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3.3 Entwicklung und Verteilung der Erwerbseinkommen in Deutschland

Daten der langfristigen Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass die Erwerbseinkommen von vollzeitbeschäftigten weiblichen Angestellten im früheren Bundesgebiet 1960 nur durchschnittlich 55 Prozent der Männerverdienste erreichten, die der Arbeiterinnen 60 Prozent der Arbeiterlöhne (Abbildung 3.2).

Abbildung 3.2: Anteile der Fraueneinkommen an den Männereinkommen im Produzierenden Gewerbe, Handel, Kredit- und Versicherungsgewerbe (Vollzeit) im früheren Bundesgebiet bzw. in Westdeutschland und in Ostdeutschland 1960 bis 2001 (in %)

1 Angaben für 2001 ohne Berlin
Anmerkung: Sowohl bei den Angestellten als auch bei den Arbeiterinnen und Arbeiter ist der Verdienstanteil von weiblichen Beschäftigten um einiges niedriger als bei Zusammenfassung beider Gruppen (79 %). Verantwortlich hierfür ist die unterschiedliche Verteilung von Frauen und Männern auf die beiden Arbeitnehmergruppen. Während nur 27 Prozent der Frauen als Arbeiterinnen, 73 Prozent hingegen als Angestellte tätig waren, waren mehr als die Hälfte der Männer (58 %) als Arbeiter beschäftigt. Der höhere Anteil der Arbeiter mit ihren insgesamt gesehen niedrigen Durchschnittsverdiensten senkte den durchschnittlichen Bruttomonatsverdienst der Männer insgesamt und verringerte dadurch den geschlechtsspezifischen Verdienstabstand. Werden beide Arbeitnehmergruppen zusammengefasst, so kommt man auf der Basis der Lohnstrukturerhebung 2000 zu einem Verdienstanteil der Frauen in Westdeutschland von 78 Prozent und in Ostdeutschland von 87 Prozent (Frank-Bosch 2002: 396). Damit nähern sich diese Werte denen an, die in Abbildung 3.3 gezeigt werden.
Datenbasis: Bruttomonatsverdienste Betriebserhebung des Statistischen Bundesamtes
Quelle: Frank-Bosch 2002: 398; veränderte Darstellung

1980 war der Verdienstanteil der weiblichen Angestellten und der Arbeiterinnen um 15 Prozent gestiegen, in den letzten Jahren verlangsamten sich diese Zuwächse. Im Osten Deutschlands befinden sich die Verdienste der weiblichen Beschäftigten näher am Verdienstniveau der männlichen Beschäftigten, dies gilt ganz besonders für Arbeiterinnen im Osten (Abbildung 3.2).

In der DDR waren die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern tabuisiert. Veröffentlichungen zum Lohn waren bis Ende 1989 verboten. Inzwischen weiß man, dass die Einkommen zu DDR-Zeiten zwar stark nivelliert waren, dass es dennoch ein Lohngefälle zwischen Frauen und Männern gab. Es lag Ende der 80er-Jahre um 16 Prozent, in stark von Männern dominierten Wirtschaftszweigen wie dem Maschinenbau bei 21 Prozent (Stephan/Wiedemann 1990: 556 f.). Zum gleichen Zeitpunkt lag der durchschnittliche Abstand der Verdienste von Frauen und Männern in der Bundesrepublik bei 30 Prozent. Noch heute haben sich die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern in Westdeutschland nicht so weitgehend aneinander angeglichen wie in Ostdeutschland (Abbildung 3.2 und Abbildung 3.3).

Abbildung 3.3: Anteile der Fraueneinkommen1 an den Männereinkommen1 (Vollzeit) in Deutschland insgesamt sowie in West2- und Ostdeutschland2 1977 bis 2002 (in %)

1 Für 2002 hochgerechnetes sozialversicherungspflichtiges Bruttojahresentgelt auf der Basis der quartalsweise erhobenen sozialversicherungspflichtigen Bruttojahresentgelte. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ohne Auszubildende, Werkstudentinnen und -studenten, Praktikantinnen und Praktikanten, Beschäftigte in Altersteilzeit und geringfügig Entlohnte
2 Standort des Betriebes, Ostdeutschland einschl. Berlin
Anmerkung: In der unten angegebenen Quelle ist für 1993 nur ein Wert für Ostdeutschland enthalten.
Datenbasis: IAB-Beschäftigtenstichprobe; BA-Beschäftigtenpanel
Quelle: Deutscher Bundestag 2002a: 99 Tabelle 2.5; BA-Beschäftigtenpanel; eigene Berechnungen 

Auf der Basis der IAB-Beschäftigtenstichprobe und des BA-Beschäftigtenpanels kann ebenfalls rekonstruiert werden, dass sich in den letzten Jahrzehnten bis 2002 die Einkommensdifferenzen zwischen Frauen und Männern im Westen verringerten, aber nicht das im Osten schon länger erreichte Niveau der Angleichung erkennen lassen (Abbildung 3.3).

Abbildung 3.3 zeigt, dass sich die Einkommen von Männern und Frauen im Westen in den letzten Jahren kaum angleichen (von 75% 1997 auf 76% 2002) und dass die weiblichen Beschäftigten in den ostdeutschen Bundesländern in den letzten Jahren Einkommensanteile am durchschnittlichen Männerverdienst verloren. Die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern befinden sich seit Jahren in Ost- und Westdeutschland auf völlig unterschiedlichem Niveau: Während Frauen im Westen nicht einmal 80 Prozent des durchschnittlichen Männereinkommens im Westen verdienen, erreichen Frauen im Osten im letzten Jahrzehnt zwischen 92 und 94 Prozent des durchschnittlichen Männerlohns im Osten (Abbildung 3.3). Die Einkommensverteilung im Osten kommt also einer Gleichstellung von Frauen und Männern deutlich näher als die im Westen. Diese vordergründig für Frauen im Osten vorteilhafte Situation hat allerdings auch eine negative Seite: Die Angleichung ging mit enormen Selektionsprozessen gerade unter weiblichen Beschäftigten in den unmittelbar auf die Vereinigung folgenden Jahren einher. Fast die Hälfte des Lohnzuwachses bei weiblichen Beschäftigten zwischen 1990 und 1994 führt Hunt mittels einer Analyse von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) darauf zurück, dass viele Geringqualifizierte, die überdurchschnittlich häufig weiblich waren, vom ostdeutschen Arbeitsmarkt verdrängt wurden (Hunt 2002).




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