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1.6.3 Übergänge aus berufsfachschulischer Ausbildung

Berufsfachschulisch ausgebildete Absolventinnen und Absolventen münden ein Jahr nach der Ausbildung seltener als dual ausgebildete in eine Tätigkeit als Fachkraft. Den jungen rein schulisch ausgebildeten Frauen gelingt der Einstieg in den Beruf allerdings deutlich häufiger als den jungen Männern. Viele Absolventinnen und Absolventen entscheiden sich nach dem Abschluss einer Ausbildung an einer Berufsfachschule für eine Weiterbildung bzw. ein Studium. Ein Viertel der männlichen Absolventen nimmt nach Abschluss einer berufsfachschulischen Ausbildung ein Studium auf (Tabelle 1.15). Die Arbeitslosenquote der jungen Absolventinnen liegt über der der Absolventen, weil sie nur zu 6 Prozent ein Studium beginnen.

Tabelle 1.15: Verbleib von Absolventinnen und Absolventen aus berufsfachschulischer Ausbildung ein Jahr nach Abschluss der Ausbildung in Deutschland (in %)

Datenbasis: Befragung von Absolventinnen und Absolventen aus Berufsfachschulen 1998
Quelle: Feller 2000; eigene Berechnungen

Die vorliegenden Ergebnisse deuten darauf hin, dass Studium und Weiterbildung nur zum Teil der ursprünglichen Intention der Fachkräfte entspricht. Es ist anzunehmen, dass die Einmündung in eine schulische, berufliche oder universitäre Ausbildung zum Teil eine Ausweichstrategie auf Grund mangelnder beruflicher Aussichten darstellt. Demgegenüber zeichnet sich ab, dass es dual ausgebildeten Absolventinnen und Absolventen mit dem Ziel, direkt im Anschluss an die Lehre zu arbeiten, zwar auch seltener als beabsichtigt, doch wesentlich häufiger als Absolventinnen und Absolventen von Berufsfachschulen gelingt, in eine Beschäftigung als Fachkraft einzumünden.

Vergleicht man die Chancen auf dem Arbeitsmarkt nach dualer und nach rein schulischer Ausbildung, so stellt man fest, dass der Anteil derjenigen, die ein Jahr nach dem Abschluss ihrer Ausbildung einen Arbeitsplatz erhalten haben, bei den Absolventinnen und Absolventen des dualen Systems deutlich größer ist (Tabelle 1.16).

Tabelle 1.16: Verbleib von Absolventinnen und Absolventen aus dualer und berufsfachschulischer Ausbildung ein Jahr nach Abschluss der Ausbildung in Deutschland (in %)

1 BIBB
2 Feller 2000
Datenbasis: BIBB: Befragung 2. Schwelle 1999/2000; Feller: Befragung von Absolventinnen und Absolventen aus Berufsfachschulen 1998
Quellen: BIBB; Feller 2000; Berechnungen von Granato

Tabelle 1.16 weist darauf hin, dass die Ausbildungen im dualen System im Durchschnitt bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt eröffnen als die berufsfachschulischen Ausbildungen –wenngleich die Ergebnisse auf Grund der unterschiedlichen Anlage und Fragestellung der Studien nur bedingt miteinander vergleichbar sind. Die günstigeren Arbeitsmarktchancen nach einer dualen (betrieblichen) Ausbildung schaffen Vorteile für junge Männer, weil sie im dualen System überrepräsentiert und im berufsfachschulischen System unterrepräsentiert sind (Kapitel 1, Tabelle 1.2) Dieser Ungleichstellung könnte begegnet werden, wenn auch Berufsfelder, in die viele Frauen einmünden, wie etwa die im Gesundheits- und Pflegebereich über duale Ausbildungsgänge erreichbar wären.

Zwischenfazit: Übergänge in den Beruf

Beim Übergang von der Berufsausbildung in den Beruf, an der so genannten zweiten Schwelle, stehen junge Frauen und Männer nach wie vor vor unterschiedlichen Problemen. Für junge Frauen aus den ostdeutschen Bundesländern, Absolventinnen mit Hauptschulabschluss und außerbetrieblich Ausgebildete gestaltet sich der Übergangsprozess besonders schwierig. Sie sind zu einem größeren Teil arbeitslos oder prekär beschäftigt. Andere weichen auf schulische oder berufliche Weiterbildungen aus. Auch wenn weibliche Fachkräfte zum Teil mehr Schwierigkeiten haben, unmittelbar nach der Berufsausbildung auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, gelingt es ihnen doch häufiger als jungen Männern, nach oft intensiver Suche, als Fachkraft ins Erwerbsleben einzusteigen. In Westdeutschland ist die Quote der ausbildungsadäquat Beschäftigten bei jungen weiblichen Fachkräften ein Jahr nach Ausbildungsabschluss sogar höher als bei jungen männlichen Fachkräfte. Die höheren schulischen Qualifikationen junger Frauen verbessern ihre Chancen auf einen Arbeitsplatz.

Die Chancen von Berufsfachschulabsolventinnen und -absolventen, einen Arbeitsplatz als Fachkraft zu erhalten, sind schlechter als die der betrieblich ausgebildeten Fachkräfte. Aber auch hier gelingt es den jungen Frauen häufiger als den jungen Männern, mit Verzögerung eine Tätigkeit als Fachkraft aufzunehmen.

Trotz der hier belegten größeren Schwierigkeiten für junge Frauen, nach einer betrieblichen oder rein schulischen Ausbildung sofort als Fachkräfte beschäftigt zu werden, lag die Erwerbslosenquote von Männern unter 30 Jahren insgesamt sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland im Jahr 2004 deutlich über der der gleichaltrigen Frauen (Kapitel 2, Abbildung 2.31)[20]. Eine wesentliche Ursache hierfür könnte sein, dass - insbesondere ausländische - junge Männer die Schule häufiger als junge Frauen ohne Abschluss verlassen (Abbildung 1.12) und damit besonders schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben (Kapitel 2, Abbildung 2.33). Die Erwerbslosenquote junger Frauen wird allerdings auch deshalb unter der der jungen Männer liegen, weil ein Teil der jungen Frauen ihre Erwerbsorientierung aufgibt und sich auf Familienaufgaben konzentriert.




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