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1.5 Berufliche Bildung
Die notwendigen Kenntnisse und formalen Voraussetzungen zur Ausübung eines Berufs können in Deutschland auf drei prinzipiell unterschiedlichen Wegen erworben werden über die betriebliche und die vollzeitschulische Berufsausbildung sowie über das Studium an einer Universität oder Hochschule.
Die betriebliche Berufsausbildung im dualen System ist ein typisch deutsches Modell. Bei dieser Ausbildungsform ergänzen sich die praktische Ausbildung im Betrieb und die theoretische in der Berufsschule. Wenn nicht genügend Lehrstellen zur Verfügung stehen, kann diese Ausbildungsform auch überbetrieblich durchgeführt werden. Im dualen System finden sich durchschnittlich mehr junge Männer als junge Frauen.
Der zweite Typ ist die vollzeitschulische Berufsausbildung an beruflichen Schulen, also z.B. an Berufsfachschulen oder an Schulen des Gesundheitswesens. Diese schulischen Ausbildungsformen werden im Durchschnitt häufiger von jungen Frauen besucht.
Der dritte Weg steht nur den Jugendlichen und jungen Erwachsenen offen, die über ein Abitur oder einen vergleichbaren Abschluss verfügen, ein Studium an einer Universität oder Fachhochschule. Gegenwärtig beginnen annähernd gleich viele junge Frauen und junge Männer ein Studium an einer Hochschule (auf die Ausbildung an Universitäten und Hochschulen wird im gesonderten Kapitel 1.7 eingegangen).
Die folgende Tabelle 1.2 zeigt, wie sich junge Frauen und Männer auf die unterschiedlichen außeruniversitären Ausbildungswege verteilen.
Tabelle 1.2: Ausbildungswege1 nach Geschlecht in Deutschland im Schuljahr 2003/20042 (in %)
1 Zur Definition der dargestellten Ausbildungswege siehe Anhang
2 Die Auswahl der hier dargestellten Ausbildungswege erfolgte aus den Strukturdaten des Statistischen Bundesamtes. Nicht aufgenommen wurden an dieser Stelle wegen sehr geringer Fallzahlen bzw. allgemein bildender Abschlüsse: Berufsaufbauschulen, Fachoberschulen, Fachgymnasien, Berufs-/Technische Oberschulen sowie Fachakademien.
3 Schulen des Gesundheitswesens nachrichtlich an das Statistische Bundesamt
Quelle: Statistisches Bundesamt 2005i
In Tabelle 1.2 ist zu sehen, dass junge Frauen mehr als 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler an Schulen des Gesundheitswesens sowie ca. 60 Prozent der Schülerinnen und Schüler an Berufsfachschulen ausmachen. Junge Männer dominieren dagegen mit 70 Prozent im Berufsgrundbildungsjahr und mit knapp 60 Prozent in den Berufsschulen des dualen Systems.
Betrachtet man die absoluten Zahlen, so fällt auf, dass junge Frauen trotz ihrer Dominanz in den vollzeitschulischen Berufsausbildungen ebenso wie die jungen Männer im Schul- und Ausbildungsjahr 2003/04 am häufigsten eine Berufsschule im dualen System besuchten (683.640; an den Berufsfachschulen, an denen junge Frauen am zweithäufigsten ihre Ausbildung absolvierten, lernten 295.733 Frauen). Auch bei den jungen Männern war die Ausbildung im dualen System absolut die häufigste Ausbildungsform (1.001.638 junge Männer absolvierten im Ausbildungsjahr 2003/04 eine Ausbildung im dualen System).
Diesen Zahlen ist nicht zu entnehmen, dass prinzipiell ein Geschlecht bessere Startchancen hätte als das andere. So überwiegt der Männeranteil zwar bei den berufsvorbereitenden und grundbildenden Maßnahmen, an denen häufiger Jugendliche teilnehmen, die einer speziellen Förderung vor dem Eintritt in eine Ausbildung bedürfen und die eher schlechte Startchancen haben. Andererseits sind junge Männer aber auch bei den betrieblichen Auszubildenden, die gegenüber Schülerinnen und Schülern vollzeitschulischer Berufsausbildungen gewisse Vorteile haben, stärker vertreten.
Vorteile einer Ausbildung im dualen System gegenüber einer vollzeitschulischen Berufsausbildung sind nicht nur die besseren Übergangschancen ins Erwerbsleben an der zweiten Schwelle, sondern auch die tarifvertraglich geregelten Vergütungen der Ausbildung. Darüber hinaus erlangen Fachkräfte nach einer erfolgreich abgeschlossenen dualen Ausbildung im Gegensatz zu Absolventinnen und Absolventen einer Reihe von Schulausbildungen die Voraussetzungen sowohl für innerbetriebliche Weiterbildung als auch für eine weitere tertiäre Ausbildung (siehe hierzu ausführlich Baethge u.a. 2003: 43 f.).
Andererseits kann sich eine Ausbildung an einer Berufsfachschule oder an einer Schule des Gesundheitswesens mit dem verstärkten Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft berufsstrategisch als durchaus günstig erweisen.
Seit Beginn der 90er-Jahre stiegen vor allem die Zahlen der Schülerinnen und Schüler im Berufsgrundbildungsjahr sowie an Berufsfachschulen deutlich an. Auch Berufsschulen, Schulen des Gesundheitswesens und Hochschulen wurden von einer größeren Anzahl junger Frauen und junger Männer besucht, an den Fachschulen ging die Zahl der Schülerinnen und Schüler dagegen zurück.


