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3.7 Der relative Wohlstand und die relative Armut von Frauen und Männern
Die ungleiche Beteiligung von Frauen und Männern am Erwerbsleben und die für Frauen ungünstigen Einkommensrelationen erzeugen ein Wohlstandsgefälle zwischen Frauen und Männern. Wie eingangs betont, sind Erwerbseinkommen aber nicht die einzige Quelle des Wohlstands. Vermögen trägt erheblich zur Absicherung eines einmal erreichten Lebensstandards bei. Frauen besitzen allerdings nur etwa 70 Prozent der Vermögenssummen, über die Männer im Schnitt verfügen. Dabei sind die Differenzen der Durchschnittsvermögen von Frauen und Männern in Ostdeutschland etwas geringer als in Westdeutschland (Bundesregierung 2004a: 35).
Für den Wohlstand von verheirateten Frauen ist oft weniger das eigene Einkommen als das ihres Partners ausschlaggebend. Dass die im Durchschnitt viel geringeren Einkommen von Frauen dennoch nicht unbedeutend sind, ist daran zu erkennen, dass Familien vor allem dann in prekären Einkommensverhältnissen leben, wenn Mütter nur geringfügig beschäftigt oder nicht erwerbstätig sind (Becker 2002). Fraueneinkommen helfen Zwei-Eltern-Familien also vielfach, Armut zu vermeiden. Ihre Verdienste versetzen Frauen aber seltener als Männer in die Lage, ihren Lebensunterhalt überwiegend aus eigenem Erwerbseinkommen zu bestreiten (Kapitel 7, Abbildung 7.1). Auch wenn in den letzten Jahrzehnten der Anteil von Frauen, die ihre Existenz über Erwerbseinkommen oder Renten sichern können, gestiegen ist: 2002 lebt noch immer ein gutes Drittel der Frauen (36 %) gegenüber 22 Prozent der Männer überwiegend vom Lebensunterhalt durch Angehörige (Kapitel 7, Abbildung 7.1). Die ungleiche Erwerbsbeteiligung und Einkommensstruktur aber auch die unterschiedlichen Formen sozialer Sicherung von Frauen und Männern sind wesentliche Ursachen für die größere ökonomische Abhängigkeit von Frauen vom Lebensunterhalt durch Angehörige.
In Ostdeutschland liegt das Armutsrisiko generell deutlich über dem im Westen und trifft in den östlichen Bundesländern noch einmal eher Frauen als Männer: In den ostdeutschen Bundesländern leben 17 Prozent der Männer und 21 Prozent der Frauen unterhalb der Armutsgrenze (Bundesregierung 2004a: 95). Während in der deutschen Population 16 Prozent der Frauen und 11 Prozent der Männer unterhalb dieser Armutsgrenze leben, sind dies in der im Durchschnitt sehr viel schlechter in den Arbeitsmarkt integrierten und schlechter entlohnten ausländischen Bevölkerung 25 Prozent der Frauen und 23 Prozent der Männer (Bundesregierung 2004a: 83). Dauerhafte Armut ist unter Frauen 2003 verbreiteter als unter Männern (10,9 % zu 7,5 %). Im erwerbsfähigen Alter waren mehr Frauen als Männer von Sozialhilfe abhängig (3,7 % zu 2,5 %) (ebd.).
Dass das Wohlstandsgefälle zwischen den Geschlechtern nicht größer ausfällt, ergibt sich rein statistisch aus dem Zusammenleben vieler Frauen und Männer in "Bedarfsgemeinschaften", in denen allen Mitgliedern rein rechnerisch die gleiche Einkommensposition zugewiesen wird. Wir wissen allerdings nicht, ob in allen Bedarfsgemeinschaften diejenigen, die überwiegend unbezahlte Arbeit leisten, gleich am Erwerbseinkommen ihrer mit ihnen zusammenlebenden Partnerinnen bzw. Partner beteiligt werden (Stebat/Wimbauer 2001). Es könnte also in Bedarfsgemeinschaften eine unerkannte Armut von Männern, Frauen oder Kindern geben, die nur durch eine Analyse der Aushandlungs- und Verteilungsprozesse in (Familien-)haushalten sichtbar würde. Hier besteht großer Forschungsbedarf.
Das relativ hohe Armutsrisiko von Einpersonenhaushalten trifft in Deutschland Frauen wie Männer. 23 Prozent dieser Haushalte leben 2003 unterhalb der Armutsgrenze (60 % des Medians). Allerdings waren Männer 2003 häufiger als Frauen von Sozialhilfe abhängig (5,0 % zu 3,5 %). Paarhaushalte ohne Kinder leben viel seltener als Einpersonenhaushalte unterhalb der Armutsgrenze, nämlich nur in 13 Prozent der Fälle. Sie waren auch nur äußerst selten, nämlich in 0,8 Prozent der Fälle auf Sozialhilfe angewiesen. Unter allein Erziehenden ist das Armutsrisiko besonders hoch. Es liegt bei durchschnittlich 35 Prozent. Bei dieser Personengruppe war auch die Sozialhilfequote hoch. Dabei waren allein erziehende Mütter sehr viel häufiger als allein erziehende Väter von Sozialhilfe abhängig (26,3 % zu 6,1 %) (Bundesregierung 2004a: 79 f.). An den unterschiedlichen Sozialhilfequoten wird noch einmal deutlich, dass nicht das Frau-Sein an sich allein ein höheres Armutsrisiko darstellt, sondern das Mutter-Sein und die Zuständigkeit für Kinder. Dieses Armutsrisiko wird in Paarhaushalten meist durch das Einkommen des Vaters aufgefangen. Dies gelingt aber vielfach wahrscheinlich nur deshalb, weil Paare die Realisierung von Kinderwünschen vielfach von der finanziellen Situation des Haushaltes abhängig machen (Schmitt 2005; Tölke 2005).
Für Frauen wie Männer stellt die Arbeitslosigkeit ein hohes, ja steigendes Armutsrisiko dar. So leben 2003 63 Prozent der arbeitslosen Frauen und 52 Prozent der arbeitslosen Männer unterhalb der Armutsgrenze. 1998 lag diese Quote bei beiden Geschlechtern um 10 Prozent niedriger (ebd.: 80). In der besonders hohen Armutsquote arbeitsloser Frauen findet die schlechtere soziale Absicherung von Frauen durch die einkommensabhängige Arbeitslosenversicherung und die bedürftigkeitsabhängige Arbeitslosenhilfe (jetzt Arbeitslosengeld II) ihren Ausdruck. Die hohen Armutsquoten von Arbeitslosen machen noch einmal auf die große Bedeutung von Erwerbseinkommen für die Sicherung einer angemessenen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben aufmerksam.


