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1.1 Einleitung
In den postindustriellen Gesellschaften ist Wissen (und dessen Vermittlung durch Bildung) so wichtig geworden, dass sie als "Wissensgesellschaften" bezeichnet werden (Knorr-Cetina 2000). Vom Bildungsniveau der Beschäftigten hängen die internationale Konkurrenzfähigkeit und Entwicklungsfähigkeit postindustrieller Gesellschaften entscheidend ab. Gleichzeitig ist für die meisten Menschen heute Bildung die wichtigste Ressource, mit deren Einsatz sie ihr Leben erfolgreich führen können. Denn die im Bildungs- und Ausbildungssystem erworbenen Qualifikationen bilden grundlegende Voraussetzungen für die späteren Berufs- und Einkommenschancen von jungen Frauen und Männern sowie für den damit verbundenen Sozialstatus. Darüber hinaus gewinnt für die Individuen auch Weiterbildung im Kontext lebenslangen Lernens zunehmend an Bedeutung, um ihre gesellschaftlichen Teilhabechancen aufrechtzuerhalten. Aus diesem Grund sind auch Fragen nach Gleichheiten und Ungleichheiten im Bildungssystem - die seit der PISA-Studie verstärkt ins Zentrum des öffentlichen Interesses gerückt sind - von großer Bedeutung.
Bildung wird heute zumeist als Vermittlung von Werthaltungen, Einstellungen, Wissensbeständen und Fertigkeiten verstanden, die Menschen benötigen, um sich als Erwachsene, als Frauen und Männer in gesellschaftlichen Zusammenhängen bewähren zu können (Andorka 2001: 340). Bildung in diesem Sinne wird nicht nur in formalen Bildungseinrichtungen wie Schule und Universität erworben, sondern auch in informellen Kontexten. In der Debatte um die Gleichstellung von Frauen und Männern verdienen vor allem das in formalen Bildungseinrichtungen vermittelte Wissen sowie seine Zertifizierung in Form von Bildungsabschlüssen besondere Aufmerksamkeit. Im folgenden Kapitel steht demnach die Frage nach der Teilhabe von jungen Frauen und Männern an der formalen, wie es im bundesdeutschen Bildungssystem unter geschlechterrelevanten Gesichtspunkten mit Bildung und Weiterbildung im formalen Sektor aussieht, im Zentrum des Interesses. Für die schulische Anhand des Bildungsdurchlaufs von der schulischen Bildung, über die berufliche Bildung, die Übergänge in den Beruf, dasStudium, berufliche Bildungsabschlüsse und berufliche Weiterbildung werden Daten und Fakten dargestellt, interpretiert und beurteilt, die Aussagen über Bildungsbeteiligung, aber auch die Fachwahlen, Leistungsdifferenzen und Abschlüsse von Frauen und Männern erlaubentreffen können.
Das folgende Kapitel beginnt mit einem europäischen Vergleich und einem Zeitvergleich, durch die das Thema Bildung in einen umfassenderen Kontext gestellt wird. In einem solchen Kontext gewinnen die aktuellen bundesdeutschen Zahlen an Aussagekraft. Der Zeitvergleich weist auf, wie sich die Bildungsbeteiligung deutscher Mädchen und Jungen an den verschiedenen Schularten in den vergangenen 40 Jahren verändert hat.
In Kapitel 1.4 Schulische Bildung wird anhand der aktuellen Bildungsbeteiligung, der Schulleistungen sowie der Schulabschlüsse der Bildungserfolg junger Frauen und Männer untersucht. Am Ende dieses Kapitels findet ein Perspektivenwechsel statt, indem auf das Geschlechterverhältnis der Lehrkräfte in den verschiedenen Schularten sowie in den Schulleitungspositionen eingegangen wird.
In Kapitel 1.5 Berufliche Bildung betrachten wir die Präsenz junger Frauen und junger Männer in der betrieblichen und in der vollzeitschulischen Berufsausbildung. Sowohl zwischen betrieblicher Ausbildung und vollzeitschulischer Berufsausbildung als auch innerhalb dieser beiden Ausbildungswege verteilen sich die jungen Frauen und Männer häufig geschlechtsspezifisch unterschiedlich auf die verschiedenen Berufe. Im dualen System haben diese Differenzen auch Einfluss auf die Ausbildungsvergütungen.
In der Zusammenfassung der Expertise von Mona Granato (Kapitel 1.6 Übergänge in den Beruf) interessiert die Frage, ob die im schulischen und beruflichen Bildungssystem erworbenen Qualifikationen Frauen und Männern gleiche Chancen bei der Einmündung in eine (entsprechend qualifizierte) Erwerbstätigkeit eröffnen.
In Kapitel 1.7 Studium wird untersucht, ob Studentinnen und Studenten ihre Fächer auch heute noch nach geschlechtsspezifischen Mustern auswählen und wie präsent sie auf den höheren Stufen der akademischen Laufbahn sind.
Kapitel 1.8 wirft einen Blick auf die Anteile der beruflichen Bildungsabschlüsse nach Geschlecht für die verschiedenen Altersgruppen.
Zuletzt wird in der Zusammenfassung der Expertise von Ursula Beicht der Fokus auf die Fort- und Weiterbildung im Erwachsenenalter gelegt. In diesem Kapitel (1.9 Weiterbildung) wird betrachtet, welche soziodemografischen Merkmale bei Frauen und Männern die Teilnahme oder Nichtteilnahme an Weiterbildung beeinflussen und welche Ziele beide Gruppen mit Weiterbildung verfolgen.
Dort, wo differenzierte Daten vorliegen und ein Vergleich sinnvoll ist, werden jeweils Ost-West-Unterschiede sowie die Situation von Migrantinnen und Migranten in den Blick genommen.


