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2.9 Frauen und Männer als Selbstständige und Unternehmensgründerinnen und Unternehmensgründer
Eine besondere Stellung am Arbeitsmarkt nehmen Selbstständige und Unternehmensgründerinnen bzw. -gründer ein. Einerseits werden angesichts der angespannten Arbeitsmarktlage und der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit große Hoffnungen auf eine Zunahme von selbstständigen Erwerbsformen gesetzt (Statistisches Bundesamt 2004f). Diese sollen neben der eigenen ökonomischen Existenz auch zusätzliche Arbeitsplätze absichern. Andererseits stellen gut ausgebildete Frauen und Männer mit unternehmerischer Initiative einen entscheidenden Standortfaktor dar; sie sind eine Quelle für Innovationen und damit Voraussetzung für eine erfolgreiche Teilnahme am globalen Wettbewerb (BMFSFJ 2002a). Bisher wurde allerdings das Selbstständigen- und Gründungspotenzial von Frauen in Deutschland zu wenig ausgeschöpft. [70]
Selbstständige sind definiert als Personen, die ein Unternehmen, einen Betrieb oder eine Arbeitsstätte als Eigentümer, Miteigentümer oder Pächter leiten. Zudem zählen selbstständige Handelsvertreter, freiberuflich Tätige, Hausgewerbetreibende und Zwischenmeister zu den Selbstständigen. Mithelfende Familienangehörige sind Haushaltsmitglieder, die ohne Lohn oder Gehalt und Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung im Unternehmen eines anderen Haushaltsmitglieds oder eines (nicht im selben Haushalt wohnenden) Verwandten mitarbeiten. Als werdende Selbstständige gelten Personen, die unabhängig vom aktuellen Erwerbsstatus und der Stellung im Beruf eine selbstständige Tätigkeit suchen. Als Gründerpersonen gelten Personen, die ihre aktuelle selbstständige Tätigkeit in den letzten 12 Monaten aufgenommen haben (Statistisches Bundesamt 2003i).
Im Jahr 2004 gibt es laut Mikrozensus 3,85 Millionen Selbstständige,[71] wovon 1,1 Millionen weiblichen Geschlechts sind. Das entspricht einem Frauenanteil von 28,9 Prozent. Die Zielgröße von 40 Prozent wird im Jahr 2005 also schwer zu erreichen sein, auch wenn die Zahl der weiblichen Selbstständigen seit 1991 stärker stieg als die der männlichen (Abbildung 2.26). Noch sind Frauen unter den Selbstständigen deutlich unterrepräsentiert.
Abbildung 2.26: Entwicklung der Selbstständigenzahlen (ohne mithelfende Familienangehörige) von Frauen und Männern in Deutschland 1991 bis 2004 (in 1.000)

Datenbasis: Mikrozensus
Quelle: Statistisches Bundesamt: GENESIS-ONLINE; eigene Darstellung
Unter den männlichen Erwerbstätigen stellen selbstständige Männer 2004 einen Anteil von 14 Prozent. Dagegen sind nur 7 Prozent aller erwerbstätigen Frauen selbstständig tätig. Betrachtet man die alterspezifischen Selbstständigenquoten, d.h. den Anteil der weiblichen und männlichen Selbstständigen an allen weiblichen bzw. männlichen Erwerbstätigen in den verschiedenen Altersgruppen, dann zeigt sich, dass die Schere zwischen den Geschlechtern mit zunehmenden Alter auseinander geht (Abbildung 2.27). In der höchsten Altersgruppe (65 Jahre und mehr), die nicht mehr als erwerbsfähig gilt, stellen männliche Selbstständige die Hälfte aller männlichen Erwerbstätigen, weibliche Selbstständige aber nur ein Viertel der weiblichen Erwerbstätigen. Die hohen Selbstständigenquoten spiegeln bei den über 60-Jährigen die biografisch längere Erwerbstätigkeit von Selbstständigen im Vergleich zu abhängig Beschäftigten wider.
Abbildung 2.27: Selbstständigenquoten1 (ohne mithelfende Familienangehörige) von Frauen und Männern nach Altersgruppen in Deutschland 2004 (in %)
1 Anteil der selbstständigen Frauen und Männer an allen erwerbstätigen Frauen bzw. Männern
Datenbasis: Mikrozensus
Quelle: Statistisches Bundesamt: Sonderauswertung des Mikrozensus; eigene Berechnungen
Bei den Selbstständigen ist wie bei den übrigen Erwerbstätigen eine geschlechtsspezifische horizontale Segregation zu beobachten. Auch selbstständige Frauen arbeiten ganz überwiegend im Dienstleistungssektor. Auf fast neun von zehn weiblichen Selbstständigen (89 %) trifft dies nach dem Mikrozensus 2004 zu. Bei den Männern sind es zwei von drei (66 %). Im produzierenden Gewerbe betätigen sich nur 7 Prozent der selbstständigen Frauen und 25 Prozent der selbstständigen Männer. In der Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei arbeiten nur 3,7 Prozent aller selbstständigen Frauen, bei den Männern sind es 9,1 Prozent.
Es wurde bereits gezeigt, dass Frauen unter den Selbstständigen deutlich unterrepräsentiert sind. Noch stärker gilt dies für Selbstständige, die andere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigen. Frauen stellen nur 23 Prozent der Selbstständigen mit Beschäftigten (Abbildung 2.28). Die Situation in den östlichen Bundesländern weicht hiervon etwas ab.
Abbildung 2.28: Anteile an den Selbstständigen1 (ohne mithelfende Familienangehörige) mit und ohne Beschäftigte von Frauen und Männern in Deutschland insgesamt sowie in West-2 und Ostdeutschland3 2004 (in %)
1 Beschäftigt ein(e) Selbstständige(r) nur mithelfende Familienangehörige, so gilt sie/er als Selbstständige(r) ohne Beschäftigte.
2 Westdeutschland einschl. Berlin-West
3 Ostdeutschland einschl. Berlin-Ost
Datenbasis: Mikrozensus
Quelle: Statistisches Bundesamt: 2005k; eigene Berechnungen


