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3.8 Ergebnisse im Überblick

Gleich, welchen Datensatz man einer Analyse der Erwerbseinkommen zu Grunde legt, die Erwerbseinkommen von Frauen liegen in Deutschland im Durchschnitt mindestens 20 Prozent unter denen von Männern. Damit nimmt Deutschland zusammen mit Österreich und Großbritannien unter den EU-Staaten einen der letzten Rangplätze im Hinblick auf die Angleichung der Einkommen von Frauen und Männern ein. Die Einkommen der weiblichen Beschäftigten reichen im Osten Deutschlands allerdings immerhin bis 92 Prozent an die der männlichen Beschäftigten heran. Im Westen erreichen vollzeitbeschäftigte Frauen nur 76 Prozent der Einkommen von Männern. Frauen im Osten sicherten sich diese vergleichsweise hohen Einkommensanteile in einem beispiellosen Transformationsprozess, der mit starken Arbeitsplatzverlusten besonders unter den niedrig qualifizierten Beschäftigten verbunden war.

Die in Deutschland arbeitenden Frauen und Männer mit ausländischem Pass erzielen bei ungefähr gleicher Arbeitszeit im Durchschnitt deutlich geringere Einkommen als die Deutschen. Dies gilt noch einmal verschärft für Frauen ohne deutschen Pass.

Die ungleiche Entlohnung von Frauen und Männern hat mehrere Ursachen. So zeigt sich zum Beispiel, dass insbesondere auf dem westdeutschen Arbeitsmarkt Frauen genau dort häufiger zu finden sind, wo generell schlechter entlohnt wird: Frauen sind seltener in gehobenen Positionen zu finden. Sie sind überproportional häufig in schlechter zahlenden Branchen beschäftigt. Sie arbeiten auch eher in kleineren Betrieben, wo generell schlechter bezahlt wird, und sie erreichen seltener solch lange Betriebszugehörigkeit wie Männer. Auch haben sie eine demografische Struktur, die auf dem Arbeitsmarkt generell weniger honoriert wird. Sie sind zudem im Durchschnitt jünger und (zurzeit noch) weniger qualifiziert. Es gibt also viele Faktoren, die unabhängig vom Geschlecht der Beschäftigten dazu beitragen, dass insbesondere Frauen im Westen selbst bei gleicher Arbeitszeit deutlich schlechter entlohnt werden als die männliche Vergleichsgruppe. Keines der hier aufgeführten Merkmale weiblicher Vollzeitbeschäftigter und ihrer Integration in den Arbeitsmarkt hat einen dominanten Einfluss auf die Einkommensunterschiede. Sie tragen alle jeweils begrenzt zur Erklärung der Einkommensunterschiede bei.

Gleichzeitig wird dDie Arbeit von Frauen selbst im gleichen Segment des Arbeitsmarktes fast immer schlechter bezahlt. Neben einer illegitimen Diskriminierung von weiblichen Beschäftigten, die womöglich durch Tarifverträge gestützt wird, kommen als Erklärung für die vergleichsweise großen Einkommensunterschiede Besonderheiten des deutschen Berufsbildungssystems infrage, das in dem Bereich der industriellen und handwerklichen Berufe mit der betrieblichen Ausbildung eine Grundlage für Weiterbildung und Aufstieg (Geselle, Meister) anbietet, was für die von Frauen stark frequentierten schulischen Ausbildungsgänge und die Büroberufe bisher untypisch ist. Ein weiteres deutsches Spezifikum, das Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern fördert, stellen die im internationalen Vergleich sehr langen familienbedingten Berufsunterbrechungen von Frauen dar. Sie werden in Deutschland institutionell durch eine lange Arbeitsplatzgarantie nach der Geburt eines Kindes und durch ein unzureichendes Angebot an Kinderbetreuungsplätzen gestützt. Verschiedene Studien zeigen, dass sich Erwerbsunterbrechungen nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig negativ auf die Lohnentwicklung von Beschäftigten auswirken. Die Lebensarbeitseinkommen von Frauen in Westdeutschland werden zusätzlich noch durch eine hohe Teilzeitquote der weiblichen Beschäftigten beeinträchtigt. Im europäischen Vergleich hat Deutschland einen besonderen Nachholbedarf, solche Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen Frauen die gleichen Chancen wie Männer erhalten, ihre qualifizierten Schul- und Berufsabschlüsse in entsprechende Einkommen umzusetzen.