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1.4.3 Schulabschlüsse

Die höheren schulischen Qualifikationen bei den Mädchen zeigen sich auch, wenn man die Anteile der Absolventinnen und Absolventen allgemein bildender Schulen an den unterschiedlichen Schulabschlüssen betrachtet. Im Folgenden vergleichen wir diese Anteile zunächst für junge Frauen und junge Männer in den ostdeutschen und den westdeutschen Bundesländern und danach für deutsche und ausländische Jugendliche.

Schulabschlüsse in den ostdeutschen und westdeutschen Bundesländern

Basierend auf den unterschiedlichen Schulstrukturen der einzelnen Bundesländer (Kapitel 1.4.1) finden sich Unterschiede zwischen den schulischen Bildungsabschlüssen von Jugendlichen aus den östlichen und den westlichen Bundesländern (Abbildung 1.11).

Abbildung 1.11: Deutsche Absolventinnen und Absolventen1 nach Abschlussarten und Anteilen in West- und Ostdeutschland2 im Entlassungsjahr 2003 (in %)

1 einschl. Externe bzw. Schulfremdenprüfungen
2 Ostdeutschland einschl. Berlin
Quelle: Statistisches Bundesamt 2004b: Tabelle 6.2; eigene Berechnungen und Darstellung

Obwohl die Vereinigung der beiden deutschen Staaten nun schon 15 Jahre zurückliegt, lassen sich, trotz eines Angleichungsprozesses auch heute noch Unterschiede im Bildungsverhalten ost- und westdeutscher Jugendlicher feststellen. In der DDR wurde von den meisten Jugendlichen die Polytechnische Oberschule nach 10 Schuljahren abgeschlossen.[12] Ein der Hauptschule im Westen entsprechender Abschluss existierte nicht. Der Zugang zum Abitur stand nach Seidenspinner u.a. (1996: 46) in Ostdeutschland nur etwa 15 Prozent eines Jahrgangs offen. "Grundlage bildete die entsprechende staatliche Planungsgröße" (ebd.). In den Jahren nach der Vereinigung fanden sich noch weitgehend die alten Bildungsmuster in den ostdeutschen Bundesländern und die Unterschiede im Bildungsverhalten zwischen ostdeutschen und westdeutschen Bundesländern waren dementsprechend groß. Die auch heute noch existierenden Unterschiede im Bildungsverhalten lassen sich jedoch nicht allein auf unterschiedliche Bildungstraditionen zurückführen. Sie beruhen, wie in Kapitel 1.4.1 gezeigt wurde auch auf strukturellen Ursachen. So können dort, wo es in den ostdeutschen Bundesländern keine Hauptschulen gibt, diese von den Schülerinnen und Schülern auch nicht besucht werden.

Betrachtet man nun die Schulabschlüsse im Schuljahr 2002/2003 (Abbildung 1.11), so fällt auf, dass die Jugendlichen im Osten der Republik mittlerweile häufiger höhere Abschlüsse erreichen als die im Westen. Sowohl Fachhochschul- und Hochschulabschlüsse als auch Realschulabschlüsse werden häufiger von ostdeutschen als von westdeutschen Jugendlichen erlangt. Westdeutsche Jugendliche beenden die Schule dagegen wesentlich häufiger mit einem Hauptschulabschluss. Ostdeutsche Schülerinnen und Schüler verlassen die Schule allerdings häufiger ohne Abschluss als westdeutsche. Der höhere Anteil dieser vor allem männlichen Jugendlichen aus den ostdeutschen Bundesländern, kann auch daraus resultieren, dass Schülerinnen und Schüler, die die 10. oder 11. Klasse ohne Abschluss verlassen, nicht einmal über einen Hauptschulabschluss verfügen, wenn es in dem betreffenden Bundesland keine Hauptschulen gibt.

Quer zu den Differenzen im Ost-West-Vergleich verlaufen die geschlechtsspezifischen Unterschiede. Sowohl im Westen als auch im Osten der Republik schließen die jungen Frauen die Schule häufiger mit höher qualifizierenden Abschlüssen ab als die jungen Männer. Die jungen Männer beenden die Schule häufiger mit einem Hauptschulabschluss oder sie verlassen die Schule ohne Abschluss. Die Gruppe mit dem durchschnittlich höchsten Qualifikationsniveau sind mittlerweile die jungen Frauen aus den ostdeutschen Bundesländern (Abbildung 1.11). Sie erlangen zu fast 10 Prozentpunkten häufiger die (Fach-)Hochschulreife als die jungen Männer aus den ostdeutschen Bundesländern. Dagegen verlassen die jungen Männer aus dem Osten am häufigsten von allen Gruppen die Schule ohne Hauptschulabschluss. Angesichts der besonders prekären Lage auf dem Ausbildungs- und Stellenmarkt in den ostdeutschen Bundesländern verfügen diese jungen Männer über vergleichsweise schlechte schulische Voraussetzungen beim Übergang in Ausbildung und Beruf.

Schulabschlüsse deutscher und ausländischer Mädchen und Jungen

Schon im Schuljahr 1991/1992 verließen sowohl die deutschen als auch die ausländischen jungen Männer die Schule häufiger ohne Schulabschluss oder mit einem Hauptschulabschluss als die deutschen bzw. die ausländischen jungen Frauen. Die deutschen und ausländischen jungen Frauen erreichten häufiger als die jeweiligen jungen Männer einen Realschulabschluss oder die Fach- bzw. die allgemeine Hochschulreife. Die deutschen jungen Frauen erlangten somit unter allen hier betrachteten Gruppen im Durchschnitt die qualifiziertesten Abschlüsse. Im Schuljahr 1994/1995 setzte sich dieser Trend fort und auch im Schuljahr 2002/2003 (Abbildung 1.12) hat sich an diesem Muster nichts geändert.

Abbildung 1.12: Deutsche und ausländische Absolventinnen und Absolventen nach Abschlussarten und Anteilen in Deutschland im Entlassungsjahr 2003 (in %)

Quelle: Statistisches Bundesamt 20004b: Tabelle 6.4; eigene Darstellung




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