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2.1 Einleitung
Arbeit ist mehr als nur Erwerbsarbeit. Arbeit umfasst Hausarbeit, Ehrenamt bzw. bürgerschaftliches Engagement und Erwerbsarbeit. Darauf hat die Frauenforschung immer wieder hingewiesen (Notz 2004). In diesem Kapitel soll allerdings nur von der Erwerbsarbeit die Rede sein. Es soll beschrieben werden, wie Männer und Frauen in den Arbeitsmarkt integriert sind.
Die Gleichstellung von Frauen in Beschäftigung und Beruf ist in den letzten Jahrzehnten zu einem zentralen Anliegen nationaler wie europäischer Gleichstellungspolitik geworden. In der europäischen Beschäftigungsstrategie vereinbarten die Mitgliedsstaaten der EU z.B., dass bis 2010 60 Prozent aller Frauen im erwerbsfähigen Alter in den Arbeitsmarkt integriert werden sollten. Gleichzeitig wird versucht, auch die Stellung von Frauen im Beruf zu verbessern und eine gerechte Entlohnung zu bewirken. Dies ist in einer Phase, in der sich die Konkurrenz um Arbeitsplätze verschärft, nicht einfach. So gibt es seit 2001 in Deutschland zwar ein neues Gleichstellungsgesetz für die Bundesverwaltung und die Gerichte des Bundes, an dessen Regelung sich inzwischen der gesamte Öffentliche Dienst orientiert, ein Gesetz für die Gleichstellung der Geschlechter in der Privatwirtschaft konnte bisher aber nicht verabschiedet werden.
Die letzten Jahrzehnte sind überall in Europa von tief greifenden Veränderungen und Umbrüchen auf dem Arbeitsmarkt gekennzeichnet. Auch in Deutschland werden immer mehr Personen, die eine kontinuierliche Beschäftigung anstreben, auf prekäre Beschäftigungsformen verwiesen. Gleichzeitig hat das Teilzeitangebot zugenommen. Obwohl Teilzeitbeschäftigungen den Lebensunterhalt der Beschäftigten meist nicht absichern können, erweisen sie sich gegenwärtig doch vielfach für jene als attraktiv, die familiale Aufgaben übernehmen und eine Vollzeitbeschäftigung damit nicht vereinbaren können: Dieser Personenkreis ist noch immer überwiegend weiblich.
Das traditionelle Familienmodell der Ernährer-Hausfrauen-Ehe büßt seine dominante Stellung ein. Es weicht einer modernisierten Form, in der Frauen sich nicht ganz vom Arbeitsmarkt zurückziehen, sondern vielfach nach einer Teilzeitbeschäftigung in der aktiven Familienphase suchen. Immer mehr Frauen nehmen auf diese Weise am Erwerbsleben teil, auch wenn sie Kinder haben.
Gleichzeitig erodiert die Basis der Ernährerrolle von Männern: das so genannte Normalarbeitsverhältnis.[39] Bei den jüngeren (15 bis 25 Jahre) und älteren Männern (55 bis 64 Jahre) nahm die Erwerbsquote ab. Besonders für gering qualifizierte Männer stehen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt schlecht. Während das Bildungsniveau von Männern stagniert, steigt es bei den Frauen weiter. Gleichzeitig profitieren Frauen vom Anstieg ihres Bildungs- und Ausbildungsniveaus auf dem Arbeitsmarkt.
Dennoch erzielen Frauen noch immer geringere Einkommen (Kapitel 3). In den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft sind kaum Frauen zu finden. Vor dem Hintergrund sinkender Geburtenziffern, steigender Lebenserwartung und einem zu erwartenden Fachkräftemangel wird in Deutschland eine generelle Ausweitung der Erwerbstätigkeit für das Funktionieren des Wirtschaftskreislaufs, für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und insbesondere für die sozialen Sicherungssysteme erforderlich. Die volle Nutzung der Humankapitalinvestitionen beider Geschlechter ist deshalb eine gesamtgesellschaftliche Notwendigkeit: Sie ist gleichzeitig für die Frauen selbst - angesichts hoher Scheidungsquoten und eigener günstiger Erwerbschancen - immer erstrebenswerter, zumal nur Erwerbsarbeit eine eigenständige Sicherung des Lebensunterhalts gewährleistet. Bisher wird die Erwerbsbeteiligung von Frauen allerdings noch ganz erheblich durch die Schwierigkeiten der Vereinbarkeit von Familienaufgaben mit Berufsarbeit beeinträchtigt (Kapitel 5).
Ziel des Kapitels 2 ist es, den unterschiedlichen Stand der Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern zu beleuchten. Daten und Fakten zur Einkommenssituation von Frauen und Männern sind dagegen in Kapitel 3 (Erwerbseinkommen von Frauen und Männern) zu finden. In Kapitel 5 (Vereinbarkeit von Familie und Beruf) steht speziell die Erwerbstätigkeit von Müttern und Vätern im Vordergrund. Deshalb bleibt im Kapitel 2 der Einfluss von Kindern auf die Erwerbstätigkeit von Frauen und Männern unberücksichtigt. Die unterschiedliche Absicherung von Frauen und Männern bei Arbeitslosigkeit wird in Kapitel 7 (Soziale Sicherung von Frauen und Männern) dargestellt.
Die Daten für dieses Kapitel sind überwiegend dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes entnommen. Darüber hinaus wurden Angaben aus der Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit verwendet. Daten zur Erwerbstätigkeit in der Europäischen Union stammen von der Europäischen Kommission, als Basis dient der "Labour Force Survey" (LFS). Dieser wird vom Statistischen Amt der Europäischen Gemeinschaften (Eurostat) bereitgestellt.
Um die Argumentation im vorliegenden Kapitel nachvollziehbarer zu machen, ist die folgende Begriffsklärung nötig: Aus statistischer Sicht unterscheidet man in der Bevölkerung zwischen Erwerbspersonen und Nicht-Erwerbspersonen. Als Nicht-Erwerbspersonen gelten im Mikrozensus alle, die keiner Erwerbstätigkeit nachgehen und auch keine Erwerbsarbeit suchen. Zu den Erwerbspersonen gehören hier sowohl die Erwerbstätigen als auch die Erwerbslosen. Zu den Erwerbstätigen zählen alle Personen, die in einem Arbeitsverhältnis stehen (abhängig Beschäftigte), Selbstständige, Freiberufler, mithelfende Familienangehörige sowie geringfügig Beschäftigte. Zu den Erwerbslosen zählen im Mikrozensus alle Nicht-Beschäftigten, die eine Arbeitsstelle suchen. Als Erwerbs-bzw. Arbeitslose gelten diejenigen Personen, die sich beim Arbeitsamt arbeitslos bzw. arbeitsuchend gemeldet haben.[43] Als Nicht-Erwerbspersonen gelten also alle, die keiner Erwerbstätigkeit nachgehen und auch keine Erwerbsarbeit suchen (Abbildung 2.1).


