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1.9 Weiterbildung

Im Jahr 2002 bildete sich ein beachtlicher Teil der erwerbsnahen Personen[32] in Deutschland beruflich weiter, wie die Weiterbildungserhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung[33] ergab (Beicht/Schiel/Timmermann 2004). Die Teilnahmequote betrug insgesamt 68 Prozent, wobei neben der formalisierten Weiterbildung (Lehrgänge, Kurse, Seminare) auch arbeitsnahe Lernformen, selbst organisiertes Lernen sowie der Besuch von berufsbezogenen Kongressen, Tagungen und Fachmessen berücksichtigt wurde.[34] Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede in der Weiterbildungsbeteiligung nach Geschlecht sowie weiteren soziodemografischen Merkmalen.

So erreichen Männer eine Teilnahmequote von 73 Pro­zent, während sich nur knapp 62 Prozent der Frauen beruflich weiterbilden (Abbildung 1.23). Die geringere Beteiligung von Frauen betrifft allerdings ausschließlich Westdeutschland. Im Osten partizipieren Frauen und Männer in gleichem Umfang an beruflicher Weiterbildung.

Abbildung 1.23: Teilnahme und Nichtteilnahme an beruflicher Weiterbildung in Deutschland insgesamt sowie in West- und Ostdeutschland 2002 (in %)

Datenbasis: Erhebung zur beruflichen Weiterbildung 2002; erwerbsnahe Personen im Alter von 19 bis 64 Jahren; als erwerbsnah gelten Personen, die erwerbstätig, arbeitslos, in Fortbildung oder Umschulung sind, bzw. nicht erwerbstätige Personen, die beabsichtigen, in den nächsten zwei Jahren eine Erwerbsarbeit aufzunehmen.
Quelle: BIBB; eigene Berechnungen von Beicht

Wegen ihrer häufig diskontinuierlichen Erwerbsbeteiligung wäre für erwerbsnahe Frauen besonders im Westen Deutschlands eine vermehrte Partizipation an beruflicher Weiterbildung zur Kompensation fehlender Qualifizierungsmöglichkeiten on the job wünschenswert, um ihre Chancengleichheit zu verbessern. Tatsächlich aber finden erwerbstätige und arbeitslos gemeldete Männer deutlich häufiger als Frauen des gleichen Status Gelegenheit zur Weiterbildung.

Abbildung 1.24: Teilnahme an beruflicher Weiterbildung nach soziodemografischen Merkmalen in Deutschland 2002 (in %)

Datenbasis: Erhebung zur beruflichen Weiterbildung 2002
Quelle: BIBB; Berechnungen von Beicht

Beträchtliche Abweichungen in der Weiterbildungsbeteiligung sind vorhanden, wenn man Personen mit unterschiedlichen Schulabschlüssendie allgemein bildenden Schulabschlüsse betrachtet (Abbildung 1.24). Sowohl Frauen als auchwie Männer mit höherer schulischer Qualifikation bilden sich erheblich häufiger beruflich weiter als diejenigen mit niedrigerer Schulbildung. Allerdings sind selbst bei vergleichbaren Schulabschlüssen die Weiterbildungsquoten der Frauen niedriger als die der Männer.

In Ostdeutschland sind die Unterschiede in der Weiterbildungsteilnahme nach Schulbildung zwar insgesamt noch ausgeprägter, jedoch weichen hier die Teilnahmequoten zwischen Frauen und Männern bei gleichem schulischem Bildungsniveau deutlich weniger als im Westen voneinander ab (Abbildung 1.25). Bei mittlerem Schulabschluss beteiligen sich ostdeutsche Frauen sogar etwas häufiger als die Männer.

Abbildung 1.25: Teilnahme an beruflicher Weiterbildung nach soziodemografischen Merkmalen in Ostdeutschland 2002 (in %)

Datenbasis: Erhebung zur beruflichen Weiterbildung 2002
Quelle: BIBB; Berechnungen von Beicht

Große Unterschiede sind auch nach Erwerbsstatus festzustellen. Vollzeitbeschäftigte nehmen am häufigsten an beruflicher Weiterbildung teil, bei Teilzeitbeschäftigung, die insbesondere von Frauen ausgeübt wird, geht die Teilnahmequote zurück. Teilzeitbeschäftigte Frauen bilden sich merklich seltener beruflich weiter als vollzeitbeschäftigte Frauen. Dies ist allerdings im Osten deutlich weniger ausgeprägt als im Westen. Arbeitslose Personen partizipieren weit unterdurchschnittlich an beruflicher Weiterbildung, was insbesondere auf Frauen und Männer im Osten sowie auf westdeutsche Frauen zutrifft, während arbeitslose Männer im Westen noch vergleichsweise oft an Weiterbildungen teilhaben. Geringfügige Beschäftigungen sind vor allem bei westdeutschen Frauen relativ verbreitet: diese Frauen bilden sich ganz besonders selten beruflich weiter. Bei den nicht erwerbstätigen Personen mit künftiger Erwerbsabsicht handelt es sich ebenfalls überwiegend um Frauen, auch ihre Weiterbildungsquote ist sehr gering (Abbildungen 1.25 und 1.26).

Abbildung 1.26: Teilnahme an beruflicher Weiterbildung nach soziodemografischen Merkmalen in Westdeutschland 2002 (in %)

Datenbasis: Erhebung zur beruflichen Weiterbildung 2002
Quelle: BIBB; Berechnungen von Beicht

Unterschiede im Weiterbildungsverhalten nach Haushaltskonstellation, d.h. nach Familienstand und Zahl der Kinder[35], sind hauptsächlich bei Frauen erkennbar (Abbildungen 1.25 und 1.26). Für Deutschland insgesamt gilt, dass Frauen erheblich öfter an Weiterbildung teilnehmen, wenn sie ohne Kinder allein oder ohne Kinder in einer Partnerschaft leben. Wohnen Frauen mit Partner und einem oder mehreren Kindern zusammen, geht ihre Teilnahmequote deutlich zurück. Bei Männern hingegen ist die höchste Weiterbildungsbeteiligung festzustellen, wenn sie mit Partnerin sowie zwei oder mehr Kindern in einem Haushalt leben. Der Grund hierfür dürfte sein, dass im Westen die Männer mit mehreren Kindern in vielen Fällen mit Partnerinnen zusammenleben, die nicht erwerbstätig sind und den Männern somit weitgehend die Kindererziehung und die häuslichen Arbeiten abgenommen werden. Über solche Entlastung, die berufliche Weiterbildung erleichtert, verfügen erwerbsnahe Frauen seltener. Diese Ergebnisse gelten für Ostdeutschland nur in abgeschwächter Form. Auch hier bilden sich zwar Frauen, die mit Partner und einem Kind zusammenleben, wesentlich seltener weiter als Frauen ohne Kinder, jedoch nimmt die Teilnahmequote bei Frauen in Partnerschaften mit mehreren Kindern wieder deutlich zu. Hierbei spielen wahrscheinlich die in Ostdeutschland relativ günstigen öffentlichen Betreuungsmöglichkeiten für Kinder eine wichtige Rolle.




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