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2.4 Erwerbsbeteiligung nach Altersgruppen

Das Alter ist eine wichtige Determinante für die Erwerbstätigkeit. Ausgehend von einer niedrigen Erwerbspartizipation in jungen Jahren, steigt die Beschäftigung im Lebensverlauf kontinuierlich an. Je näher wiederum das Renten- oder Pensionsalter rückt, desto mehr nimmt die Erwerbstätigkeit ab. Hierbei ist der Erwerbsverlauf bei Frauen unsteter als bei Männern. Bei Frauen haben Heirat und, mehr noch, die Geburt von Kindern sowie die Wahrnehmung von Betreuungsaufgaben (für Kinder und ältere Familienmitglieder) großen Einfluss auf ihren Erwerbsverlauf (Nestmann/Schmerl 1991; Naegele 1996). In den Altersgruppen der 15- bis 19-Jährigen und der 20- bis 24-Jährigen ist 2004 die Erwerbstätigkeit bei beiden Geschlechtern ähnlich gering, weil sich viele in Schule und Studium befinden (Abbildung 2.4).[43] In allen Altersgruppen zwischen 25 bis 29 und 50 bis 54 Jahren übertrifft die Männererwerbstätigkeit konstant die 74-Prozentmarke zwischen 30 und 49 Jahren sogar die 84-Prozentmarke. Dieses hohe Niveau bleibt von den Frauen unerreicht. Die Altersspanne mit hoher Erwerbstätigkeit ist bei ihnen wesentlich kürzer. Lediglich in der Altersgruppe von 35 bis 49 Jahren können Erwerbstätigenquoten über 70 Prozent erreicht werden (Abbildung 2.4).

Abbildung 2.4: Altersspezifische Erwerbstätigenquoten¹ von Frauen und Männern sowie die Geschlechterdifferenz in Deutschland 2004 (in %)

1 Erwerbstätigenquote: prozentualer Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung in den jeweiligen Altersgruppen. Zu den Erwerbstätigen zählen auch die Personen in Elternzeit
Datenbasis: Mikrozensus
Quelle: Statistisches Bundesamt: GENESIS-ONLINE; eigene Berechnungen

Die größten Geschlechterdiskrepanzen bestehen zwischen dem 30. und dem 40. Lebensjahr, also in einem Lebensalter, in dem für viele Frauen und Männer die aktive Familienphase liegt. Auch wenn man Personen in Elternzeit zu den Erwerbstätigen rechnet, sind die geschlechtsspezifischen Konsequenzen der Familienphase für die Erwerbsbeteiligung unverkennbar. Ihre höchste Erwerbsbeteiligung erreichen Männer im Alter von 35 bis 39 Jahren. Für Frauen gilt dies erst rund fünf bis zehn Jahre später, also nicht - wie schon oft angenommen - in der Phase vor der Familiengründung, sondern in einer Altersphase, in der die Kinder schon etwas älter sind. Die Geschlechterunterschiede bei den älteren Erwerbstätigen dürften auch Produkt vergangener Beteiligungs- und Benachteiligungsstrukturen sein.

Die Erwerbsverläufe von Frauen und Männern in Ostdeutschland gleichen sich sehr viel stärker als die von Frauen und Männern in Westdeutschland (Abbildung 2.5). Lediglich am Anfang und am Ende der Erwerbsphase sind größere Abweichungen zu erkennen. Zu der relativen Geschlechtergleichheit im Osten trägt bei, dass Männer im Osten (auf Grund der hohen Arbeitslosenquote) nicht so in den Arbeitsmarkt integriert sind wie westdeutsche Männer. Das Erwerbsmuster westdeutscher Frauen ist durch eine Stagnation der Erwerbsbeteiligung in der Lebensspanne von 30 bis 45 Jahren gekennzeichnet. Hier beeinträchtigt die aktive Familienphase ihre Erwerbstätigkeit und zwar oft gegen den Willen der betroffenen Frauen (Kapitel 5.5). In Ostdeutschland federt vermutlich das besser ausgebaute Kinderbetreuungssystem diesen Effekt teilweise ab (Kapitel 5.8). Wie Abbildung 2.5 zeigt, sind die Geschlechterunterschiede in Ostdeutschland weit weniger stark ausgeprägt als in Westdeutschland.

Abbildung 2.5: Altersspezifische Erwerbstätigenquoten¹ von Frauen und Männern in West2- und Ostdeutschland3 2004 (in %)

1 Erwerbstätigenquote: prozentualer Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung in den jeweiligen Altersgruppen; Zu den Erwerbstätigen zählen auch die Personen in Elternzeit
2 Westdeutschland einschl. Berlin-West
3 Ostdeutschland einschl. Berlin-Ost
Datenbasis: Mikrozensus
Quelle: Statistisches Bundesamt: 2005k; eigene Berechnungen

Personen mit ausländischem Pass sind deutlich schlechter als die angestammte Bevölkerung in den Arbeitsmarkt integriert (Abbildung 2.6). Der relativ schlechte Beschäftigungsstand der ausländischen Bevölkerungsgruppe muss einerseits auf das niedrigere Niveau der Schul- und Berufsausbildung sowie Sprachprobleme zurückgeführt werden. Andererseits werden die Erwerbschancen von Migrantinnen und Migranten dadurch beeinträchtigt, dass im Ausland erworbene Qualifikationen in Deutschland nicht immer anerkannt oder nachgefragt werden. Kulturell verankerte Familienleitbilder, ungünstige Bildungsvoraussetzungen sowie die größere Kinderzahl von ausländischen Frauen können Ursachen für die großen Geschlechterdifferenzen in den Erwerbsverläufen der nicht-deutschen Bevölkerung sein.

Abbildung 2.6: Altersspezifische Erwerbstätigenquoten¹ für Deutsche und Ausländer/-innen2 in Deutschland 2004 (in %)

1 Erwerbstätigenquote: prozentualer Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung in den jeweiligen Altersgruppen; Zu den Erwerbstätigen zählen auch die Personen in Elternzeit
2 Ausländer/-innen sind Personen ohne deutschen Pass. Fallzahl für Ausländerinnen über 64 Jahren zu gering, deshalb wird keine Erwerbstätigenquote ausgewiesen.
Datenbasis: Mikrozensus
Quelle: Statistisches Bundesamt: 2005k; eigene Berechnungen




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