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1.6.2 Berufseinmündung ein Jahr nach der Ausbildung

Im Jahre 2003 waren laut statistischer Angaben 41 Prozent der jungen Frauen in Ostdeutschland und 31 Prozent derjenigen in Westdeutschland sowie 39 Prozent der jungen Männer in Ostdeutschland und 30 Prozent derjenigen in Westdeutschland direkt im Anschluss an eine erfolgreich abgeschlossene duale Ausbildung arbeitslos (Granato/Dorau 2004). Ein Jahr nach der Ausbildung arbeiten junge Frauen allerdings häufiger als junge Männer als Fachkraft (Tabelle 1.10). Der höhere Anteil junger Frauen, die ein Jahr nach der Ausbildung als Fachkraft arbeiten, ist auch ein Resultat dessen, dass sie nach der Lehre häufiger als die jungen Männer eine Beschäftigung anstreben (Tabelle A. 1.3). Ihre stärkeren, vielfältigeren und intensiveren Suchaktivitäten (Tabelle A 1.4) dürften gleichfalls hierzu beitragen.

Trotz der selteneren Übernahmeangebote und trotz der kurzfristig signifikant häufigeren Einmündung in Arbeitslosigkeit im Anschluss an die Lehre, haben Absolventinnen aus dualer Ausbildung im Hinblick auf die Einmündung als Fachkraft rund ein Jahr nach der Ausbildung mit den männlichen Fachkräften gleichgezogen. Dies gilt allerdings nur für Deutschland insgesamt und für Westdeutschland (Tabelle 1.10).

Tabelle 1.10: Verbleib junger Fachkräfte1 ein Jahr nach der Ausbildung in Deutschland insgesamt sowie in West- und Ostdeutschland 1999/2000 (in %)

Anmerkung: Fachkräfte nach einer betrieblichen oder außerbetrieblichen Ausbildung im dualen System
Datenbasis: Befragte mit betrieblichem Vertragspartner, Befragung 2. Schwelle 1999/2000
Quelle: BIBB; Berechnungen von Granato

In den ostdeutschen Bundesländern sind junge Frauen ein Jahr nach ihrem Berufsabschluss - trotz häufigerer Suchaktivitäten - mit 61 Prozent noch seltener als junge Männer (65 %) in einer ausbildungsadäquaten Beschäftigung. Jede vierte Absolventin und fast ebenso viele Absolventen sind in Ostdeutschland ein Jahr nach der Ausbildung arbeitslos. Außerbetrieblich ausgebildete Absolventinnen in Ostdeutschland trifft dies zu 41 Prozent, die Absolventen dort zu 42 Prozent (Tabelle A. 1.5). In Ostdeutschland arbeitet ein Jahr nach Ausbildungsabschluss nur jede vierte außerbetrieblich ausgebildete Frau zum Befragungszeitpunkt als Fachkraft. Für die männliche Vergleichsgruppe trifft dies in 37 Prozent der Fälle zu (Tabelle A 1.5). Die jungen Frauen in außerbetrieblichen Ausbildungen haben im Osten also besonders schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Die prekäre Situation junger Fachkräfte findet auch darin ihren Ausdruck, dass von den ausbildungsadäquat Beschäftigten ein Jahr nach der Ausbildung bundesweit rund 30 Prozent lediglich eine befristete Anstellung haben. Hiervon sind junge Männer etwas häufiger als junge Frauen betroffen (Tabelle 1.11). Im Osten sind junge Fachkräfte ein Jahr nach Ende der Lehre deutlich häufiger nur befristet beschäftigt. Das trifft auf 40 Prozent der jungen Männer und 38 Prozent der jungen Frauen zu (Tabelle 1.11).

Tabelle 1.11: Befristete oder unbefristete Stelle1 zum Befragungszeitpunkt in Deutschland insgesamt sowie in West- und Ostdeutschland 1999/2000 (in %)

1 Fachkräfte nach einer betrieblichen oder außerbetrieblichen Ausbildung im dualen System, die zum Befragungszeitpunkt als Fachkraft arbeiten
Datenbasis: Befragung 2. Schwelle 1999/2000
Quelle: BIBB, Berechnungen von Granato

Die große Bedeutung von Übernahmeangeboten für die unkomplizierte Einmündung in den Beruf zeigt sich darin, dass von den Absolventinnen und Absolventen mit Übernahmeangebot weniger als 5 Prozent rund ein Jahr nach Ende der Lehre arbeitslos oder prekär beschäftigt sind, doch 32 Prozent derjenigen ohne Übernahmeangebot (Tabelle 1.12).

Nur die Hälfte der Absolventinnen (50 %) und 47 Prozent der Absolventen ohne Übernahmeangebot ist ein Jahr nach Ausbildungsabschluss in einer ausbildungsadäquaten Beschäftigung. Dass Frauen seltener ein Übernahmeangebot erhalten als Männer, erschwert zwar ihren Einstieg in den Beruf. Ein Jahr nach Abschluss der Ausbildung haben sie einen Teil dieser Benachteiligung jedoch wieder kompensiert. Bei denjenigen mit Übernahmeangebot sind es 88 Prozent der Frauen und 83 Prozent der Männer, die nach einem Übernahmeangebot auch ein Jahr nach der Ausbildung als Fachkraft arbeiten. Bemerkenswert sind auch die Auswirkungen befristeter Übernahmeangebote: Absolventinnen mit befristetem Übernahmenangebot sind direkt nach der Lehre zu 91 Prozent als Fachkraft beschäftigt, Absolventen zu 93 Prozent. Ein Jahr später sind von den befristet eingestellten jungen Fachkräften nur noch 83 Prozent der Frauen und 76 Prozent der Männer als Fachkraft beschäftigt. Die jungen Frauen konnten sich also länger als Fachkräfte halten. 9 Prozent der Frauen und 8 Prozent der Männer, denen nur eine befristete Weiterbeschäftigung angeboten wurde, sind ein Jahr nach Ausbildungsabschluss wieder arbeitslos. Offen bleibt, inwieweit es den noch beschäftigten Absolventinnen und Absolventen mit einem befristeten Übernahmeangebot gelingt, ihre berufliche Position im weiteren Berufsverlauf zu festigen. Junge Frauen mit einer unbefristeten Möglichkeit der Weiterbeschäftigung zu beiden Zeitpunkten bleiben mit 92 Prozent bzw. 91 Prozent ausbildungsadäquat beschäftigt und sind ein Jahr nach der Ausbildung mit 2 Prozent sehr selten arbeitslos. Auch unter den jungen Männern, die ein unbefristetes Übernahmeangebot erhalten haben, liegt die Arbeitslosigkeit mit knapp 3 Prozent sehr niedrig (Tabelle 1.12).




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