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2.3 Entwicklung der Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern in Deutschland
Trotz einer allmählichen Angleichung der Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern in Deutschland weichen deren Erwerbsmuster noch erheblich voneinander ab. Tabelle 2.1 zeigt, dass die Erwerbstätigkeit von Frauen in den letzten Jahren ständig gewachsen ist. Ausgehend von 1991 bis 2004 legte die Zahl der weiblichen Erwerbstätigen um knapp 400.000 zu. Dagegen schrumpfte die Zahl der männlichen Beschäftigten. Damit verringerte sich die Differenz zwischen der Zahl der beschäftigten Frauen und der der beschäftigten Männer. Die beschriebene Entwicklung wurde von stark steigender Erwerbslosigkeit begleitet. Die Zahl der erwerbslosen Männer stieg von 1991 bis 2004 um 1,6 Millionen, die der Frauen nahm weniger stark (um 0,7 Millionen) zu. Die Erwerbslosenquote der Frauen blieb 2004 unter dem Niveau der Männer (Tabelle 2.1). Die vermehrte Erwerbslosigkeit seit Mitte der 90er-Jahre ging also stärker zu Lasten der Männer und führte zu einer Angleichung der Erwerbstätigenquoten und Erwerbslosenquoten von Frauen und Männern. Das heißt, die Tatsache, dass in den 90er-Jahren weniger bezahlte Arbeit angeboten wurde, beeinträchtigte die Entwicklung der Erwerbsbeteiligung von Frauen weniger als die der Männer.
Erwerbstätigenquoten geben den Anteil der erwerbstätigen Frauen und Männer an der entsprechenden weiblichen bzw. männlichen Bevölkerungsgruppe an. Zu den Erwerbstätigen werden auch die Personen gezählt, deren Arbeitsverhältnis zum Erhebungszeitpunkt ruht, so die Personen in Elternzeit. Im Kapitel 5 werden auch Daten zu den "aktiv" Beschäftigten präsentiert. Aus diesem Personenkreis sind die Beschäftigten, die sich im Erziehungsurlaub befinden, ausgeschlossen (Abbildung 5.5). Zu unterscheiden ist die Erwerbstätigenquote von der Erwerbsquote. Diese beinhaltet neben den Erwerbstätigen auch die Erwerbslosen. Die Erwerbstätigenquote ist gleich der Erwerbsquote, wenn keine Erwerbslosigkeit vorliegt.
Tabelle 2.1: Erwerbsbeteiligung in Deutschland (15- bis 64-Jährige) 1991, 1997 und 2004 (in 1.000 und in %)
1 Erwerbsquote: prozentualer Anteil der Erwerbspersonen (Erwerbstätige und Erwerbslose) an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 64 Jahren. Kurzfristig für den Arbeitsmarkt nicht verfügbare Erwerbslose werden berücksichtigt.
2 Erwerbstätigenquote: prozentualer Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 64 Jahren. Personen in Elternzeit werden zu den Erwerbstätigen gezählt.
3 Erwerbslosenquote: prozentualer Anteil der Erwerbslosen an den Erwerbspersonen im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 64 Jahren. Kurzfristig für den Arbeitsmarkt nicht verfügbare Erwerbslose werden berücksichtigt
Datenbasis: Mikrozensus
Quellen: Statistisches Bundesamt: 2003v; Statistisches Bundesamt: 2004aj; Statistisches Bundesamt: GENESIS-ONLINE; Statistisches Bundesamt: 2005a; Statistisches Bundesamt: Sonderauswertung des Mikrozensus; eigene Berechnungen
Mit einer Frauenerwerbstätigenquote von 58,4 Prozent übertrifft Deutschland schon 2004 das in der Europäischen Beschäftigungsstrategie gesetzte Ziel für 2005 und erreichte fast das erst für 2010 angestrebte Ziel von 60 Prozent. Allerdings relativiert sich der Eindruck der starken beruflichen Integration von Frauen, wenn man die Arbeitszeit und das Arbeitsvolumen als Kriterium hinzuzieht. Frauen stehen nämlich häufiger als Männer in Teilzeitbeschäftigungen und geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen, wenn diese das jeweils einzige Beschäftigungsverhältnis sind.
Wird die Erwerbstätigenquote nach Arbeitszeit in Vollzeitäquivalent-Arbeitsplätzen gewichtet und nicht allein nach Köpfen berechnet (Beckmann 2003), dann zeigt sich ein anderes Bild. Hierfür liegen die Zahlen aus 2003 vor. Hinter der Frauenerwerbstätigenquote von 59 Prozent im Jahr 2003 verbergen sich lediglich 46 "Vollzeitäquivalent-Prozent" (Abbildung 2.3). Im Gegensatz zur einfachen Erwerbstätigenquote ist die weibliche Vollzeitäquivalent-Erwerbstätigenquote zudem von 1992 (48 %) bis 2003 (46 %) leicht gefallen. Diese Quote nahm im gleichen Zeitraum bei den Männern von 76 Prozent auf 69 Prozent ab.
Nachfolgend ein einfaches Beispiel für die Berechnung von Vollzeitäquivalenten: In einem kleinen Unternehmen arbeiten zwei Frauen in Teilzeit (jeweils eine halbe Stelle mit 20 Stunden pro Woche) und ein Mann in Vollzeit (eine ganze Stelle mit 40 Stunden pro Woche). Normalerweise erfasst die amtliche Erwerbsstatistik die Beschäftigten nach Köpfen, also kommen in diesem Betrieb zwei weibliche auf einen männlichen Erwerbstätigen. Summiert man die Stunden pro Woche für Frauen und Männer, dann haben in diesem Unternehmen die beiden Frauen zusammen nur eine ganze Stelle mit 40 Stunden pro Woche - oder ein Vollzeitäquivalent. Nach Vollzeitäquivalent betrachtet, kommt in diesem Unternehmen ein weibliches auf ein männliches Vollzeitäquivalent.
Abbildung 2.3 zeigt nun sowohl die Entwicklung der Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern nach Personen als auch die Entwicklung der Vollzeitäquivalente von Frauen und Männern seit 1992. Es wird hier deutlich, dass die Erwerbsbeteiligung von Frauen, gemessen am Anteil der beschäftigten Personen in den letzten Jahren zunahm, dass aber die von Frauen geleistete Erwerbsarbeitszeit insgesamt nicht stieg (Abbildung 2.3).


