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1. Fragestellung und Zielsetzung des Forschungsprojektes

Ziel des Forschungsprojektes "Mädchen und Frauen in der Feuerwehr" war die Entwicklung von Leitlinien zur Förderung der Integration von Frauen und Mädchen in die Freiwillige Feuerwehr, an denen sich künftige Modellprojekte in diesem Bereich orientieren können. Das Projekt konnte dabei anknüpfen an die Ergebnisse einer Vorstudie, die 2001 an der Universität Dortmund durchgeführt worden ist und gezeigt hat, dass die Mädchen- und Frauenbeteiligung in der Feuerwehr in den letzten drei Jahrzehnten zwar einerseits erkennbare Fortschritte gemacht hat, dass ihr aber andererseits noch immer teilweise erhebliche Hindernisse im Wege stehen.

Die gesellschaftspolitische Relevanz der freiwilligen ehrenamtlichen Arbeit von Frauen und Männern hat in den letzten Jahren zunehmende Aufmerksamkeit erlangt. Die Enquêtekommission des Deutschen Bundestages "Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements" bietet mit dem Bericht "Bürgerschaftliches Engagement: auf dem Weg in eine zukunftsfähige Bürgergesellschaft" (2002) eine breite Grundlage für Überlegungen und Konzepte, die der Förderung dieses Engagements dienen. Diesem Bericht liegt mit dem Freiwilligensurvey von 1999 eine erste umfangreiche Erhebung zugrunde, der im Jahre 2004 ein zweiter Freiwilligensurvey folgte, der die Entwicklung freiwilligen Bürgerengagements in den letzten Jahren verfolgt.

Die etwas über eine Million Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren erfüllen durch ihr Engagement in erster Linie und jederzeit den gesetzlichen Auftrag der Vorbeugung und Bekämpfung von kleineren und größeren Unglücksfällen wie Bränden, Überschwemmungen, Chemie- oder Verkehrsunfällen u.v.a.m. Darüber hinaus gewährleistet der Einsatz von freiwilligen Helfern und Helferinnen gerade auch aus den Feuerwehren bei den zunehmend häufiger auftretenden Katastrophenfällen den Schutz der Bevölkerung (z.B.: Flutkatastrophe 2002, Schneechaos 2006).

Die aktive Mitarbeit bei der Feuerwehr setzt ein Mindestmaß an technischem Interesse und Verständnis voraus. Das unterscheidet sie von den weitaus zahlreicheren Vereinen und Verbänden, die ehrenamtlich im sozialen Dienstleistungsbereich tätig sind. Techniknahe Tätigkeitsfelder sind allerdings nach wie vor männlich dominiert und konnotiert, dies ist auch bei der Feuerwehr nicht anders. Der Anteil aktiver Feuerwehrfrauen ist entsprechend relativ gering: Bundesweit lag er im Jahr 2003 bei 6,4 Prozent; deutlich höher ist der Mädchenanteil bei der Jugendfeuerwehr, der im selben Jahr bereits 22,7 Prozent betrug.

Angesichts der vielfältigen gesellschaftlich notwendigen Aufgaben, die die Freiwilligen Feuerwehren erfüllen, und angesichts der Tatsache, dass die Zahl der männlichen Mitglieder der Feuerwehr seit längerem rückläufig ist, gewinnt die Frage danach, wie das bürgerschaftliche Engagement von Frauen hier gefördert werden kann, besondere Bedeutung. Damit Modellprojekte, die dieses Ziel verfolgen, sich von Anfang an zielgerichtet auf die Bereiche konzentrieren können, die der Integration von Mädchen und Frauen in die Feuerwehr bislang im Wege stehen, richteten sich die zentralen Forschungsfragen des Projektes auf die folgenden Fragekomplexe:

  • Welchen Schwierigkeiten sehen sich Mädchen und Frauen in der Feuerwehr konfrontiert und welche Hindernisse stehen ihrer Integration in den Wehren entgegen?

  • Welche positiven Erfahrungen machen Mädchen und Frauen bei der Feuerwehr und was motiviert sie, dabei zu bleiben?

  • Was sind die Gründe dafür, dass sehr viel mehr Mädchen als Jungen die Feuerwehr wieder verlassen?

  • Worauf ist der über die Jahre relativ stabile große Unterschied zwischen dem Mädchenanteil in der Jugendfeuerwehr und dem Frauenanteil in der Freiwilligen Feuerwehr zurückzuführen?

  • Wie ist der im zeitlichen Verlauf ebenfalls vergleichsweise stabile Unterschied in der Frauenbeteiligung bei den Wehren der alten und der neuen Bundesländern zu erklären?

  • Mit welchen praktischen Maßnahmen kann dem aus der Perspektive der Feuerwehrfrauen entgegengewirkt werden?

Zur Beantwortung dieser und einer Reihe weiterer Forschungsfragen wurden im Rahmen des Projekts Experten-Interviews mit Feuerwehrfrauen und einem Feuerwehrmann durchgeführt, die über langjährige Erfahrungen in den Wehren verfügen und zudem in den Landesverbänden bzw. dem Bundesverband der Feuerwehr Funktionen übernommen haben, die sich mit den spezifischen Problemen der Integration von Mädchen und Frauen befassen. Die Leitlinien zur Förderung der Integration von Mädchen und Frauen in die Feuerwehr, die am Ende dieses Projektsberichts formuliert werden, stützen sich auf die Auswertung dieser Experten-Interviews und damit auf eine breite Basis von Erfahrungen in den Wehren vor Ort wie in der Verbandsarbeit.