienorientierung der Bevölkerungsgruppe mit Migrationshintergrund.

Abbildung 4.6: Ledige Kinder bei Eltern bzw. einem Elternteil nach Altersgruppen, Geschlecht, deutscher und ausländischer Bevölkerung 2004 (in %)
1 Bevölkerung am Familienwohnsitz
2 Ostdeutschland einschl. Berlin- Ost
Datenbasis: Mikrozensus 2004
Quelle: Statistisches Bundesamt, Sonderauswertung (siehe auch Tabellen A 4.4 und A 4.5)

Das Partnerschaftsleben und die Familienphase fangen in der zugewanderten Bevölkerung früher an und der Anteil derer, die mit einer Ehepartnerin bzw. einem Ehepartner und mindestens einem Kind zusammenleben, sich also in einer traditionellen Familienform befinden, ist deutlich größer. Ausländische Frauen unter 25 Jahren leben zu 14,6 Prozent bereits in einer Ehe und zu 4,7 Prozent nicht-ehelich mit einem Partner. Weitere 17 Prozent haben bereits mit ihrem Ehepartner eine Familie gegründet und 2,1 Prozent sind allein erziehend (Tabelle A 4.5). Von den deutschen Frauen unter 25 Jahren leben dagegen erst 3,7 Prozent in einer selbst gegründeten traditionellen Familie und 2,7 Prozent sind allein erziehend. Auch mit Ende 20 sind die Unterschiede offensichtlich: 48 Prozent der ausländischen und erst 22,3 Prozent der deutschen Frauen sind verheiratet und haben mindestens ein Kind.

Bei den ausländischen Männern sind im Alter von 18 bis 24 Jahren 7,2 Prozent verheiratet, 3,1 Prozent leben in einer nicht-ehelichen Lebensgemeinschaft und 4,9 Prozent leben mit ihrer Ehefrau und Kindern zusammen (Tabelle A 4.5). Deutsche Männer dieser Altersstufe sind lediglich zu einem Prozent verheiratet, 5,4 Prozent unverheiratet mit ihrer Partnerin zusammen lebend, 1,1 Prozent leben mit ihrer Ehefrau und Kindern und 1,1 Prozent unverheiratet mit Partnerin und Kindern zusammen (Tabelle A 4.4).

Neben den Unterschieden in den Lebensformen zwischen in- und ausländischer Bevölkerung in jungem Alter sind auch die geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen markant. In den westdeutschen Bundesländern ziehen junge Männer später von zu Hause aus (siehe oben) und wohnen in der anschließenden Lebensphase zu größeren Anteilen allein als Frauen. Die Phase des allein Lebens erstreckt sich zudem über eine größere Lebensspanne. Die Gruppe der allein lebenden westdeutschen Männer umfasst vom jungen bis zum mittleren Lebensalter mindestens jeden fünften Mann: Im Alter von 25 bis 29 Jahren leben 28,3 Prozent allein in einem eigenen Haushalt, mit Anfang 30 25,7 Prozent und in der Altersgruppe von 35 bis 44 Jahren 20,7 Prozent (Tabelle A 4.2). Die Anteilswerte für allein lebende westdeutsche Frauen liegen in jeder dieser Altersgruppen um ca. 10 Prozent niedriger. In Ostdeutschland ist die geschlechtsspezifische Struktur in den Anteilswerten allein Lebender sogar noch etwas ausgeprägter. Hier leben im Alter von 25 bis 34 Jahren etwas mehr Männer allein als in Westdeutschland, während es bei den Frauen etwas weniger sind (Tabelle A 4.3). Die nach Geschlecht zugespitzte Situation in den ostdeutschen Bundesländern könnte in Zusammenhang mit der stärkeren Abwanderung junger Frauen in die westdeutschen Bundesländer stehen (Werz/Nuthmann 2004).