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3.6 Konsequenzen für das Lebensarbeitseinkommen von Frauen und Männern
Die stets geringere Bezahlung von vollzeitbeschäftigten Frauen sowie die Berufsunterbrechungen und Teilzeitbeschäftigungen von Müttern führen dazu, dass Frauen über das ganze Erwerbsleben hinweg betrachtet ein deutlich geringeres Lebensarbeitseinkommen erzielen als Männer. Um dies zu belegen, wurde im Bericht der Bundesregierung zur Berufs- und Einkommenssituation von Frauen und Männern auf die AVID 1996 (Altersvorsorge in Deutschland) zurückgegriffen (Deutscher Bundestag 2002a:149 ff.).
Auf der Basis der erreichten Entgeltpunkte wurde dort geschätzt, dass Frauen in Westdeutschland, die 1996 in Rente gingen, während ihres gesamten Erwerbslebens 42,4 Prozent der entsprechenden Männereinkommen verdienten. In Ostdeutschland waren die weiblichen Erwerbsbiografien weniger brüchig als in Westdeutschland. Während ihres Erwerbslebens hatten Frauen bei Renteneintritt 1996 70,7 Prozent der kumulierten Männereinkommen verdient (Deutscher Bundestag 2002a:150). Mit aktuelleren Ergebnissen auf Basis der AVID 2002 ist erst im Laufe des Jahres 2006 zu rechnen.
Für die rentenversicherungspflichtigen Personen kann auch auf Basis der Rentenanwartschaften die Geschlechterdifferenz der kumulierten Einkommen abgeschätzt werden. Dies geschieht auf Basis von Rentenanwartschaften, die sich auf zurückgelegte beitragspflichtige Erwerbszeiten in Form von Entgeltpunkten beziehen. Die Entgeltpunkte spiegeln im Rahmen der Rentenversicherung die im Lebensverlauf erzielten individuellen sozialversicherungspflichtigen Erwebseinkommen wider.
Diese Ergebnisse können nicht als direkte Fortschreibung der AVID-Ergebnisse von 1996 verstanden werden. Sie zeigen aber ebenfalls, dass auch Ende 2003 in Westdeutschland mit steigendem Lebensalter die abgeschätzten kumulierten Erwerbseinkommen der Geschlechter zunehmend differieren. Ende 2003 verdienten Frauen im Alter von 30 Jahren in ihrem bisherigen Erwerbsleben 92 Prozent des Männereinkommens. Eine 60 Jahre alte Frau erzielte während ihrer Erwerbsbiografie nur 53 Prozent des Männereinkommens. In Ostdeutschland wiesen Frauen traditionell eine höhere Erwerbsbeteiligung auf, sie arbeiteten häufiger in Vollzeitbeschäftigungen (Kapitel 2.7.1). Deshalb ist der geschlechtsspezifische Verdienstabstand auch in den höheren Alterskohorten im Osten geringer als im westlichen Landesteil (Abbildung 3.21).
Abbildung 3.21: Anteil der kumulierten1 Fraueneinkommen an den Männereinkommen nach Lebensalter in West- und Ostdeutschland 20032 (in %)
1 auf Basis der durchschnittlichen monatlichen Rentenanwartschaften bei hypothetischer voller Erwerbsminderung ohne Zurechnungszeit für Versicherte mit erfüllter allgemeiner Wartezeit oder vorzeitiger Wartezeiterfüllung bis zum Stichtag
2 Stichtag 31.12.2003
Datenbasis: VDR Statistik
Quelle: Auskunft von Seiten VDR vom 07.06.2003; eigene Berechnungen
Zum mit dem Lebensalter sinkenden Anteil von kumulierten Fraueneinkommen an Männereinkommen trägt neben den familienbedingten Erwerbsunterbrechungen und den brüchigeren Erwerbsbiografien von Frauen auch ein Kohorteneffekt bei. Junge Frauen bleiben heute im Vergleich zu älteren Frauenjahrgängen wegen Eltern- und Familienarbeit sowie veränderter Demografie (Kapitel 4) dem Arbeitsmarkt kürzer fern. Dies führt dazu, dass ihr Lebensarbeitseinkommen bei Eintritt ins Rentenalter gegenwärtig nicht mehr ganz so weit unter dem der Männer liegt wie 1960. Abbildung 3.22 zeigt dies anhand der Rentenzugangsstatistik.
Abbildung 3.22: Anteil der kumulierten1 Fraueneinkommen an den Männereinkommen in West- und Ostdeutschland 1960 bis 2004 (in %)
1 auf Basis der durchschnittlichen jährlichen Entgeltpunkte sowie den durchschnittlichen Versicherungsjahren bei Rentenzugang
Anmerkung: für Westdeutschland bis 1980 und 1992 ohne Knappschaft, da eine Geschlechtertrennung nicht möglich ist
Datenbasis: VDR-Statistik Rentenzugang
Quelle: VDR-Statistik Rentenzugang
In Westdeutschland ist ein allmählicher Anstieg des kumulierten Verdienstniveaus von 1960 bis 2004 zu konstatieren. Die kumulierten Erwerbseinkommen der Frauen reichten 2004 aber nicht einmal an die Hälfte der entsprechenden Männereinkommen heran. Dabei ist zu bedenken, dass der Verdienstabstand zwischen den Geschlechtern mit diesen Berechnungen eher unterschätzt ist, denn nur Einkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze werden durch Entgeltpunkte dargestellt. Dies führt dazu, dass vor allem Männereinkommen unterschätzt werden. Des Weiteren sind in den Versicherungsjahren und Entgeltpunkten auch beitragsfreie Zeiten (z.B. für Kindererziehung) enthalten, dies betrifft Frauen stärker als Männer und führt dazu, dass die kumulierten Einkommen von Frauen bei diesen Berechnungen überschätzt werden. So dürfte der tatsächliche Anteil der Lebensarbeitseinkommen von Frauen an denen von Männern eher noch niedriger liegen als die in Abbildung 3.22 dargestellten Schätzwerte. In Ostdeutschland erreichten Frauen einen viel höheren Anteil der kumulierten Erwerbseinkommen an den entsprechenden Einkommen von Männern. Der starke Anstieg der Schätzwerte für Ostdeutschland seit Beginn der 90er-Jahren ist vermutlich vor allem auf rentenrechtliche Aspekte zurückzuführen, real haben Frauen in den ostdeutschen Bundesländern ja eher Einkommensanteile verloren (Abbildung 3.3).


