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2.11 Überblick über die Ergebnisse
Überall in Europa hat die Erwerbstätigkeit von Frauen zugenommen. Dieser Trend ist auch in Deutschland zu beobachten; er ist hier von einer auffallend hohen Teilzeitquote von berufstätigen Frauen begleitet. 2004 liegt die Teilzeitquote von erwerbstätigen Frauen in Deutschland bei 42 Prozent, die der Männer bei 6 Prozent. Auch die geringfügige Beschäftigung ist bei Frauen deutlich verbreiteter, besonders im Westen Deutschlands. Im Osten sind mehr Frauen Vollzeit beschäftigt. Während vor allem den gering qualifizierten Männern der Eintritt in das Erwerbsleben immer schwerer fällt, profitieren junge Frauen von ihren besseren Abschlüssen. Die Erwerbsbeteiligung hochqualifizierter Frauen hat sich der der Männer weiter angeglichen als die der wenig qualifizierten Frauen.
Der Wandel von der Industriegesellschaft zur Dienstleistungsgesellschaft kam der Beschäftigung von Frauen zu Gute. Der Umfang der Männererwerbstätigkeit reduzierte sich dagegen. So nahm die Zahl der weiblichen Beschäftigten kontinuierlich zu, die der männlichen sank. Angesichts der gegenläufigen Entwicklung wird gelegentlich die Frage gestellt, ob Frauen Männer mittelfristig aus dem Arbeitsmarkt verdrängen. Angesichts der anhaltend starken Segregation ist dies gegenwärtig eher zu verneinen. Seit einigen Jahren sind allerdings nicht mehr Frauen, sondern Männer unter den gemeldeten Arbeitslosen überrepräsentiert. Frauen profitieren offenbar von ihrer gestiegenen schulischen und beruflichen Qualifikation und von einer Ausweitung des Arbeitsplatzangebotes im Dienstleistungssektor. Auch die Arbeitsplatzgarantie im Anschluss an die Elternzeit dürfte das Arbeitsplatzrisiko von Frauen gemindert haben. Die Arbeitslosenquote bleibt für beide Geschlechter hoch. Sie erreichte 2004 im Jahresdurchschnitt im Osten bei den erwerbsorientierten Frauen 19,5 Prozent, bei den Männern 20,6 Prozent, im Westen bei den Frauen 8,4 und bei den Männern 10,3 Prozent. Es wird geschätzt, dass unter denjenigen, die an Erwerbsarbeit interessiert sind, aber nicht arbeitslos gemeldet sind, deutlich mehr Frauen als Männer sind. Die Quote der Langzeitarbeitslosen steigt; unter diesen sind im Westen Männer und im Osten Frauen überrepräsentiert.
Die Arbeitsmarktintegration von Frauen und Männern mit Migrationshintergrund ist deutlich schlechter als die der Deutschen, dies gilt ganz besonders für die ausländischen Frauen. Letztere stehen dem Arbeitsmarkt deutlich seltener zur Verfügung als die deutschen Frauen. Die Erwerbslosenquote liegt unter den ausländischen Frauen und Männern deutlich über der der deutschen Bevölkerung. Unter den ausländischen weiblichen Erwerbspersonen ist die Erwerbslosenquote allerdings geringer als unter den männlichen.
Zwischen 1991 und 2004 stieg die Erwerbstätigenquote von Frauen von 57 Prozent auf 58,4 Prozent, die der Männer sank von 78,4 Prozent auf 70,1 Prozent (Tabelle 2.1). Diese Angleichung der Erwerbstätigkeit bedeutet allerdings nicht, dass sich auch die Tätigkeitsfelder von Frauen und Männern angeglichen haben. Es gibt nach wie vor viele "Frauen-" und "Männerberufe", in denen jeweils ein Geschlecht rein quantitativ betrachtet sehr stark dominiert.
Dass mit der Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt nicht schon Gleichstellung im Arbeitsmarkt erreicht ist, wird daran deutlich, dass Frauen und Männer zu fast gleichen Anteilen auf den unteren und mittleren Hierarchieebenen arbeiten, aber auf der höchsten Ebene 12 Prozent der Frauen und 22 Prozent der Männer zu finden sind. In den Vorständen und Aufsichtsräten führender Privatunternehmen sind in Deutschland nur ganz vereinzelt Frauen anzutreffen. Insgesamt bleibt also festzuhalten: Die anhaltende Arbeitsmarktkrise scheint diesmal nicht einseitig zu Lasten erwerbstätiger Frauen zu verlaufen. In den letzten zehn Jahren sind auch die Erwerbsbiografien vieler Männer diskontinuierlich geworden. Dies gilt ganz besonders im Osten Deutschlands. Die Geschlechtersegregation und die Geschlechterhierarchien bleiben von dieser Entwicklung allerdings weitgehend unberührt.


