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1.4.2 Schulleistungen

Im angloamerikanischen Raum ist es schon lange üblich, die Leistungen der Schülerinnen und Schüler mit Hilfe von Schulleistungstests und Leistungsstudien zu überprüfen. In den vergangenen Jahren beteiligte sich auch Deutschland an den international durchgeführten Studien und führte eigene Studien in größerem Umfang durch. Die bekanntesten dieser Studien sind das Programme for International Student Assessment (PISA)[9] sowie die Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU)[10].

Mit Hilfe von Leistungsstudien können generelle Aussagen über die geschlechtsspezifische Verteilung auf Schultypen und Abschlüsse (siehe Kapitel 1.4.1 und 1.4.3) um Befunde zu unterschiedlichen Leistungen in verschiedenen Fächern und Fächergruppen erweitert werden.

An IGLU, die die Lesekompetenzen der Schülerinnen und Schüler am Ende der vierten Jahrgangsstufe verglich, beteiligten sich weltweit 35 Länder. In allen Teilnehmerländern waren die Leseleistungen der Mädchen besser als die der Jungen. Die deutschen Kinder lagen im internationalen Vergleich im oberen Drittel. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede in den Lesekompetenzen waren in Deutschland mit 13 Prozentpunkten zwar deutlich, sie waren aber geringer als in den meisten anderen beteiligten Ländern (Bos u.a. 2003: 114 ff.). In der deutschen Grundschule gelingt es also weitgehend, sowohl Mädchen als auch Jungen ein relativ hohes Niveau an Lesekompetenz zu vermitteln.

Im Gegensatz zu den Ergebnissen der IGLU-Studie erzielten die getesteten 15-jährigen deutschen Schülerinnen und Schüler in der ersten PISA-Studie in allen drei untersuchten Bereichen Ergebnisse, die deutlich unter dem Durchschnitt der anderen Länder in der Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD) lagen (OECD 2003a).

In allen Ländern, die an der ersten PISA-Studie teilnahmen, bestanden in der Lesekompetenz signifikante Differenzen zu Gunsten der Mädchen. In knapp der Hälfte der Länder - so auch in Deutschland - wurde eine signifikante Differenz in der mathematischen Kompetenz zu Gunsten der Jungen festgestellt. Es gab jedoch auch Länder (Island, Neuseeland, Russische Föderation), in denen die Mädchen bessere Leistungen im Mathematiktest erbrachten. In den Naturwissenschaften konnten weder im OECD-Durchschnitt noch innerhalb Deutschlands signifikante Leistungsunterschiede zwischen Mädchen und Jungen festgestellt werden (OECD 2003a).

Aus Abbildung 1.9 wird deutlich, dass in Deutschland die Leistungsdifferenz im Gesamttest Lesen zu Gunsten der Mädchen mehr als doppelt so groß ist wie die in Mathematik zu Gunsten der Jungen. In den Naturwissenschaften ist der festgestellte Leistungsunterschied zu Gunsten der Jungen nur minimal.

Abbildung 1.9: Leistungsunterschiede zwischen deutschen Mädchen und Jungen im Gesamttest Lesen, in Mathematik und in den Naturwissenschaften (Differenz der mittleren Testwerte)

Datenbasis: PISA-Erhebung 2000
Quelle: Deutsches PISA-Konsortium 2001: 251-253; eigene Darstellung

Auch die zweite internationale PISA-Studie zeigte, dass die Mädchen die Jungen in ihrer Lesekompetenz in allen teilnehmenden Ländern beträchtlich übertrafen. International erreichten die Mädchen im Durchschnitt 34 Punkte mehr als die Jungen, in Deutschland sogar 42 Punkte. Das heißt, dass sich in Deutschland der Abstand in der Lesekompetenz zu Gunsten der Mädchen in den Jahren seit der ersten PISA-Studie sogar noch vergrößert hat. Der Abstand zu Gunsten der Jungen in der mathematischen Kompetenz hat sich dagegen im selben Zeitraum bis auf 9 Punkte verringert (Prenzel u.a. 2004).[11]

Wenn Kinder Probleme haben, die geforderten Schulleistungen zu erbringen, suchen immer mehr Eltern einen Ausweg darin, für ihre Kinder Nachhilfe in Anspruch zu nehmen. Nachhilfe findet in informellen und non-formalen Kontexten statt. Schon in den 90er-Jahren kamen Studien zu dem Ergebnis, dass etwa ein Fünftel der Schülerinnen und Schüler ab dem Alter von 11 Jahren Nachhilfe in Anspruch nahmen (Rauschenbach u.a. 2004: 337; Hurrelmann 1996: 38). Nach Hurrelmann (ebd.) wird Nachhilfe im Wesentlichen von zwei verschiedenen Schülergruppen in Anspruch genommen: von solchen, die akut versetzungsgefährdet sind, und von solchen, die mit längerfristiger Nachhilfe einem möglichen Leistungsabfall vorbeugen wollen. Tendenziell nimmt sowohl die Zahl der Nachhilfeschülerinnen und -schüler als auch die der kommerziellen Nachhilfeangebote zu. Dieses Ergebnis zeigt sich auch in der Befragung der ersten PISA-Studie (Abbildung 1.10).

Abbildung 1.10: Inanspruchnahme von Nachhilfe außerhalb der Schule durch Mädchen und Jungen in Deutschland (in %)

Datenbasis: PISA-Erhebung 2000, n = 31.450 (gewichtet)
Quelle: Rauschenbach u.a. 2004: 338

Nach den Ergebnissen der PISA-Studie nahmen im Jahr 2000 knapp 33 Prozent der befragten Mädchen und Jungen der 9. Klassen Nachhilfe in Anspruch. Dabei zeigt sich (Abbildung 1.10), dass Mädchen häufiger außerschulische Nachhilfeangebote wahrnahmen als Jungen. Es ist nicht auszuschließen, dass diese zusätzliche Beschäftigung mit dem Unterrichtsstoff zu den durchschnittlich besseren Leistungen der Mädchen beiträgt.




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