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2. Kurze statistische Übersicht mit einem Vergleich zwischen neuen und alten Bundesländern

Die statistischen Daten über den Anteil von Mädchen und Frauen in der Feuerwehr, die in der Dortmunder Vorstudie 2001 und in den folgenden Jahren auf der Grundlage der Feuerwehrjahrbücher zusammengestellt wurden, sollen hier kurz zusammengefasst und aktualisiert aufgeführt werden, weil sie der Ausgangs- und Bezugspunkt wichtiger Fragestellungen sind, die in diesem Forschungsprojekt verfolgt worden sind (vgl. Poppenhusen 2001, Wetterer/Poppenhusen 2003). Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Zeit nach der 'Wende'.

Die Beteiligung von Frauen am aktiven Einsatz in der Feuerwehr hat über die letzten gut drei Jahrzehnte ständig an Bedeutung gewonnen. Während die Zahl der Feuerwehrmänner seit Mitte der 1990er Jahre kontinuierlich zurückgeht (1993: 1.094.256; 2003: 988.837), steigt die Zahl der Feuerwehrfrauen ebenso kontinuierlich an (1993: 45.099; 2003: 67.310; s. Tabelle 3 im Anhang). Dieser Anstieg erfolgt allerdings über einen langen Zeitraum und erhält erst durch das Hinzukommen der neuen Bundesländer einen etwas kräftigeren Schub. Laut Statistik des Feuerwehr-Jahrbuchs des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV) steigt der Anteil der Frauen in der Freiwilligen Feuerwehr in den fünfzehn Jahren von 1974 bis 1989 von 0,3 auf 1,8 Prozent, der Anteil der Mädchen in der Jugendfeuerwehr von 4,3 auf 12,4 Prozent. Unmittelbar nach der Wende hat sich binnen Jahresfrist der Anteil der Feuerwehrfrauen bundesweit auf 3,2 Prozent im Jahre 1990 nahezu verdoppelt und erreicht 2003 6,4 Prozent. Der Anteil der Mädchen in der Jugendfeuerwehr macht 2003 bundesweit mit 22,7 Prozent schon mehr als ein Fünftel aus (für die Zeit seit 1991 s. Tabellen 4a - 5c im Anhang).

Die regionalen Unterschiede 

Die Integration von Frauen in die Freiwillige Feuerwehr ist allerdings in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich weit vorangeschritten. Dabei lassen sich vor allem deutliche Unterschiede zwischen den neuen und den alten Bundesländern feststellen. In jedem der neuen Bundesländer ist der Anteil der Frauen unter den Aktiven höher als in allen alten Bundesländern. Im Jahre 2003 sind in Sachsen-Anhalt als dem Spitzenreiter 14,2 Prozent der freiwilligen Feuerwehrleute Frauen, in Sachsen sind demgegenüber 'nur' 9,3 Prozent Frauen bei der Freiwilligen Feuerwehr tätig; Hessen folgt als erstes der alten Bundesländer mit einem Frauenanteil von 7,7 Prozent, und Rheinland-Pfalz bildet mit 1,2 Prozent das Schlusslicht. Die Unterschiede setzen sich fort, wenn man innerhalb der einzelnen Bundesländer Regierungsbezirke miteinander vergleicht. So lag in Bayern, für das entsprechende Daten veröffentlicht sind, der Anteil der Frauen 2003 im Regierungsbezirk Oberpfalz bei 11,2 Prozent, im Regierungsbezirk Schwaben bei 3,2 Prozent.

Der nicht unerhebliche Unterschied zwischen den westdeutschen und den ostdeutschen Bundesländern wird noch einmal deutlich, wenn man ihn in einer Gesamtperspektive betrachtet. Während in den westdeutschen Bundesländern der Frauenanteil zwischen 1991 und 2003 zwar weiterhin stetig, aber dennoch vergleichsweise langsam von 2,06 Prozent auf 5,10 Prozent angestiegen ist, lag er in den ostdeutschen Bundesländern im gleichen Zeitraum - trotz des Umbaus nach der Wende - mit nur leichten Schwankungen kontinuierlich zwischen 10 und 12 Prozent und damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt und noch deutlicher über dem Durchschnitt der alten Bundsländer (s. Graphik und Tabelle 1). Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Frauenbeteiligung in den neuen Bundesländern damit schon heute der Zielvorstellung entspricht, die das Präsidium des DFV in den nächsten Jahren für das gesamte Bundesgebiet anstrebt.

Der 'Vorsprung' der neuen Bundesländer macht auf die Relevanz der feuerwehrexternen Rahmenbedingungen aufmerksam: In der DDR waren Frauen auch in den techniknahen Berufsfeldern in weit höherem Maße präsent als in der BRD und dort hatten zudem die tradierten bipolaren Geschlechterbilder insgesamt erheblich an Orientierungskraft verloren. Diese sozialen und kulturellen Unterschiede kommen auch in den Interviews mit den Feuerwehrfrauen aus den neuen Bundesländern sehr deutlich zum Ausdruck (vgl. unten Kapitel 5.4.1). Da sich derartige gesellschaftliche Rahmenbedingungen nur langsam verändern und zudem insgesamt die Tendenz besteht, dass sich die neuen Bundesländer in vielen Belangen eher den alten Bundesländern angleichen als umgekehrt, werden energische gleichstellungspolitische Anstrengungen unternommen werden müssen, um den 'Nachholbedarf' im Westen auszugleichen und das Ziel des DFV zu erreichen: eine kurzfristige Verdoppelung des Anteils von Frauen in der Freiwilligen Feuerwehr.

Das Verschwinden der Mädchen

Die Jugendfeuerwehr (JF) stellt das wichtigste Rekrutierungspotenzial der Freiwilligen Feuerwehr dar. Bedenkt man, dass der Anteil der Mädchen in der JF inzwischen fast ein Viertel beträgt, so stimmt nachdenklich, dass im aktiven Dienst der Anteil der Frauen bundesweit nur etwas über 6 Prozent erreicht hat.

Dabei sind in der Jugendfeuerwehr durchaus erfolgreiche Anstrengungen unternommen worden, mehr Mädchen zu gewinnen. In zwölf Jahren ist ihr Anteil von 15,0 Prozent (1991) auf 22,7 Prozent (2003) gestiegen. Auch die Zahl der Jugendfeuerwehrgruppen, die Mädchen aufgenommen haben und nicht mehr reine Jungengruppen sind, hat sich in dieser Zeit von 50,4 bundesweit auf 77,6 Prozent erhöht. Zur Erfolgsbilanz zählt ferner, dass der Anteil der Mädchen unter allen Jugendlichen, die in die Freiwillige Feuerwehr übernommen wurden, von 8,1 Prozent im Jahre 1991 auf 17,4 Prozent im Jahr 2003 angestiegen ist.




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