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2.2 Europäischer Vergleich
Das Ziel der Europäischen Beschäftigungsstrategie ist es, die Gesamtbeschäftigungsquote zu steigern und die geschlechtsspezifischen Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt zu mindern. Mittelfristig bis zum Jahr 2010 soll in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union eine gesamtgesellschaftliche Erwerbstätigenquote von 70 Prozent erreicht werden. Hierzu ist es notwendig, die Frauenerwerbstätigkeit auszuweiten. Europaweit wird eine Frauenerwerbstätigenquote von mindestens 57 Prozent bis 2005 und 60 Prozent bis 2010 angestrebt. Hinzu kommt die Absicht, ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer länger am Erwerbsleben teilhaben zu lassen (Europäische Kommission 2004a).
Als Indikator für die Gleichstellung der Geschlechter wird gerne die Differenz der Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern im erwerbsfähigen Alter (15 bis 64 Jahre) genutzt (Abbildung 2.2).[40] Die Erwerbstätigenquoten der Männer sind durchgängig höher als die der Frauen und zwar selbst dann, wenn man Personen in Elternzeit mit zu den Erwerbstätigen zählt, wie dies hier in Abbildung 2.2 geschieht.
Abbildung 2.2: Erwerbstätigenquote1 von Frauen und Männern (15- bis 64-Jährige) in den EU-Staaten und assoziierten Staaten 2003 (in %)
1 Erwerbstätigenquote: prozentualer Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 64 Jahren
2 Beitritt für 2007 geplant
3 Aufnahme von Beitrittsverhandlungen
Anmerkung: Länder geordnet nach Geschlechterdifferenzen (errechnen sich aus der Erwerbstätigenquote für Männer abzüglich der Erwerbstätigenquote für Frauen): oben geringste und unten höchste Geschlechterdifferenz
Datenbasis: Eurostat, LFS; eigene Berechnungen
Quelle: European Commission 2004
In der Europäischen Union der 15 Mitgliedsstaaten - also ohne die osteuropäischen Staaten - erreichen Männer 2003 eine Erwerbstätigenquote von 72,5 Prozent. Wesentlich geringer fällt mit 56 Prozent die Rate für Frauen aus. In Deutschland liegt die Frauenerwerbstätigenrate (58,8 %) über und die Männererwerbstätigenrate (70,6 %) unter dem EU-Durchschnitt (Abbildung 2.2). Besser als Deutschland ist es bisher den skandinavischen Ländern gelungen, Frauen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Aber auch die Niederlande, Großbritannien und Österreich liegen bei der Frauenerwerbstätigkeit deutlich vor Deutschland.[41] Dabei geht auch in diesen Ländern die höhere Berufstätigkeit von Frauen mit einer starken Männererwerbstätigkeit Hand in Hand. Letztere liegt meist über dem deutschen Niveau.
In Abbildung 2.2 sind die Länder nach dem Abstand zwischen weiblicher und männlicher Erwerbstätigenquote (Geschlechterdifferenz) geordnet. Hier zeigt sich, dass in vielen der ehemaligen kommunistischen Staaten die Erwerbsbeteiligung der Geschlechter weniger differiert als in Deutschland. In Schweden ist die Geschlechterdifferenz mit 2,7 Prozentpunkten am geringsten. Die größten Unterschiede zeigen sich in den Mittelmeerländern Spanien (27,2 Prozentpunkte), Griechenland (28,6 Prozentpunkte), Türkei (40,0 Prozentpunkte) und Malta (41,7 Prozentpunkte). Mit einer Geschlechterdifferenz von 11,8 Prozentpunkten nimmt Deutschland unter den 28 Staaten eine mittlere Stellung ein (Abbildung 2.2).
Die Angleichung der Erwerbstätigenquoten von Frauen und Männern wird häufig als Indiz für die Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt herangezogen. Mit ihr kann jedoch nicht erfasst werden, wie ungleich das Arbeitszeitvolumen von Frauen und Männern und damit verbunden auch ihr Einkommen und ihre selbst erworbene soziale Sicherung verteilt ist (Beckmann 2003). Bei der Beschreibung der Entwicklung in Deutschland wird deshalb auch auf die Entwicklung der Arbeitszeitvolumina von Frauen und Männern Bezug genommen.
[40] Im europäischen Kontext wird die Erwerbstätigenquote üblicherweise als Beschäftigungsquote bezeichnet.
[41] Würde man das Arbeitsvolumen von Frauen und Männern in die Berechnung mit aufnehmen, dann ändern sich die Rangplätze der Länder nach Geschlechterdifferenz nur unwesentlich.


