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7. Ergebnisse des Workshops
Nach Abschluss der Interviews und einem ersten Auswertungsdurchgang fand ein zweitägiger Workshop statt, der in der Hauptsache zwei Funktionen erfüllen sollte (vgl. oben Kap. 3.1): Zum einen die in methodischer Hinsicht wichtige Funktion der kommunikativen Validierung, deren Ziel es ist zu klären, ob die Forschungsergebnisse die Problemsicht der befragten ExpertInnen angemessen erfassen; zum anderen eine Transferfunktion, die darauf abzielt, die Übersetzung der Forschungsergebnisse in praktische Maßnahmen zur Integration von Mädchen und Frauen in die Feuerwehr vorzubereiten und einzuleiten. Eingeladen zum Workshop waren entsprechend alle befragten ExpertInnen; am zweiten Tag wurden zudem Mitglieder des DFV-Präsidiums in die Diskussionen einbezogen (vgl. das Workshop-Programm im Anhang).
Der Workshop begann am ersten Tag mit einer Präsentation der bis dahin erarbeiteten Forschungsergebnisse, in deren Mittelpunkt die Darstellung der Schwierigkeiten und Hindernisse stand, die einer besseren Integration von Mädchen und Frauen in die Feuerwehr gegenwärtig im Wege stehen. Die anschließende rege Diskussion führte in einzelnen Punkten zu wichtigen Ergänzungen und Präzisierungen, insgesamt dominierte aber sehr deutlich eine breite Zustimmung. Die befragten Feuerwehrfrauen brachten wiederholt zum Ausdruck, dass sie ihre Erfahrungen und Einschätzungen in den Berichten des Forschungsteams genau und differenziert erfasst sahen und verbanden damit die Hoffnung, dass die Feuerwehr diesen Erfahrungen und Einschätzung in Zukunft mehr Beachtung schenkt, weil sie nun auch mit der Autorität wissenschaftlichen Sachverstands vorgetragen werden können.
Eines der wesentlichen Hindernisse, mit denen die Frauen in der Feuerwehr konfrontiert sind, wurde bereits im Verlauf der Diskussion unmittelbar deutlich: Die mangelnde Gelegenheit zur Kommunikation und zum kontinuierlichen Erfahrungsaustausch untereinander. So zeigte sich wiederholt, dass Erfahrungen, die in einem Bundesland gemacht worden sind, und Maßnahmen zur Förderung der Integration von Mädchen und Frauen, die in einem anderen Bundesland bereits erfolgreich durchgeführt und auf Dauer gestellt worden waren, oftmals schon in den unmittelbar benachbarten Bundesländern völlig unbekannt waren. Die Folge ist jenes 'Immer-wieder-von-vorne-Anfangen', das manche Expertinnen schon in den Interviews beklagt hatten (vgl. oben Kap. 5.3.1). Teilweise war während des Workshops das gegenseitige Staunen über bereits erprobte Handlungs- und Veränderungsmöglichkeiten unübersehbar, und der Wunsch, den Erfahrungsaustausch kontinuierlich fortsetzen und voneinander lernen zu können, wurde mehrfach artikuliert.
Die Diskussion der Forschungsergebnisse trug auf diese Weise dazu bei, dass der Workshop auch seine Transferfunktion realisieren konnte. Erste Schritte zu einer besseren Vernetzung der Frauen untereinander wurden in den Kaffeepausen zwischen den Vorträgen und bei einer abendlichen informellen Gesprächsrunde sogleich in die Tat umgesetzt; es kam zu einem regen Erfahrungs- und Adressenaustausch, und Strategien und Zukunftspläne gewannen bereits erste Gestalt.
Am zweiten Tag des Workshops wurde die Diskussion unter den Feuerwehrfrauen erweitert um die Diskussion mit dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten des DFV. Ausgangspunkt für diese zweite Diskussionsrunde war die Vorstellung der Leitlinien für zukünftige praktische Maßnahmen zur besseren Integration von Mädchen und Frauen in die Feuerwehr, die im Rahmen des Forschungsprojekts entwickelt worden sind. Auch in diesem Zusammenhang ließ sich schon während des Workshops beobachten, wie die mit Blick auf die Transferfunktion des Workshops angestrebte Intensivierung des Austausches zwischen den Frauen und den Spitzenvertretern des DFV erste Konturen gewann. Zwar waren die Feuerwehrfrauen anfangs deutlich zurückhaltender als am ersten Tag. Doch diese Zurückhaltung wich sehr schnell einer intensiven Diskussionsbeteiligung, als einzelne Teilergebnisse des Forschungsprojekts von Seiten des DFV-Präsidiums vorsichtig in Frage gestellt wurden (Anlass war z.B. das Cover-Foto auf einem der letzten Feuerwehrjahrbücher). Hatten die Feuerwehrfrauen bis dahin den Wissenschaftlerinnen das Reden überlassen, sicher auch in der bereits erwähnten Hoffnung, dass diese eher auf offene Ohren bei den Vertretern des Präsidiums treffen würden als sie selbst, so meldeten sie sich jedoch sehr engagiert zu Wort, sobald sie in den Äußerungen des Präsidiums nicht nur die Forschungsergebnisse, sondern ganz offensichtlich ihre eigenen Erfahrungen und Wahrnehmungen in Zweifel gezogen sahen.
Grundsätzlich fanden die in den Leitlinien zusammengefassten Perspektiven für eine Modernisierung der Feuerwehr, die diese nicht nur für Frauen, sondern auch für andere bislang allenfalls marginal vertretene Bevölkerungsgruppen attraktiver machen soll, auch seitens des Präsidiums sehr viel Zustimmung. Maßgeblich dazu beigetragen hat, wie in den Reaktionen immer wieder deutlich wurde, vor allem die sehr konkrete und praxisbezogene Ausrichtung der Veränderungsperspektiven, die in dieser Form von einem wissenschaftlichen Projekt offenbar nicht erwartet oder gar erhofft worden war. Man wird entsprechend davon ausgehen können, dass auch bei den Vertretern des Präsidiums die Ergebnisse des Forschungsprojekts als - unerwartet! - realitätshaltig wahrgenommen wurden.


