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8. Qualitätsentwicklung und -sicherung in der Familienbildung
Zum Qualitätsdiskurs im Bildungs- und Sozialbereich
Das Thema Qualitätsentwicklung und -sicherung wird als öffentlich relevantes Thema im Bildungsbereich erst seit Mitte der 90er Jahre verhandelt. Seinen Ausgangspunkt hatte es in der beruflichen Weiterbildung und in Entwicklungen in den neuen Bundesländern. Dort waren nach der Wende erhebliche Missstände in Lehrgängen der Bundesanstalt für Arbeit und bei Projekten in Verbindung mit Umschulungen und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen festgestellt worden.
Zur gleichen Zeit suchten die Zuwendungsgeber ihrerseits nach Möglichkeiten den Mitteleinsatz im Bereich der Weiterbildung effektiver zu gestalten. Die öffentliche Hand forderte zunehmend eine zweckentsprechende und sparsame Verwendung der öffentlichen Mittel ein.
Zudem ist die Weitbildungslandschaft im Umbruch begriffen. Die Lage auf dem Weiterbildungsmarkt ist gekennzeichnet durch eine Intransparenz von Anbietern und Angeboten, durch die Dominanz von Kleinanbietern und durch große Anbieter im IT-Bereich (BMBF 2001, 16f.).
Die Qualitätsdiskussion schwappte aus der beruflichen Bildung schon bald auf die Bereiche der Jugend- und Erwachsenenbildung über. Forciert wurde die Entwicklung durch die Erweiterung der Normenreihe DIN EN ISO 9000ff. auf den Weiterbildungsbereich. Damit schien ein geeignetes Instrument zur Verfügung zu stehen, um den Ansprüchen an Qualität und Nachhaltigkeit auch entsprechen zu können. In eine neue Phase ist die Qualitätsdiskussion durch die Anforderungen von SGB III im Blick auf eine Zertifizierung und Anerkennung von Einrichtungen gekommen, die Maßnahmen durchführen wollen.
"Qualitätssicherung und -entwicklung standen in den letzten Jahren im Mittelpunkt der weiterbildungspolitischen Diskussion. Der Weiterbildungssektor als vierte Säule des Bildungssystems hat sich diesen neuen Anforderungen gestellt. Eine Antwort darauf ist die Einsicht in die Notwendigkeit zur Implementierung von Mechanismen und Systeme zur Sicherung der Weiterbildungsqualität.
Dabei hat die Familienbildung bei der Erprobung von Verfahren, die für kleinere und mittlere Organisationen mit pädagogischer Zielsetzung geeignet erscheinen, eine Vorreiterfunktion eingenommen." (Landesinstitut für Schule und Weiterbildung/Arbeitsgemeinschaft Kath. Familienbildungsstätten in der Diözese Aachen 1999, S. 5).
"Qualität" ist für die Bildungsarbeit kein neues Thema, sondern formuliert einen Selbstanspruch des Arbeitsfeldes. Sie ist eine nie erledigte Herausforderung und Anstrengung, das erwachsenbildnerische Handeln immer wieder zu überprüfen, zu fundieren und zu verbessern. Das Thema Qualität ist mit dem Anspruch von Professionalität eng verknüpft. Zum Berufswissen von Erwachsenenbildnern gehört im Sinne eines Denken in Regelnkreisen der Abgleich von Lernergebnis mit Lernzielen und eingesetzten Methoden, die Formulierung von Konsequenzen für neue Angebote, d.h. die Evaluation des eigenen Handelns. Gegenüber dem herkömmlichen Verständnis von Qualität zeichnen sich neue Qualitätskonzepte dadurch aus, dass sie nicht nur die pädagogischen Prozesse und Ergebnisse, sondern auch die Einrichtungen und Institutionen insgesamt in den Blick nehmen, die pädagogische Angebote organisieren.
Im Einzelnen können für den Bereich der Erwachsenen- und Weiterbildung folgende vier Qualitätsbereiche unterschieden werden: (1) Programmqualität; (2) Pädagogische Qualität;
Einrichtungsqualität; (4) Erfolgsqualität (vgl. Liebald u.a. 2000).
Der Bereich Programmqualität umfasst folgende Dimensionen: die Konzeption der Einrichtung, die curriculare Planung und die Programminformation. Der Bereich Pädagogische Qualität umfasst die Dimensionen Kompetenz der Kursleitung, Begleitung der Lehrenden und Begleitung der Lernenden, Gestaltung des Lernprozesses, Evaluation und Feedback. Der Bereich Einrichtungsqualität bezieht sich auf Betriebsorganisation und Organisationsstrukturen mit Personal, Arbeitszufriedenheit, Betriebsklima, Kommunikation und Kooperation, Räumlichkeiten, Recht und Finanzierung, Präsenz und Service, Partizipation, Gender Mainstreaming, Entwicklung und Qualitätssicherung. Die Erfolgsqualität bezieht sich auf nachweisbare bzw. gesicherte Ergebnisse in den verschiedenen Tätigkeitsbereichen einer Weiterbildungseinrichtung. Dimensionen dieses Qualitätsbereiches sind: Effektivität, Zufriedenheit, Effizienz, Berichtswesen, Wirkungen im gesellschaftlichen Umfeld und Qualitätssicherung.
Damit rückt eine Gesamtsicht von Qualität in den Fokus der Aufmerksamkeit.
Das Neue besteht darin, dass die einzelnen Aktivitäten und Ansätze aufeinander bezogen und wechselseitig miteinander verknüpft werden. Es stellt eine Gesamtperspektive und einen umfassenden Handlungsrahmen für die Weiterentwicklung von Bildungsqualität dar.
Qualität ist in zwei Dimensionen zu entwerfen: einmal geht es um die Entwicklung von Arbeitsabläufen in Richtung dessen, was angestrebt wird und nötig ist (Qualitätsentwicklung) und zum anderen geht es um die Sicherung der Veränderungen und Verbesserungen, die infolge dieser Entwicklung erreicht werden (Qualitätssicherung). Das Management von Qualität meint das bewusste Gestalten dieser beiden Vorgänge.


