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1.5.2 Betriebliche Ausbildung
Bis zum 30. September 2004 wurden bundesweit 572.980 Ausbildungsverträge abgeschlossen. Erstmals seit mehreren Jahren ist hier ein Zuwachs (+2,8 %) zu verzeichnen. Dieser Zuwachs beruht vor allem darauf, dass rund 22.000 betriebliche Ausbildungsplätze mehr als im Vorjahr zur Verfügung standen.[13] Junge Frauen profitierten von diesem Anstieg jedoch in geringerem Umfang als junge Männer. Ihr Anteil an allen Ausbildungsanfängerinnen und -anfängern ging seit 2002 von 43,4 Prozent auf 41,8 Prozent zurück (BMBF 2005, Teil 1: 5).
Angebot von und Nachfrage nach betrieblichen Ausbildungsplätzen
Im Jahr 2004 begannen 239.251 junge Frauen und 333.729 junge Männer eine betriebliche Ausbildung (BMBF 2005, Anhang Tabelle 1.1.1/6). Der Anstieg an Ausbildungsverträgen kam vor allem den jungen Männern zu Gute. 79 Prozent der zusätzlich abgeschlossenen Verträge wurden mit männlichen Jugendlichen abgeschlossen, aber nur 21 Prozent mit weiblichen Jugendlichen (BMBF 2005, Teil I: 5). Dadurch stieg die Zahl der Neuabschlüsse bei den Frauen im Vergleich zum Vorjahr nur um 1,4 Prozent, bei den Männern aber um 3,7 Prozent an (eigene Berechnung auf Basis der Daten des Berufsbildungsberichts 2005). Am stärksten nahm das Ausbildungsplatzangebot in Berlin zu (+7,2 %); hier war im Vorjahr mit ‑5,2 Prozent der größte Rückgang zu verzeichnen gewesen. Sachsen-Anhalt, Bremen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen hatten Zuwächse zwischen 6,5 und 4 Prozent zu verzeichnen. In fünf Bundesländern ging das Angebot an Ausbildungsplätzen trotz des allgemeinen Anstiegs zurück, im Saarland, in Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern; Mecklenburg-Vorpommern war mit -4,0 Prozent vom stärksten Rückgang betroffen (BMBF 2005, Teil II: 5 f). Insgesamt stieg das Ausbildungsplatzangebot in den westdeutschen Bundesländer (+2,8 %) stärker an als in den ostdeutschen Bundesländern (+1,0 %) (BMBF 2005, Anhang Tabelle 1.1.1/1).
Nicht nur das Angebot von, sondern auch die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen ist 2004 im Bundesdurchschnitt angestiegen. In den westdeutschen Bundesländern stieg die Nachfrage um 4,7 Prozent, in den ostdeutschen Bundesländern um 2,5 Prozent an (ebd.). Da die Nachfrage stärker wuchs als das Angebot an Ausbildungsplätzen, ging die Angebots-Nachfrage-Relation zurück. Auf 100 Lehrstellensuchende entfielen im Jahr 2004 bundesweit 95 Lehrstellen, in den ostdeutschen Ländern und Berlin sogar nur 89,9 (ebd.). Im Jahr 2002 kamen dagegen bundesweit noch 99,1 Lehrstellen auf 100 Bewerberinnen und Bewerber.
Vergleicht man die Entwicklung der Angebots-Nachfrage-Relation in den letzten beiden Jahrzehnten, so lassen sich deutliche Konjunkturen unterscheiden (Abbildung 1.14). Bis Mitte der 80er-Jahre war der Lehrstellenmarkt eng, da die Nachfrage nach Ausbildungsstellen das Angebot überstieg. Durch ein Absinken der Nachfrage war die Relation für die Bewerberinnen und Bewerber zwischen 1987 und 1996 positiv. Nach einem leichten Anstieg Ende der 90er-Jahre gingen sowohl das Angebot von als auch die Nachfrage nach Ausbildungsstellen bis zum vergangenen Jahr zurück. Aus Abbildung 1.14 wird deutlich, dass zwischen 2002 und 2003 das Lehrstellenangebot deutlich unter die Nachfrage gefallen ist. Trotz des Anstiegs an Ausbildungsplätzen im vergangenen Jahr vergrößerte sich die Kluft zwischen Nachfrage und Angebot.
Abbildung 1.14: Angebot von und Nachfrage nach Ausbildungsplätzen in Deutschland 1983 bis 20041 (absolut)
1 bis 1991 früheres Bundesgebiet, ab 1992 einschl. Ostdeutschland
Quellen: BMBF 2000; 2002a; 2003a; 2004; 2005; eigene Darstellung
Ohne den "Nationalen Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs" wäre das Ausbildungsplatzangebot weiter rückläufig. Im Berufsbildungsbericht von 2004 wird darauf hingewiesen, dass sich gegenwärtig strukturelle Veränderungen des Berufsbildungssystems andeuten (BMBF 2004: 1). Auf den Verlust von Ausbildungsplätzen in traditionellen Branchen reagieren potenzielle Ausbildungsplatzbewerberinnen und -bewerber mit einer Umorientierung auf andere Ausbildungswege - vor allem die Studierneigung Jugendlicher mit höher qualifizierenden schulischen Abschlüssen nimmt zu. Gleichzeitig steigen die Qualifikationsanforderungen auf dem Arbeitsmarkt sowie in den Ausbildungsordnungen; Jugendliche mit Defiziten können diese Anforderungen nicht mehr ohne weiteres erfüllen (ebd.). Nicht nur deutsche Jugendliche mit Defiziten und solche ohne ausreichende schulische Abschlüsse haben es schwer, unter diesen Bedingungen einen Ausbildungsplatz zu finden, vor allem für Jugendliche mit Migrationshintergrund verschlechtern sich damit die Zugangschancen auf den Ausbildungsmarkt deutlich (Bednarz-Braun 2004: 194 ff.).
Die Anzahl der neu besetzten außerbetrieblichen[14] Ausbildungsplätze ging im vergangenen Jahr um 10,5 Prozent zurück (BMBF 2005, Teil I: 15 f.). Im Bundesdurchschnitt begannen im Ausbildungsjahr 2004 9,4 Prozent der Jugendlichen eine außerbetriebliche Berufsausbildung. Hier zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede nach ostdeutschen und westdeutschen Bundesländern. Während im Westen 4,4 Prozent der Auszubildenden an einer Maßnahme der Arbeitsverwaltung bzw. des Bundes oder der Länder zur Ergänzung des betrieblichen Ausbildungsplatzangebots teilnahmen, begannen im Osten 27,7 Prozent der Auszubildenden eine außerbetriebliche Ausbildung (BMBF 2005, Anhang Tabelle 1.1.1/4). Hier ist die Zahl der betrieblichen Ausbildungsplätze also bei weitem nicht ausreichend.


