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2.6 Erwerbsbeteiligung nach Familienstand
Wie gezeigt, nimmt mit zunehmendem Bildungsniveau der geschlechtsspezifische Unterschied in der Erwerbsbeteiligung ab, dennoch weisen Frauen durchgängig geringere Erwerbstätigenquoten auf. Ursache hierfür ist vor allem die Praxis der geschlechtsspezifischen Arbeitsverteilung in Haushalt und Familie (Kapitel 5.6).
Abbildung 2.10 zeigt die Erwerbstätigkeit der Geschlechter nach Familienstand. Auf den ersten Blick fällt die große Geschlechterdifferenz unter den Verheirateten auf. Dagegen besteht bei den Ledigen und den Verwitwet/Geschiedenen nur eine kleine "Geschlechterlücke", was ihre Erwerbstätigkeit betrifft (Abbildung 2.10). Ehen funktionieren also häufig noch nach dem "männlichen Ernährermodell" (Pfau-Effinger 2001).
Abbildung 2.10: Erwerbstätigenquoten¹ der 15- bis 64-jährigen Frauen und Männer nach dem Familienstand in Deutschland 2004 (in %)

1 Erwerbstätigenquote: prozentualer Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung (15 bis 64 Jahre) nach dem Familienstand. Zu den Erwerbstätigen zählen auch die Personen in Elternzeit.
Datenbasis: Mikrozensus
Quelle: Statistisches Bundesamt: 2005k; eigene Berechnungen
Wenn man verschiedene Altersgruppen getrennt betrachtet, fällt ebenfalls auf, dass sich die Erwerbsbeteiligung lediger Frauen kaum von der der lediger Männer unterscheidet (Tabelle 2.4). So sind knapp acht von zehn ledigen Frauen in der Altersgruppe der 25- bis 54-Jährigen berufstätig, ihre Erwerbstätigkeit übertrifft sogar die Männerquoten um fast 3 Prozentpunkte. Die erwartete Geschlechterungleichheit tritt bei den verheirateten Frauen und Männern in nahezu allen Altersgruppen am deutlichsten hervor; dieser Effekt dürfte auf die höhere Kinderzahl von verheirateten gegenüber unverheirateten Paaren zurückzuführen sein und die damit verbundene Traditionalisierung der Arbeitsteilung wohl aber auch auf die steuerliche und versicherungsrechtliche Begünstigung der Hausfrauenehe mit männlichem Ernährer. Dass die Geschlechterdifferenzen auch bei geschiedenen und verwitweten Frauen und Männern zumindest in der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen deutlich größer sind als bei den Ledigen, deutet darauf hin, dass ehemals verheiratete Frauen nicht mehr die gleichen Chancen wie ständig berufstätige ledige Frauen haben, sich ins Erwerbsleben zu integrieren, bzw. Transferzahlungen bekommen (Tabelle 2.4).
Es überrascht, dass die Erwerbstätigkeit von ledigen Frauen in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen niedriger ist als bei den verheirateten Frauen in der gleichen Altersgruppe. Dies gilt allerdings für die Männer noch ausgeprägter. Dies erklärt sich damit, dass sich unter den ledigen Frauen wie Männern dieser Altersgruppe viele noch in Schule und Studium befinden.
Tabelle 2.4: Altersgruppenspezifische Erwerbstätigenquoten¹ von Frauen und Männern sowie die Geschlechterdifferenz² nach Familienstand in Deutschland 2004 (in %)
1 Erwerbstätigenquote: prozentualer Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 64 Jahren. Zu den Erwerbstätigen zählen auch die Personen in Elternzeit.
2 Differenzen, dargestellt in Prozentpunkten, errechnen sich aus der Erwerbstätigenquote für Männer abzüglich der Erwerbstätigenquote für Frauen nach dem Familienstand. Bei negativen Werten ist die Quote der Frauen höher als die Quote der Männer.
Datenbasis: Mikrozensus
Quelle: Statistisches Bundesamt: 2005k; eigene Berechnungen
Ein Vergleich der Erwerbsbeteiligung lediger und verheirateter Frauen in West- und Ostdeutschland zeigt, dass sich die Folgen unterschiedlicher "Erwerbstraditionen" noch immer abzeichnen (Abbildung 2.11).
Abbildung 2.11: Erwerbstätigenquoten¹ der 15- bis 64-jährigen Frauen und Männer nach Familienstand in West²- und Ostdeutschland³ 2004 (in %)
1 Erwerbstätigenquote: prozentualer Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 64 Jahren. Zu den Erwerbstätigen zählen auch die Personen in Elternzeit.
2 Westdeutschland einschl. Berlin-West
3 Ostdeutschland einschl. Berlin-Ost
Datenbasis: Mikrozensus
Quelle: Statistisches Bundesamt: 2005k; eigene Berechnungen
Erwerbstätigkeit war zu DDR-Zeiten auch für verheiratete Frauen und Mütter eine Selbstverständlichkeit, für allein erziehende Mütter sicher auch eine Notwendigkeit. An dieser Sicht hat sich auch nach dem Beitritt der neuen Länder nicht viel geändert. In Westdeutschland besitzt dagegen das Familienmodell mit männlichem Ernährer noch Orientierungskraft. Auch ist es im Westen angesichts fehlender Betreuungseinrichtungen für unter Dreijährige, aber auch nur unzureichender Angebote für ältere Kinder für Eltern oft unausweichlich, dass ein Elternteil über Jahre seine Erwerbsarbeit einschränkt (Kapitel 5.8).
Der innerdeutsche Unterschied in der Erwerbstätigkeit von Frauen wird besonders in der abweichenden Arbeitsmarktintegration von verheirateten Frauen sichtbar. In den westdeutschen Bundesländern weist die Gruppe der verheirateten Frauen die geringste Erwerbstätigenquote auf, in den ostdeutschen Ländern dagegen die höchste (Abbildung 2.11). Auch vierzehn Jahre nach dem Beitritt der ostdeutschen Länder zur Bundesrepublik führte die teilweise Angleichung von Rahmenbedingungen z.B. bei Steuern und Sozialversicherung zwar zu einer Annäherung, aber nicht zu einer mehrheitlichen Übernahme westdeutscher Erwerbs- und Familienmuster (Weißhuhn/Rövekamp 2003; Fuchs/Weber 2004).
Mehr noch als der Familienstand beeinträchtigen Kinder die Erwerbstätigkeit von Frauen. Dies wird im Kapitel zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausführlich dargestellt (Kapitel 5).


