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7. Elternbriefe
Die Idee der Elternbriefe ist, Eltern, die ihr erstes Kind erwarten, mit Informationen zur psychischen Entwicklung des Kindes, zu Fragen der Erziehung und Pflege, Gesundheit und den Veränderungen des Familiensystems zu versorgen und sie in ihren Erziehungskompetenzen zu stärken. Die Elternbriefe werden dabei entsprechend dem jeweiligen Alters- und Entwicklungsstand des Kindes ("just in time") von den Jugendämtern oder anderen Trägern (z.B. Kath. Kirche) den Eltern zugesandt.
Im deutschsprachigen Bereich handelt es sich vor allem um die Elternbriefe des Arbeitskreises Neue Erziehung (gefördert durch das BMFSFJ) und die Peter-Pelikan-Briefe (die vorwiegend in Bayern verteilt werden), um die "Elternbriefe du und wir", die im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz herausgegeben werden, und die Elternbriefe der schweizerischen "Pro Juventute" Stiftung; daneben bestehen weitere örtliche Elternbriefe von Jugendämtern.
Die einzelnen Elternbriefe wurden vor einigen Jahren sowohl thematisch stark erweitert als auch altersmäßig ausgeweitet: die 46 Elternbriefe des Arbeitskreises Neue Erziehung reichen nun von der Geburt bis zur Pubertät, die "Elternbriefe du und wir" von 0 bis 9 Jahren, die Peter-Pelikan-Briefe von 0 - 11 Jahren. Ausserdem liegen für türkische Eltern 13 zweisprachige Elternbriefe vor. In einer vergleichenden Inhaltsanalyse kommt Oberndorfer (Bierschock u.a.1998) zu dem Ergebnis, dass zwischen den einzelnen Briefreihen ein "hohe(s) Maß an inhaltlicher Übereinstimmung" besteht, was die Autorin als Ausdruck der gesellschaftlichen Konsensfähigkeit über Erziehungsziele und Erziehungsverhalten sowie Einstellungen zu Eltern und Kindern interpretiert (S.54).
Einer Pressemitteilung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (29.4.2005) ist zu entnehmen, dass allein von den Elternbriefen des Arbeitskreises Neue Erziehung bislang 100 Mill. Elternbriefe verteilt wurden; jährlich sind dies rd. 3,5 Mill.
Gemessen an der quantitativen Verbreitung der Elternbriefe ist es unverständlich, dass empirische Aussagen über die Nutzung der Elternbriefe sowie über ihre Effizienz selten sind und bereits längere Zeit zurück liegen, so dass sie auf die gegenwärtig aktuellen Elternbriefe nicht mehr voll zutreffen. Insbesondere wären Aussagen darüber wünschenswert, inwieweit die Elternbriefe auch von Eltern genutzt werden, die durch andere Angebote der Familienbildung weniger erreicht werden.
Jüngste empirische Aussagen über die Nutzung und ihre Einschätzung liegen für die "Elternbriefe du und wir" vor. Ende 2000 wurden die Leser und Leserinnen der zuvor überarbeiteten Briefe befragt; die vom Emnid -Institut durchgeführte Befragung ergab u.a., dass die ganz überwiegende Zahl der Befragten die Verständlichkeit der Texte, die sprachliche Form und die Auswahl der Themen sehr gut bzw. gut beurteilten. Die Einschätzung, von der Lektüre der Briefe zu profitieren, bejahten 86% der Befragten. Die Hälfte der Befragten nutzten die Briefe auch bei nachgeborenen Kindern.
Eine weitere Evaluation von Elternbriefen liegt vom Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg für Bayern vor (Bierschock/Oberndorfer/Walter 1998). Die Autoren kommen hier zu der Einschätzung, dass das Medium "Elternbriefe" noch nicht ausreichend in die Gesamtbemühungen der Jugendämter integriert sind, junge Eltern umfassend zu informieren: der Versand der Elternbriefe bleibt vor allem ein isoliertes Informationsangebot, ohne es mit weiteren örtlichen Informations-, Beratungs- und Hilfsangeboten zu verknüpfen (S.59). Darüber hinaus verzichtete eine Minderheit der Jugendämter überhaupt auf den Versand der Elternbriefe, d.h. die Elternbriefe werden immer noch nicht flächendeckend eingesetzt (S. 17).
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Elternbriefe seit langen Jahren eine "Eigenexistenz" führen und ihre Integration mit anderen Formen und Angeboten der Familienbildung noch nicht sehr stark entwickelt wurde: so ist etwa vorstellbar, dass eine Verteilung der Elternbriefe durch die Träger der Familienbildung mit weitergehenden Angeboten, der Gesprächsvertiefung, der Diskussion und des Erfahrungsaustauschs verbunden werden könnten. Erste Schritte in diese Richtung gehen jüngstens Vernetzungen zwischen der Arbeitsgemeinschaft für Katholische Familienbildung (AKF) und dem Herausgeberverein der "Elternbriefe du und wir."
Bezüglich der Reichweite und Effizienz der Elternbriefe sind kontinuierliche Studien notwendig, um z.B. das Angebot aktuell halten zu können.


