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9. Fortbildung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Aus den vorhergehenden Kapiteln ergeben sich bereits weitgehend die Konsequenzen für die künftige Weiterentwicklung im Bereich der Fortbildung. Ausbau und Professionalisierung der Familienbildung sind mit kontinuierlichen Fortbildungsangeboten zu begleiten. Erforderlich sind Fortbildungsangebote sowohl für die Ebene der Leiterinnen/Leiter und der hauptamtlichen pädagogischen Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter als auch besonders für die große Zahl der Honorarkräfte (Kursleiterinnen/Kursleiter), denen die hauptsächliche Verantwortung für das inhaltliche Angebot von Familienbildung zukommt.
Zwar ist das Qualifikationsniveau der Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter auf allen Arbeitsebenen in den letzten Jahren gestiegen, jedoch decken in der Regel die Praxisqualifikationen der Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter nicht sowohl das gesamte Spektrum der fachlichen als auch der (erwachsenen-) pädagogischen Anforderungen an die Tätigkeit im Bereich der Familienbildung gleichermaßen ab.
Fachkräfte unterschiedlicher Berufsgruppen, Ausbildungsgänge und -niveaus arbeiten in der Familienbildung. Zumeist sind sie auf Tätigkeitsprofile in anderen Arbeitsfeldern hin ausgebildet. Sie bringen eine Vielfalt unterschiedlicher fachlicher Kompetenzen in die Praxis ein; ihren Aufgaben und Funktionen im Bereich der Familienbildung entsprechend ist jedoch meist eine zusätzliche Qualifizierung für die jeweilige spezielle Tätigkeit erforderlich. So sind beispielsweise Leiterinnen/Leiter der generationenübergreifenden Eltern-Kind-Gruppen i.d.R. als Erzieherinnen/Erzieher für die Arbeit mit Kindern ausgebildet, kaum jedoch für die - gleichzeitige - Arbeit mit den Eltern.
Inhalte und Schwerpunkte der Fortbildung ergeben sich u.a.
aus den vorgestellten veränderten strukturellen Bedingungen der familiären Lebenslagen und den gewandelten Anforderungen für die Lebensführung, wie sie in den voranstehenden Kapiteln entfaltet wurden; d.h. etwa fundierte Kenntnisse über die Situation und den Strukturwandel von Familie, die Vielfalt von Familien- und Lebensformen, das Wissen über neue Entwicklungen, z. B. in der Medienwelt und -forschung;
aus konzeptionellen Vorgaben, wie sie seitens der Familienbildung zu beachten sind: etwa die Erreichung zusätzlicher familiärer Zielgruppen (z.B. Migrantengruppen; Familien in besonderen Lebenslagen) oder der besondere Nachdruck auf präventive Angebote;
aus der Rezeption und Umsetzung neuer konzeptioneller Ansätze (z.B. der Ergebnisse von Modellprojekten oder die Übernahme der "Gehstruktur" für Angebote der Familienbildung).
Leitgedanken jeder Fortbildungsarbeit sind Innovationen (im Blick auf die Institution) und Emanzipation (im Blick auf die beteiligten Personen). Ziel von Familienbildung ist dabei letztendlich die Verbesserung der Erziehungs- und Sozialisationssituation in Familien sowie der Lebenssituation und Lebensqualität von Familien, Müttern/Frauen, Vätern/Männern, Kindern und älteren Menschen und die Unterstützung von Menschen in besonderen Lebenslagen.
Ein besonderer Schwerpunkt ist dabei gegeben durch die Einsicht in die prägende Wirkung der frühen Kindheitserfahrungen, die dazu geführt hat, dass Politik und Verwaltung bereit sind, die "Stärkung der Erziehungskompetenz der Eltern" zur politischen Priorität zu machen und stärker in diesen Bereich zu investieren.
Es gibt ein neues Bewusstsein dafür, dass die komplexen Anforderungen an die Familie von heute ein Mehr an präventiven Unterstützungsangeboten unterschiedlichster Art erfordern, die allen Familien zugänglich sein sollen.
Die Jugendministerkonferenz hat im Mai 2003 in ihrem Beschluss "Stellenwert der Eltern- und Familienbildung - Stärkung der Erziehungskompetenz der Eltern" ein deutliches Umsteuern in diesem Arbeitsfeld beschlossen und zahlreiche Empfehlungen gegeben, wie über neue Ansätze, Kooperationen und Vernetzungen innovative Entwicklungen in Gang gesetzt werden können.
Es ist von einem mehrdimensionalen Unterstützungsbedarf des Einzelnen auszugehen. Dieser zeigt sich jeweils altersspezifisch, er zeigt sich migrations- und geschlechtsspezifisch, er zeigt sich lebenslagentypisch.
Die Angebote für die Fortbildung in der Familienbildung müssen daher Komplexität gestalten helfen und folgende Wirkungen erzielen:
Stärkung von Selbstwertgefühl und Selbsthilfepotenzialen der verschiedenen Zielgruppen (Ressourcenorientierung)
Stärkung der Handlungskompetenz von Eltern und Kindern
Reale Entlastung von Eltern und Familien
Schaffung von Bildungsmöglichkeiten, Entwicklungs-, Erfahrungs- und Erlebnisräumen für Kinder und Erwachsene
Ermöglichen von Kontakt, Kommunikation und Konfliktklärung (um Ausgrenzungsprozessen entgegenzuwirken)
Sicherung von Information und Unterstützung (soziale Dienstleistungen erschließen)
Aufbau eines abgestimmten Unterstützungsangebots vor Ort (Einmischung in die Jugendhilfeplanung, Kooperationen mit anderen Institutionen gestalten)
Förderung des interkulturellen Zusammenlebens und der interkulturellen Öffnung der öffentlichen Einrichtungen vor Ort.
Die folgenden Gesichtspunkte sollten Eckpunkte für die konzeptionelle Weiterentwicklung von Angeboten der Familienbildung und damit leitend für Fortbildungsmaßnahmen sein:


