Zum Qualitätsdiskurs im Bildungs- und Sozialbereich
Das Thema Qualitätsentwicklung und -sicherung wird als öffentlich relevantes Thema im Bildungsbereich erst seit Mitte der 90er Jahre verhandelt. Seinen Ausgangspunkt hatte es in der beruflichen Weiterbildung und in Entwicklungen in den neuen Bundesländern. Dort waren nach der Wende erhebliche Missstände in Lehrgängen der Bundesanstalt für Arbeit und bei Projekten in Verbindung mit Umschulungen und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen festgestellt worden.
Zur gleichen Zeit suchten die Zuwendungsgeber ihrerseits nach Möglichkeiten den Mitteleinsatz im Bereich der Weiterbildung effektiver zu gestalten. Die öffentliche Hand forderte zunehmend eine zweckentsprechende und sparsame Verwendung der öffentlichen Mittel ein.
Zudem ist die Weitbildungslandschaft im Umbruch begriffen. Die Lage auf dem Weiterbildungsmarkt ist gekennzeichnet durch eine Intransparenz von Anbietern und Angeboten, durch die Dominanz von Kleinanbietern und durch große Anbieter im IT-Bereich (BMBF 2001, 16f.).
Die Qualitätsdiskussion schwappte aus der beruflichen Bildung schon bald auf die Bereiche der Jugend- und Erwachsenenbildung über. Forciert wurde die Entwicklung durch die Erweiterung der Normenreihe DIN EN ISO 9000ff. auf den Weiterbildungsbereich. Damit schien ein geeignetes Instrument zur Verfügung zu stehen, um den Ansprüchen an Qualität und Nachhaltigkeit auch entsprechen zu können. In eine neue Phase ist die Qualitätsdiskussion durch die Anforderungen von SGB III im Blick auf eine Zertifizierung und Anerkennung von Einrichtungen gekommen, die Maßnahmen durchführen wollen.
"Qualitätssicherung und -entwicklung standen in den letzten Jahren im Mittelpunkt der weiterbildungspolitischen Diskussion. Der Weiterbildungssektor als vierte Säule des Bildungssystems hat sich diesen neuen Anforderungen gestellt. Eine Antwort darauf ist die Einsicht in die Notwendigkeit zur Implementierung von Mechanismen und Systeme zur Sicherung der Weiterbildungsqualität.
Dabei hat die Familienbildung bei der Erprobung von Verfahren, die für kleinere und mittlere Organisationen mit pädagogischer Zielsetzung geeignet erscheinen, eine Vorreiterfunktion eingenommen." (Landesinstitut für Schule und Weiterbildung/Arbeitsgemeinschaft Kath. Familienbildungsstätten in der Diözese Aachen 1999, S. 5).
"Qualität" ist für die Bildungsarbeit kein neues Thema, sondern formuliert einen Selbstanspruch des Arbeitsfeldes. Sie ist eine nie erledigte Herausforderung und Anstrengung, das erwachsenbildnerische Handeln immer wieder zu überprüfen, zu fundieren und zu verbessern. Das Thema Qualität ist mit dem Anspruch von Professionalität eng verknüpft. Zum Berufswissen von Erwachsenenbildnern gehört im Sinne eines Denken in Regelnkreisen der Abgleich von Lernergebnis mit Lernzielen und eingesetzten Methoden, die Formulierung von Konsequenzen für neue Angebote, d.h. die Evaluation des eigenen Handelns. Gegenüber dem herkömmlichen Verständnis von Qualität zeichnen sich neue Qualitätskonzepte dadurch aus, dass sie nicht nur die pädagogischen Prozesse und Ergebnisse, sondern auch die Einrichtungen und Institutionen insgesamt in den Blick nehmen, die pädagogische Angebote organisieren.
Im Einzelnen können für den Bereich der Erwachsenen- und Weiterbildung folgende vier Qualitätsbereiche unterschieden werden: (1) Programmqualität; (2) Pädagogische Qualität;
Einrichtungsqualität; (4) Erfolgsqualität (vgl. Liebald u.a. 2000).
Der Bereich Programmqualität umfasst folgende Dimensionen: die Konzeption der Einrichtung, die curriculare Planung und die Programminformation. Der Bereich Pädagogische Qualität umfasst die Dimensionen Kompetenz der Kursleitung, Begleitung der Lehrenden und Begleitung der Lernenden, Gestaltung des Lernprozesses, Evaluation und Feedback. Der Bereich Einrichtungsqualität bezieht sich auf Betriebsorganisation und Organisationsstrukturen mit Personal, Arbeitszufriedenheit, Betriebsklima, Kommunikation und Kooperation, Räumlichkeiten, Recht und Finanzierung, Präsenz und Service, Partizipation, Gender Mainstreaming, Entwicklung und Qualitätssicherung. Die Erfolgsqualität bezieht sich auf nachweisbare bzw. gesicherte Ergebnisse in den verschiedenen Tätigkeitsbereichen einer Weiterbildungseinrichtung. Dimensionen dieses Qualitätsbereiches sind: Effektivität, Zufriedenheit, Effizienz, Berichtswesen, Wirkungen im gesellschaftlichen Umfeld und Qualitätssicherung.
Damit rückt eine Gesamtsicht von Qualität in den Fokus der Aufmerksamkeit.
Das Neue besteht darin, dass die einzelnen Aktivitäten und Ansätze aufeinander bezogen und wechselseitig miteinander verknüpft werden. Es stellt eine Gesamtperspektive und einen umfassenden Handlungsrahmen für die Weiterentwicklung von Bildungsqualität dar.
Qualität ist in zwei Dimensionen zu entwerfen: einmal geht es um die Entwicklung von Arbeitsabläufen in Richtung dessen, was angestrebt wird und nötig ist (Qualitätsentwicklung) und zum anderen geht es um die Sicherung der Veränderungen und Verbesserungen, die infolge dieser Entwicklung erreicht werden (Qualitätssicherung). Das Management von Qualität meint das bewusste Gestalten dieser beiden Vorgänge.
Der Evaluationsansatz des herkömmlichen Qualitätsbegriffes stellt die Produktqualität von Angeboten, und damit die Outputorienterung allein in den Vordergrund. Dieser Ansatz bestimmte auch das Qualitätsverständnis in der Familienbildung. Als Instrumentarium der Qualitätssicherung waren weithin gängig Fortbildung, Supervision und Qualifikationsanforderungen bei der Rekrutierung von KursleiterInnen und Honorarkräften.
Qualitätsentwicklung in der Familienbildung
Im Bereich der Familienbildung ist diese Diskussion schon relativ früh aufgenommen worden. Seit der Mitte der 90er Jahre und in der Breite seit Ende der 90er Jahre werden Modellprojekte der Selbstevaluation und Qualitätsentwicklung in der Weiterbildung erprobt.
Ein Vorreiter war hier das Land NRW. Das Landesinstitut für Schule und Weiterbildung in NRW, zu dessen Aufgaben die Unterstützung von Trägern und Einrichtungen der Weiterbildung gehört, hat die Initiative ergriffen und Projekte gestartet, in denen das Arbeitsfeld Familienbildung bei der Umsetzung einer eigenverantwortlichen Qualitätssicherung einbezogen war. Neben der fachlichen Projektbegleitung fördert das Landesinstitut diesen Arbeitsbereich durch Fachtagungen, Flying Experts und Arbeitshilfen.
Eines der ersten Projekte in diesen Bereich war das der AWO, das auch Einrichtungen der Familienbildung mit umfasste. Es wurde 1995-1996 durchgeführt und ist unter dem Titel "Das Gold in den Köpfen" dokumentiert (hrsg. vom Landesinstitut für Schule und Weiterbildung /Landesarbeitsgemeinschaft Familienbildung und Weiterbildung der Arbeiterwohlfahrt NRW 1997). Im Rahmen dieses Projekts wurde das Modell der Qualitätszirkel erprobt und die wechselseitige Entwicklungsberatung von Weiterbildungseinrichtungen gefördert. Die Qualitätszirkel wurden in der Erprobungsphase moderiert. Die Struktur und Größe der Einrichtungen mit jeweils wenigen (1-2) Mitarbeitenden legte eine einrichtungsübergreifende Organisation nahe.
Die Ergebnisse dieses Projektes überzeugten: Die Arbeit mit Qualitätszirkeln hatte sich als taugliches Instrument selbstgesteuerter Organisationsentwicklung und Evaluation mit orientierender Funktion für andere Weiterbildungseinrichtungen erwiesen. Transfermöglichkeiten stellt die Dokumentation vor.
Ende der 90er Jahre gewann die Auseinandersetzung mit Modellen der Qualitätssicherung in der institutionellen Familienbildung an Breite. Der erste Ansatz in dieser Reihe war das Projekt der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Familienbildungsstätten der Diözese Aachen, das wieder vom Landesinstitut für Schule und Weiterbildung NRW in Soest gesteuert wurde.
Dieses Projekt orientierte sich am Modell der European Foundation for Quality - Management (EFQM) und wandte für die Familienbildung ein Qualitätsmanagementverfahren an, das die gesamte Organisation in einen Prozess der kontinuierlichen Verbesserung einbezieht. EFQM realisiert den Total Quality Management- Gedanken: Dieser Ansatz will den gesamten Herstellungs- und Leistungserbringungsprozess so gestalten, dass Fehler und Qualitätsmängel gar nicht erst entstehen. Vorhaben der Qualitätssicherung erfassen und verändern die gesamte Organisation, so dass Qualitätssicherung der Einstieg in einen Organisationsentwicklungsprozess ist. Das EFQM- Basismodell ist ein Raster zur Analyse der Institution Familienbildungsstätte (vgl. nachfolgende Übersicht). Ein Frageleitfaden zu den einzelnen Dimensionen des EFQM- Modells ist zentrales Arbeitsinstrument.
Ein wesentliches Ergebnis war die Entwicklung einer "Branchenversion" von EFQM.
Die "Branchenversion" des standardisierten Verfahrens sollte der Familienbildung Ansatzpunkte für selbst organisierte Veränderungsmaßnahmen bereitstellen. Sie sucht den Besonderheiten des pädagogischen Prozesses Rechnung zu tragen und die fachlich- pädagogische Ebene stärker einzubeziehen.
Ein Projekt der drei Bundesarbeitsgemeinschaften für Familienbildungsstätten (1998-2000) folgte dem Aachener Projekt (Schiersmann u.a. 2001). Es wurde mit 47 Einrichtungen in drei Bundesländern durchgeführt und wissenschaftlich begleitet. Diesem Projekt schliesst sich zeitlich und konzeptionell das der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Elternschulen und Familienbildungsstätten mit 26 Einrichtungen an.
Das Qualitätsmodell besteht im wesentlichen aus vier Elementen: der Durchführung einer einrichtungsumfassenden Stärken- Schwächen- Analyse als Organisationsdiagnose auf der Basis des EFQM- Modells, der Realisierung konkreter Vorhaben zur Qualitätsverbesserung, der Einrichtung von Qualitätsgruppen mit Qualitätsbeauftragten und der Fortbildung und der professionellen Beratung vor Ort. Exemplarisch wird der Prozess der Einführung von Qualitätsentwicklung skizziert.
Die Entscheidung für den EFQM- Ansatz in dem Projekt fiel in Abwägung von Vor- und Nachteilen mit dieser Begründung: es erfasse die gesamte Organisation, gebe den Mitarbeitenden ein großes Gewicht, sei sowohl prozess- als auch ergebnisorientiert, nehme die Autonomie der Einrichtungen durch die Selbstbewertung ernst und orientiere sich nicht an
EFQM-Modell
angepasste Version für Einrichtungen der Familienbildung
von außen gesetzten Standards. Methodisch auf der Höhe der Managementdiskussion sei es überdies europaweit verbreitet. Für den Bereich der Familienbildung wurde es modifiziert.
Hinter diesem europäischen Modell stehen Werte, die als acht Grundsätze den Geist des Modells und seine Ausrichtung beschreiben: Ergebnisorientierung; Kundenorientierung; Führung und Zielkonsequenz; Management mit Prozessen und Fakten; Mitarbeiterentwicklung und -beteiligung; Kontinuierliches Lernen, Innovation und Verbesserung; Aufbau von Partnerschaften; Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit.
Auf der Basis der Grundkonzepte nennt das Modell neun Kriterien, die für exzellenten Erfolg maßgeblich sind: fünf so genannte Befähigerkriterien (Potenziale) und vier Ergebniskriterien. Die ersten fünf Kriterien (1 - 5) richten sich auf die Vorgehensweisen der Organisation. Es sind Führung, Politik und Strategie, Mitarbeiter, Partnerschaft und Ressourcen, Prozesse. Die Ergebniskriterien erfassen mitarbeiterbezogene Ergebnisse, kundenbezogene Ergebnisse, gesellschaftsbezogene Ergebnisse und Schlüsselergebnisse.
Mit Hilfe dieser neun Kriterien soll der Fortschritt einer Organisation auf dem Wege zur Excellenz bewertet werden. Um diese Bereiche abzuprüfen, wurden angepasste und einrichtungsspezifische Leitfäden entwickelt.
Die Qualitätsgruppen hatten die neun Qualitätskriterien intensiv bearbeitet und Verbesserungsprojekte identifiziert. Dabei wurden Methoden professionellen Projektmanagements eingesetzt. Im Fokus der Aufmerksamkeit standen weiter die Qualitätsgruppe, ihre effiziente Arbeitsweise und ihr Funktionieren als Team. Ein Mitglied der Gruppe nahm die Aufgabe des/ der Qualitätsbeauftragten der Einrichtung wahr. Unterstützt wurde der Ansatz durch Fortbildungsmodule und Beratung vor Ort. Das Projekt hat die weitere Diskussion in der Familienbildung geprägt.
2001 startete in der Erzdiözese Köln das Projekt "Qualitätsmanagement in Familienbildungsstätten (QuiF), das bis Mitte 2004 lief. Dieses Projekt hat mit seinen Vorgängerprojekten den Ansatz der Selbstevaluation gemeinsam, ein Modell, das diagnostische Fragen der Evaluation vorgibt, den Ansatz der "Intervention", d.h. einer Veränderung im Sinne von Verbesserung (oder von einer ganz neuen Praxis) und den Ansatz einer Installierung von funktionsübergreifenden Arbeitsgruppen für diesen Zweck und schließlich die Praxis der Unterstützung der Arbeit durch Fortbildungen.
Das QuiF- Projekt kennzeichnet aber drei deutliche Unterschiede: Es wurde erstens ein eigenes Modell der Selbstevaluation im Vorfeld des Projektes entwickelt, um eine möglichst große Praxisnähe zu gewährleisten. Das Modell zeigt zweitens weitgehende Kompatibilität mit der Branchenversion von EFQM (EFQM- Version Erwachsenenbildung/ Weiterbildung DIE) und mit dem lernerorientierten Qualitätsmodell (LQW 2/ ArtSet). Es zeigt aber auch Unterschiede: es vernachlässigt das Thema Führung/ Leitung/ Entscheidungsprozesse, ein "blinder Fleck" der Konzeptionsphase, und es vernachlässigt das Thema "Qualität des Lehrens" des ArtSet- Modells. Das ist begründet durch den überwiegenden Einsatz von freien Mitarbeiter-Innen und Honorarkräften, die die Dienstleistungen erbringen. Und drittens überschreitet das QuiF- Modell den formalen Ansatz der anderen Modelle und nimmt auch die inhaltlichen Themen der Familienbezogenen Bildung und der Personenbezogenen Bildung auf. (Das hat seinen Grund in der zeitgleichen Diskussion um die Novellierung des Weiterbildungsgesetzes in Nordrhein-Westfalen, deren Gegenstand auch die Auslegung des Begriffes Familienbildung und die damit verbundene Förderfähigkeit ist.)
Die Qualitätsentwicklung erfolgte in den beteiligten Einrichtungen arbeitsteilig bzw. kooperativ. Die beteiligten Einrichtungen beschränkten sich auf nur ein bis zwei Punkte des QuiF- Modells. Sie profitierten aber von den Arbeitsergebnissen der anderen Einrichtungen, wenn und indem sie diese für sich adaptierten und anpassten. Das bereitete die zentrale Projektgruppe vor, die Generalisierung und Transfermöglichkeiten erarbeitete und diese Materialien und Ergebnisse allen Familienbildungsstätten zur Verfügung stellte.
Dieser Ansatz will Ressourcen schonen, die Arbeit erleichtern, eine tragende Motivation sichern, die "Systemqualität" der Familienbildungsstätten entwickeln und in die Fläche wirken. Das Projekt zielte auf die Erstellung von Qualitätshandbüchern für jede Einrichtung, die nach Abschluss des Projektes weitergeführt werden sollen. Der QuiF- Ansatz schlägt so eine Brücke zwischen dem EFQM- und dem ISO- Ansatz, zwischen Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung.
Ein Forum des Dialogs war eine Fachtagung, die aktuelle Modelle der Qualitätsentwicklung vorstellte, die von Weiterbildungseinrichtungen und Einrichtungen der Familienbildung erprobt wurden (DIN ISO, EFQM, DIE/ QualitätsentwicklerInnen in der Erwachsenenbildung, LQW 2, Qualitätsmodell für dezentrale Weiterbildungsträger und ihre Landesorganisationen / Machbarkeitsstudie Rheinland-Pfalz, QES/ Qualitätsentwicklungssystem in Sachsen, Qualitätsentwicklung im Verbund von Bildungseinrichtungen von DEAE und Arbeit und Leben). Die Einrichtungen der Familienbildung waren aufgerufen, diese auf ihre Nützlichkeit und Brauchbarkeit zu prüfen.
Konkrete Impulse zur Qualitätsverbesserung gab das Projekt im Blick auf Veranstaltungsevaluation und Leitbildentwicklung. Qualitätsentwicklung wird in dem Innovationsprojekt vorwiegend aus der Sicht der "Investoren", den Förderern der Einrichtungen und aus der Sicht der "Kunden" bearbeitet. Insofern stehen die Kernbereiche und die Absicherung der Einrichtungen durch eine angemessene Angebotsplanung im Fokus. So wurden Programmhefte systematisch ausgewertet und als Instrument der Selbstevaluation "Raster zur Programmanalyse" entwickelt. Diese kann Impulse für Programminnovationen und die Fokussierung auf neue Zielgruppen im Sinne von Bedarfsgerechtigkeit geben.
Auf die Ebene der Organisation bezogen wurden erste Schritte zur Qualitätsentwicklung gegangen. Ein Leitbild und seine Erarbeitung ist ein Mittel der Profilschärfung der Einrichtung. Es beschreibt nach innen die Grundsätze der Leistungserbringung und nach außen die Leistungen für Förderer und "Kunden" und Partner. Nach einer Analyse vorliegender Leitbilder wurde eine Handreichung zur Erstellung eines Leitbildes erarbeitet und vorgelegt.
Weiterhin wurde der Ansatz der Steuerung durch Ausschreibung und Förderung von Innovationsprojekten durch Landesmittel verfolgt, um Schwerpunktsetzungen und Qualität durch Best Practice zu etablieren. Durch das Vorgehen sollte die Richtung für die Weiterentwicklung und für das Aufgreifen wichtiger gesellschaftlicher Herausforderungen weisen. Diese Beispiele und Modelle einer innovativen Praxis (1998-2002) wurden veröffentlicht und im Rahmen von Regionalkonferenzen und Tagungen der Landesjugendämter landesweit diskutiert, so dass sie "Ausstrahlungseffekte" entfalten konnten.
Das Projekt zur Ausgestaltung "lebensbegleitenden Lernens", dessen Abschlussbericht Anfang 2005 vorliegen wird, hat wichtige und praxisnahe Ergebnisse und Erträge gebracht, die sich zwar auf die konkreten Rahmenbedingungen des Landes Nordrhein-Westfalen - insbesondere die Anforderungen der Evaluation des Weiterbildungsgesetzes - beziehen, aber auch darüber hinaus von Bedeutung sind und Beachtung und Nachahmung verdienen. Diese Ansätze entsprechen den Forderungen und Positionsbestimmungen, wie sie von der Jugendministerkonferenz 2003 vorgenommen wurden.
Qualitätsentwicklung in der Eltern- Kind-Gruppen-Arbeit
Ein besonderes Feld der Qualitätssicherung ist der Bereich der Eltern- Kind-Gruppenarbeit in der Erwachsenen- und Familienbildung. Eltern- Kind- Gruppen sind ein Programmschwerpunkt und ein zentrales Arbeitsfeld der Familienbildung. Dieser Arbeitsbereich wohnort- und gemeindenaher Bildungsarbeit ist durch ein großes ehrenamtliches Engagement geprägt. Und es existieren hohe Ansprüche an die Tätigkeit der Leiterinnen der Eltern- Kind-Gruppen, die mit dem Begriff "Semi-Professionalität" umschrieben wird. Dieser Begriff verweist auf die Spannung zwischen dem Anspruch biografischer Passung und Nachbarschaftshilfe und den professionellen Ansprüchen von Erwachsenen- und Familienbildung an die Gruppenleiterinnen. Während viele Familienbildungsstätten eine entsprechende pädagogische Ausbildung für die Honorarkräfte voraussetzen, gab es im Bereich Erwachsenenbildung und jüngst der konfessionellen Träger erhebliche Anstrengungen, die Qualität in diesem Bereich zu sichern. Das geschieht durch Konzepte und Fortbildungscurricla, deren Durchlaufen Voraussetzung für eine Tätigkeit in diesem Bereich unter der Trägerschaft von Bildungseinrichtungen oder -trägern ist (z.B. EKP/ Das Eltern- Kind- Programm der Erzdiözese München und Freising). Ein anderer Ansatz der Qualitätssicherung verfolgte das Projekt der Evangelischen Erwachsenenbildung in Bayern, das Gruppenleiterinnen für beratende und begleitende Aufgaben qualifizierte (begleitende, beratende Mitarbeiterinnen). Auch hier wurde eine Professionalisierung der Arbeit angezielt. Andere Träger haben für die Eltern- Kind-Gruppenbildungsarbeit Rahmenkonzepte entwickelt, die orientierende oder verbindliche Vorgaben enthalten (wie das Evangelische Erwachsenenbildungswerk Nordrhein e.V.), oder die Qualitätsstandards für die Kurse festschreiben (wie die Evangelische Erwachsenenbildung Niedersachsen). Die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholischer Familienbildungsstätten hat verschiedene Qualitätshandbücher als Arbeitshilfen herausgegeben (Qualitätshandbuch für die Eltern- Kind-Gruppenarbeit in katholischen Familienbildungsstätten. 2001; Qualitätshandbuch Elternkompetenzen stärken in Erziehung, Partnerschaft und Alltag. 2003, hrsg. von der BAG Katholischer Familienbildungsstätten).
Perspektiven
Qualitätsentwicklung hat als Katalysator gewirkt und dazu beigetragen, aktuelle Herausforderungen wirksam und nachhaltig zu bearbeiten. Die Qualitätssicherung in der Bildungsarbeit ist kein Selbstzweck, sondern soll beitragen zur Verbesserung des "Produktes Familienbildung".
Qualitätsentwicklung und -verbesserung wird zukünftig eine zentrale Rolle sowohl für die Bestandssicherung als auch für die Weiterentwicklung von Einrichtungen der Familienbildung spielen. Dies wird in der Zukunft verstärkt auch Gegenstand von Leistungsvereinbarungen sein, wie sie §§ 78b, 78c KJHG oder aber länderrechtliche Regelungen der Familienbildung (z.B. das Weiterbildungsgesetz in NRW) vorsehen.
Auch intern steigen die Ansprüche der TeilnehmerInnen und MitarbeiterInnen an die Qualität der Arbeit. Jenseits der Konkurrenz der verschiedenen Ansätze geht es um systematisches Überprüfen, Generieren von Verbesserungsmaßnahmen und Implementieren derselben. Es wird darauf ankommen, dass die unterschiedlichen Modelle der Qualitätsentwicklung einen ganzheitlichen und beteiligungsorientierten Ansatz haben, unabhängig davon, wie umfassend Kriterienkataloge definiert sind. Dabei ist darauf zu achten, dass Qualitätsentwicklung als interner kontinuierlicher Lernprozess gestaltet ist und von allen Systemmitgliedern mit verantwortet wird. Dieser Innovations- und Lernprozess muss als Regelprozess verstanden und gestaltet werden. Dies ist umso dringlicher, als sich Bildungseinrichtungen und -träger der Forderung nach Zertifizierung als Voraussetzung für die zukünftige öffentliche Förderung gegenübersehen.