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1.10 Überblick über die Ergebnisse

In den letzten Jahrzehnten erlangten die Frauen überall in Europa einen Bildungsvorsprung vor den Männern. In Deutschland werden Mädchen heute im Durchschnitt früher eingeschult, sie wiederholen seltener eine Klasse und verbleiben länger im allgemein bildenden Schulsystem, da sie häufiger ein Gymnasium besuchen. Schulleistungstests lassen bei Mädchen ein im Durchschnitt höheres Leistungsniveau im schrift-sprachlichen Bereich erkennen. Dagegen sind die Differenzen zu Gunsten der Jungen in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern vergleichsweise gering. Die (Fach-)Hochschulreife wird mittlerweile am häufigsten von jungen Frauen aus den ostdeutschen Bundesländern (zu 31 %) erreicht, am seltensten von den jungen Männern aus Ost und West (zu 21 %). Im Jahr 2003 verließen 30 Prozent der deutschen Schulabgängerinnen, aber nur 22 Prozent der deutschen Schulabgänger die Schule mit einem Abitur oder einer Fachhochschulreife. 10 Prozent der deutschen und 23 Prozent der ausländischen jungen Männer verließen 2003 die Schule ohne jeden Schulabschluss. In dieser prekären Situation befanden sich deutlich weniger junge Frauen; nur 6 Prozent der deutschen, jedoch 15 Prozent der ausländischen Schülerinnen gingen ohne Abschluss von der Schule ab.

Nach wie vor ist das Ausbildungssystem geschlechtsspezifisch segregiert. Junge Männer stellen fast 60 Prozent der Berufsschüler im dualen System der betrieblichen Ausbildung. Junge Frauen machen dagegen den größeren Anteil in den Berufsfachschulen (knapp 60 %) sowie an den Schulen des Gesundheitswesens (80 %) aus. In den Ausbildungen zu den Gesundheitsberufen dominieren junge Frauen seit Jahren. In der Altenpflegeausbildung beträgt der Männeranteil zum Beispiel nur 18 Prozent, bei der Kinderpflege gar nur 5 Prozent. Auch bezüglich der einzelnen Ausbildungsberufe ist also eine Geschlechtersegregation zu beobachten. Im Bereich der betrieblichen Ausbildung werden junge Frauen häufiger in Dienstleistungsberufen und junge Männer häufiger in industriellen Fertigungsberufen ausgebildet. Die gezahlten Ausbildungsvergütungen sind in den "typischen Männerberufen" (z.B. im Bauhauptgewerbe) häufig deutlich höher als in den "typischen Frauenberufen" (z.B. Friseurin). Bei den vollzeitschulischen Berufsausbildungen werden junge Frauen am häufigsten in personenbezogenen Dienstleistungsberufen (z.B. Kinderpflegerin, Krankenschwester) und junge Männer häufiger in technischen Assistenzberufen ausgebildet.

Trotz ihres schulischen Vorsprungs ist auch für junge Frauen der Einstieg in Ausbildung und Beruf durch Ausbildungs- und Arbeitsplatzmangel erschwert. Viele junge Frauen und Männer finden - obwohl sie dies wünschen - keinen Zugang zu einer betrieblichen Ausbildung. Für junge Frauen ist die Situation auch deshalb besonders prekär, weil sich viele ihrer beruflichen Interessen etwa im erzieherischen Bereich oder in den Gesundheitsberufen nur über eine rein schulische Ausbildung realisieren lassen. Von diesen Ausbildungen aus ist der Einstieg in den Beruf generell schwieriger.

Nach einer betrieblichen Ausbildung erhalten junge Frauen seltener als junge Männer ein Übernahmeangebot. Dank ihrer höher qualifizierenden Schulabschlüsse und ihrer intensiveren Bemühungen um einen Arbeitsplatz haben junge weibliche Fachkräfte aber ein Jahr nach Abschluss ihrer Berufsausbildung sowohl nach der betrieblichen wie nach der rein schulischen Ausbildung jeweils zu einem höheren Anteil als die vergleichbaren männlichen Fachkräfte einen adäquaten Arbeitsplatz gefunden. Nach einer berufsfachschulischen Ausbildung beginnen viele männliche Fachkräfte ein Studium. Ein Jahr nach einer rein schulischen Ausbildung sind 12 Prozent der Frauen und 8 Prozent der Männer arbeitslos oder haben keine Arbeit als Fachkraft gefunden. Besonders prekär ist die Situation junger weiblicher Fachkräfte in den ostdeutschen Bundesländern.

Inzwischen nehmen in Deutschland gleich viele junge Frauen und Männer ein Studium auf. Die Studienfachwahl zeigt, ebenso wie die berufliche Ausbildung, nach wie vor geschlechtsspezifische Züge. Studentinnen studieren am häufigsten Sprach-, Kultur- und Sozialwissenschaften, Studenten dagegen Ingenieurwissenschaften. An zweiter bzw. dritter Stelle folgen bei beiden Geschlechtern die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Seit 1991 verloren die Ingenieurwissenschaften für Studentinnen an Bedeutung, dagegen gewannen Sprach- und Kulturwissenschaften dazu. Die typischen Männer- und Frauendomänen haben an den Hochschulen also weiter Bestand. Trotz des zahlenmäßigen Gleichgewichts beim Studienbeginn, sind die Anteile der Frauen in den höheren Stadien der akademischen Laufbahn auch heute noch vergleichsweise gering; im Studienjahr 2003/04 stellten sie 38 Prozent der Promovendinnen, erlangten 22 Prozent aller Habilitationen und besetzten 13 Prozent der Professuren.

Ähnlich wie in der schulischen Ausbildung zeigt sich auch bei denBetrachtet man die Verteilung der unterschiedlichen beruflichen BildungsabschlüssenBildungsabschlüsse Deutscher nach Geschlecht und Altersgruppen, so zeigt sich, dass die Frauen auf- und zum Teil sogar überholenin allen Gruppen die meisten Personen eine Lehr- oder Anlernausbildung absolviert haben. In den älteren Kohorten verfügen zwar noch deutlich mehr Männer als Frauen über Fachhochschul- und Hochschulabschlüsse und mehr Frauen haben gar keinen beruflichen Bildungsabschluss. Bei den unter 30-Jährigen zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Hier haben schon mehr Frauen als Männer einen Fachhochschul- oder Hochschulabschluss erreicht.




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