Service-Angebote
Inhaltsbereich
1.5.1 Ausbildungswünsche und -pläne
Der Übergang in die Berufsausbildung vollzieht sich für die meisten jungen Frauen und Männer heutzutage nicht in einer einmaligen Entscheidung und einer einmaligen Handlung. Schon in der frühen Kindheit entwickeln die meisten Mädchen und Jungen Vorstellungen von Traumberufen. Verschiedene Befragungen von Kindern zeigten, dass sich diese Traumberufe häufig an Geschlechtsrollenstereotypen orientieren. Viele Mädchen suchen sich Vorbilder in Kindergarten und Schule und wollen Erzieherin oder Lehrerin werden. Auch helfende Berufe wie Ärztin, Krankenschwester, Tierärztin liegen bei den Mädchen weit vorne. Eine dritte Kategorie bilden Berufe, bei denen sie im Rampenlicht stehen, z.B. Schauspielerin oder Sängerin. Auch für Jungen spielt dieses Motiv eine Rolle, drückt sich allerdings durch andere Traumberufe wie Fußballprofi oder Rennfahrer aus. Des Weiteren sind für sie Berufe, die mit Technik assoziiert werden, von Bedeutung, z.B. Lokomotivführer oder Computerfachmann. Eine dritte große Berufsgruppe für die Jungen bilden Berufe im Bereich Polizei/Militär (Meixner 1996; Walper/Schröder 2002).
Die Traumberufe werden mit zunehmendem Alter immer mehr mit der Realität abgeglichen z.B. dahingehend, ob ein entsprechendes Berufsbild überhaupt existiert, welche schulische Vorbildung erforderlich ist oder ob mit dem gewünschten Beruf genügend Geld verdient werden kann. Dieser Prozess wird in der Literatur auch als "Desillusionierung" bezeichnet (Meixner 1996).
Aber auch dann, wenn eine vermeintlich realitätsangepasste Berufsentscheidung gefallen ist, bedeutet das noch nicht, dass dieser Beruf ohne Hindernisse ergriffen werden kann. Nicht umsonst spricht man beim Übergang von der Schule in die Berufsausbildung von der "ersten Schwelle". In Zeiten angespannter Konjunktur wirkt die erste Schwelle für viele als ein Selektionsmechanismus auf dem Weg in Ausbildung und Beruf. Der oft gebrauchte Begriff der "Berufswahl" scheint insofern nur bedingt gerechtfertigt. Walter Heinz formuliert das noch pointierter, wenn er von "Berufswahl als Ideologie" spricht (Heinz 1998: 409). Diese "Ideologie" propagiere zwar "eine wunsch- und fähigkeitsbezogene Berufsentscheidung" (ebd.), berücksichtige aber nicht, dass sich die Berufssuchenden an die vorliegenden "Ausbildungs- und Beschäftigungsoptionen" (ebd.) anpassen müssen.


