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2.5 Erwerbsbeteiligung nach Qualifikationen
Im internationalen Wettbewerb ist Bildung zum entscheidenden Standortfaktor geworden. Eine stark wissensbasierte Gesellschaft stellt immer höhere Ansprüche an das Bildungsniveau der Arbeitskräfte (Europäische Kommission 2004a). Hohe formale Bildungsabschlüsse und Weiterbildungszertifikate bilden zunehmend die Eintrittskarte in Unternehmen. Dies verbindet sich mit der Notwendigkeit, das eigene Wissen ständig an die sich ändernden Anforderungen der Arbeitswelt anzupassen (Schömann 2001). Eine höhere schulische Qualifikation und eine entsprechende berufliche Ausbildung verbessern die Chancen von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt und erhöhen auch deren intrinsische Motivation, einer Erwerbsarbeit nachzugehen (Schulze-Buschoff/Rückert-John 1999). So nimmt die Erwerbstätigenquote mit zunehmendem Bildungsabschluss bei Frauen und Männern zu (Abbildung 2.7).
Abbildung 2.7: Erwerbstätigenquoten¹ der 30- bis 64-Jährigen nach dem höchsten Schulabschluss in Deutschland 1991 und 2004 (in %)
1 Erwerbstätigenquote: prozentualer Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung (30 bis 64 Jahre) nach den Schulabschlüssen. Zu den Erwerbstätigen zählen auch die Personen in Elternzeit.
2 Für das Jahr 1991 ist die zum Merkmal "allgemeiner Schulabschluss" gehörige Ausprägung "ohne Schulabschluss" standardmäßig nicht verfügbar.
3 inklusive Abschluss der allgemeinen polytechnischen Oberschule der ehemaligen DDR
Anmerkung: Legende in Leserichtung lesen.
Datenbasis: Mikrozensus
Quellen: Statistisches Bundesamt: Sonderauswertung des Mikrozensus; Statistisches Bundesamt: Die Gesundheitsberichterstattung des Bundes (www.gbe-bund.de); eigene Berechnungen
Abbildung 2.7 zeigt, dass sich besonders für Männer mit geringer Schulbildung von 1991 auf 2004 die Arbeitsmarktlage verschlechtert hat. Die Erwerbsbeteiligung der Männer mit niedrigen Schulabschlüssen liegt aber immer noch deutlich über der der Frauen mit gleichen Bildungsabschlüssen. Frauen haben auf allen Qualifikationsniveaus ihre Erwerbsbeteiligung gesteigert. Das höhere Schulniveau von Frauen hat deren Arbeitsmarktintegration zusätzlich gefördert. Unter den Frauen und Männern mit höherer Qualifikation sind die Unterschiede in der Erwerbstätigkeit geringer als unter den Frauen und Männern mit niedrigem Qualifikationsniveau. 2004 besteht zwischen den Erwerbstätigenquoten von Frauen und Männer mit Realschulabschluss und Abitur eine Differenz von 10,3 bzw. 10,2 Prozentpunkten, während bei den unteren Schulabschlüssen der Abstand (Volks- oder Hauptschulabschluss 18,0 Prozentpunkte bzw. ohne Schulabschluss 19,4 Prozentpunkte) am größten ist (Abbildung 2.7).
In Abbildung 2.8 wird die Entwicklung der Erwerbstätigenzahlen nach Ausbildungsniveau dargestellt. Es fallen die hohen Zuwachsraten der Frauen - besonders deutlich bei den höher qualifizierten Ausbildungswegen - auf. Die Zahl der erwerbstätigen Frauen mit Angabe eines Berufsabschlusses wuchs laut Mikrozensus von 1991 bis 2004 um rund 1,1 Millionen (siehe Anhang Tabelle A 2.1). Hervorzuheben waren die Beschäftigungsgewinne bei den Akademikerinnen (+855.000 oder 69,7 %). Die Zuwächse bei Akademikern (+614.000 oder 22,6 %) fallen geringer aus als bei Akademikerinnen und konnten die Beschäftigungsverluste der männlichen Erwerbstätigen mit Lehrausbildung (-1.952.000 oder -16,5 %) sowie Meister-und Technikerausbildung, Fachschulabschluss (-264.000 oder -10,6 %) nur unzureichend ausgleichen (Abbildung 2.8).
Abbildung 2.8: Wachstum bzw. Rückgang der Erwerbstätigenzahlen nach Geschlecht und Ausbildungsabschluss1 in Deutschland 1991 bis 2004 (in %)
1 Im Jahr 1991 waren sämtliche Angaben zu dieser Variable auf freiwilliger Basis erfolgt; für das Jahr 2004 bestand jedoch Auskunftspflicht für Personen bis 51 Jahre, für alle älteren Personen bestand freiwillige Auskunft. Die Antwortquote bei freiwilliger Auskunft fällt i.d.R. geringer aus, dieser Effekt ist beim Vergleich mit dem Jahr 2004 zu berücksichtigen. Zu den Erwerbstätigen zählen auch die Personen in Elternzeit
2 einschließlich Anlernausbildung, berufliches Praktikum, Berufsvorbereitungsjahr, berufsqualifizierender Abschluss an Berufsfach-/Kollegschulen, Abschluss einer einjährigen Schule des Gesundheitswesens
3 einschließlich Abschluss einer 2- oder 3-jährigen Schule des Gesundheitswesens, Abschluss einer Fachakademie oder einer Berufsakademie, Abschluss einer Verwaltungsfachhochschule, einschließlich Fachschulabschluss in der ehemaligen DDR
4 einschließlich Ingenieurschulabschluss
Datenbasis: Mikrozensus
Quellen: Statistisches Bundesamt: 2003b; Statistisches Bundesamt: 2004aj; Statistisches Bundesamt: 2005a; Statistisches Bundesamt: Sonderauswertung des Mikrozensus; eigene Berechnungen
Nicht nur ein besserer Schulabschluss, sondern auch ein besserer Berufsabschluss erhöht die Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern (Abbildung 2.9). In der Gruppe der geringer Qualifizierten sind die größten Geschlechterunterschiede feststellbar. Offensichtlich haben Frauen hier immer noch mit mehr Benachteiligungen zu kämpfen. Vielleicht aber zieht ein Teil der gering qualifizierten Frauen auch eine Beschränkung auf eine Familienrolle vor, weil das Erziehungsgeld, die Steuervergünstigung[44] (Ehegattensplitting, Steuerklassenwahl III/V) sowie die Familienversicherung bei Verzicht auf Erwerbsarbeit für sie vergleichsweise attraktiv sind und die bei ihrer Erwerbsbeteiligung entstehenden Kinderbetreuungskosten die von ihnen erzielbaren Einkommen allzu deutlich mindert.


