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1.4.4 Lehrkräfte

Im Schuljahr 2003/2004 waren 67 Prozent der vollzeit- und teilzeitbeschäftigten Lehrkräfte weiblich. Betrachtet man jedoch die einzelnen Schularten, so fallen große Unterschiede im Geschlechterverhältnis der Lehrkräfte auf (Abbildung 1.13).

In fast allen Schularten dominieren die Lehrerinnen. Auffällig ist jedoch, dass ihre Dominanz mit dem Alter der Kinder und dem Niveau der schulischen Bildung abnimmt. Werden die Mädchen und Jungen in Schulkindergärten noch fast ausschließlich von weiblichen Lehrkräften betreut, so ist der Anteil der weiblichen und männlichen Lehrkräfte an Gymnasien schon ausgeglichen und einzig an den Abendgymnasien dominieren die männlichen Lehrkräfte. Schülerinnen und Schüler erleben also vor allem in den unteren Klassen eine starke weibliche Präsenz. In den höheren Klassen, in denen zunehmend die reine Wissensvermittlung dominiert, gleicht sich der Anteil der Lehrerinnen und Lehrer immer weiter an.

Abbildung 1.13: Relation der Lehrerinnen und Lehrer nach Schularten in Deutschland im Schuljahr 2003/2004 (in %)

Quelle: Statistisches Bundesamt 2004c; eigene Darstellung

Betrachtet man die vergangenen 40 Jahre, so haben die Lehrerinnen ihre Anteile in den Schulen beständig vergrößert. Im Jahr 1960 lag ihr Anteil an allen Lehrkräften noch bei 42 Prozent, und auch an den Grundschulen machten sie damals erst 46 Prozent des Lehrpersonals aus. Im Jahr 1970 lag der Anteil der Lehrerinnen mit 52 Prozent schon über dem der Lehrer (Anteil der Grundschullehrerinnen: 59 %). Im Jahr 1980 waren 55 Prozent aller Lehrkräfte an allgemein bildenden Schulen weiblich (Grundschulen: 64 %) und im Jahr 1990 betrug ihr Anteil 56 Prozent (Grundschulen: 67 %) (Roisch 2003: 26). Einige Autorinnen und Autoren sprechen deshalb von einer "Feminisierung" des Lehrerberufs. Diese wird dann auch als ein Grund für die schlechteren Schulleistungen von Jungen ins Feld geführt (siehe auch Diefenbach/Klein 2002). Belegen lässt sich diese Argumentation allerdings nicht (Cornelißen 2004).

Daten zur Verteilung von Frauen und Männern auf die Positionen der Schulleitungen werden vom Statistischen Bundesamt aktuell nicht erhoben. Von Lutzau und Metz-Göckel (1996) berechneten die Geschlechterverteilung im Amt der Schulleitung für die einzelnen Bundesländer im Schuljahr 1993/1994. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass bei den Schulleitungen ein starkes Ost-West-Gefälle auftritt. Während in allen westdeutschen Bundesländern mehr Männer als Frauen als Schulleitung fungierten (in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und dem Saarland sogar zu über 80 %), wurde diese Position in den ostdeutschen Bundesländern durchschnittlich häufiger von einer Frau besetzt. Die meisten weiblichen Schulleiterinnen fanden sich im Schuljahr 1993/1994 mit 63 Prozent in Sachsen-Anhalt. Neuere Stichprobenberechnungen (Roisch 2003: 37 ff.) zeigen, dass sich die Situation in den westdeutschen Bundesländern im letzten Jahrzehnt nur leicht zu Gunsten der Frauen verbessert hat, während sie in den ostdeutschen Bundesländern relativ stabil blieb.

Zwischenfazit: Schulische Bildung

Waren im Jahr 1960 noch 60 Prozent der Jugendlichen an Gymnasien männlich und 40 Prozent weiblich, so hat sich dieses Verhältnis heute beinahe umgekehrt. Wegen des bundesdeutschen Bildungsföderalismus lässt sich die Bildungsbeteiligung von Mädchen und Jungen nur schwer für alle Bundesländer vergleichen. In einigen der ostdeutschen Bundesländer (z.B. in Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt) ist der Sekundarbereich I z.B. nicht in die drei Bildungsgänge Hauptschule, Realschule und Gymnasium untergliedert wie in Westdeutschland, sondern die Schülerinnen und Schüler finden sich gemeinsam in einer Mittelschule oder Realschule wieder. Unabhängig von diesen Unterschieden sind die Mädchen sowohl im Osten als auch im Westen der Bundesrepublik an den Gymnasien stärker vertreten als die Jungen. Junge Frauen verbleiben heute im Durchschnitt länger im allgemein bildenden Schulsystem und erreichen die höher qualifizierenden Abschlüsse.

Trotz vielfältiger bildungspolitischer Anstrengungen hängt das erlangte Bildungsniveau der Kinder auch heute noch sehr stark vom Bildungsniveau der Eltern ab. So besuchen deutlich mehr Jugendliche, deren die gymnasialen Oberstufe, wenn ihre Eltern über eine Fachhochschulreife oder allgemeine Hochschulreife verfügen, die gymnasiale Oberstufe als solche, deren Elternwenn diese die Hauptschule abgeschlossen haben.

Nach den Ergebnissen neuerer Schulleistungsstudien wie PISA und IGLU liegen Mädchen heute im Durchschnitt in den Schulleistungen vor den Jungen. Am größten sind die Differenzen zu Gunsten der Mädchen im schriftsprachlichen Bereich. Da Leseverständnis und sprachliche Ausdrucksfähigkeit grundlegende Kompetenzen für den Erfolg in Bildungseinrichtungen sind, können die Defizite von Jungen in diesen Bereichen ihren Bildungserfolg stark beeinträchtigen. Mancherorts wird deshalb schon von einer Diskriminierung der Jungen in der Schule gesprochen.

Seit den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts sind die meisten Lehrkräfte an allgemein bildenden Schulen weiblich. Es fällt auf, dass die Lehrerinnen vor allem an den Grundschulen zahlenmäßig dominieren. Mit steigendem Alter der Schülerinnen und Schüler nimmt diese Dominanz ab. In den oberen Rängen der Schulhierarchie bildet sich die Dominanz des weiblichen Lehrpersonals zumindest in den westdeutschen Bundesländern jedoch nicht ab. Die Schulleitungen werden hier nach wie vor vor allem von Männern besetzt, in den ostdeutschen Bundesländern sind die Aufstiegschancen für Lehrerinnen dagegen günstiger.