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1.5.3 Vollzeitschulische Berufsausbildung

Der Anteil der vollzeitschulischen Berufsausbildungen an allen beruflichen Ausbildungsformen vergrößerte sich seit Beginn der 90er-Jahre deutlich. Diese Tatsache ist in Zusammenhang mit der Entwicklung des Ausbildungsstellenmarktes in der dualen Berufsausbildung zu sehen. Denn viele Jugendliche, die trotz ihres Wunsches keine Ausbildungsstelle in der betrieblichen Ausbildung erhalten, weichen in vollzeitschulische Ausbildungsformen aus. Gerade in den ostdeutschen Bundesländern, wo das Angebot an betrieblichen Ausbildungsstellen noch begrenzter als im Westen ist, liegt die (einzige) Chance für eine qualifizierte Ausbildung für viele Jugendliche in der Schulberufsausbildung (BMBF 2003a: 41 f.).

In den schulischen Ausbildungsformen der beruflichen Bildung dominieren die jungen Frauen. Diese Ausbildungen finden vor allem an Berufsfachschulen sowie an Schulen des Gesundheitswesens statt. An Berufsfachschulen wurden im Schuljahr 2004/05 541.728 Schülerinnen und Schüler ausgebildet; der Frauenanteil betrug hier 59 Prozent. Noch höher war der Frauenanteil mit 79 Prozent in den Schulen des Gesundheitswesens; dort wurden im Schuljahr 2004/05 119.398 Schülerinnen und Schüler ausgebildet (Statistisches Bundesamt 2005 - Schnellmeldung). Auch innerhalb der Berufsfachschulen liegen die Schwerpunkte junger Frauen und junger Männer in unterschiedlichen Bereichen. (Tabelle 1.5).

Tabelle 1.5: Die Top-10-Schulberufe an Berufsfachschulen in Deutschland 2003/04 (absolut und in Zeilenprozent)

Quelle: Statistisches Bundesamt 2004: Fachserie 11, Reihe 2: 4.7.4 Berufsfachschulen, die einen beruflichen Abschluss in einem Beruf vermitteln, der kein Ausbildungsberuf ist (außerhalb des Berufsbildungsgesetzes bzw. der Handwerksordnung)

Innerhalb der Berufsfachschulen nehmen junge Frauen und Männer unterschiedliche Berufsausbildungen auf. Während die jungen Frauen vor allem in den personenbezogenen Dienstleistungsberufen zu finden sind - sie stellen den weitaus größten Teil der Kinderpflegeschülerinnen und -schüler sowie der künftigen Erzieherinnen und Erzieher und Sozialassistentinnen und -assistenten -, lassen sich fast zehnmal so viele junge Männer wie junge Frauen zum technischen Assistenten für Informatik ausbilden, einem der neu etablierten Informations- und Kommunikationsberufe. Bei den kaufmännischen und den Wirtschaftsassistentinnen und -assistenten machen junge Männer immerhin zwei Fünftel der Schülerinnen und Schüler aus.

An Schulen des Gesundheitswesens sind Frauen insgesamt noch häufiger vertreten als an Berufsfachschulen (Tabelle 1.6).

Tabelle 1.6: Die Top-5-Schulberufe an Schulen des Gesundheitswesens in Deutschland 2003/04 (absolut und in Zeilenprozent)

Quelle: Statistisches Bundesamt 2004ag; eigene Darstellung

Finden sich noch mehr als ein Viertel männliche Schüler, die sich zum Physiotherapeuten ausbilden lassen, so ist ihr Anteil bei den Schülerinnen und Schülern der Säuglings- und Kinderkrankenpflege verschwindend gering. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes ist der Männeranteil an den von Frauen dominierten schulischen Ausbildungsberufen nicht nur niedrig, sondern sogar rückläufig[19] (Statistisches Bundesamt 2004e).

Zwischenfazit: Berufliche Bildung

Nach wie vor sind geschlechtsspezifische Segregationen im Ausbildungssystem feststellbar. Junge Männer münden im Durchschnitt häufiger in das duale System betrieblicher Ausbildungswege ein; sie stellen fast 60 Prozent der Schülerinnen und Schüler an Berufsschulen. Dagegen beginnen junge Frauen häufiger eine Ausbildung an beruflichen Schulen; ihr Anteil an Berufsfachschulen beträgt beinahe 60 Prozent, der an Schulen des Gesundheitswesens mehr als 80 Prozent. Auch auf die unterschiedlichen Ausbildungsberufe - seien sie nun interessehalber gewählt oder auf Grund struktureller Rahmenbedingungen ergriffen - verteilen sich junge Frauen und Männer nach wie vor nach geschlechtstypischen Mustern. Im dualen System werden junge Männer häufiger in industriellen Fertigungsberufen und junge Frauen häufiger in Dienstleistungsberufen ausgebildet. In der vollzeitschulischen Berufsausbildung besuchen junge Frauen häufiger Ausbildungen zu personenbezogenen Dienstleistungsberufen, junge Männer dagegen solche zu technischen Berufen.

[19] Nach Helga Krüger hat sich der Anteil männlicher Schüler an Berufsfachschulen zwischen 1991 und 2001 mehr als verdreifacht. Der verstärkte Besuch von Berufsfachschulen durch junge Männer führte jedoch nicht dazu, dass sie nun auch häufiger in den Ausbildungsgängen zu den "typischen Frauenberufen" zu finden sind. Das könnte daran liegen, dass junge Männer durchschnittlich häufiger eine Ausbildung in den vollzeitschulischen Assistenzberufen im Informations- und Kommunikationsbereich absolvieren, die in den 90er-Jahren z.T. erst neu etabliert wurden bzw. ein starkes Wachstum erfuhren. Der verstärkte Besuch von Berufsfachschulen durch junge Männer führte jedoch nicht dazu, dass sie sich auch stärker für die dort gelehrten "typischen Frauenberufe" interessierten.