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5. Ansatzpunkte für Familienbildung
Der Blick auf die historische Entwicklung von Familienbildung zeigt, dass Themenschwerpunkte und Ansatzpunkte einem je aktuellen Problemverständnis familialer Existenz folgten: so verstanden sich die ersten Angebote der Mütterbildung als Antwort auf die hohe Sterblichkeitsquote und die Verwahrlosungstendenzen der Kinder der arbeitenden Bevölkerung durch Spiel-, Beschäftigungs- und Betreuungsangebote, zugleich aber auch als Angebot der Anleitung der Arbeitermütter in Fragen der Haushaltsführung und Kindererziehung, der Vorbereitung junger Mädchen auf ihre Mutteraufgaben und als Ausbildungsstätte für Kinderpflegerinnen. (vgl. Schymroch 1989).
Mit der allgemeinen Sicherung von gesundheitlichen und hygienischen Standards verlagerten sich die Schwerpunkte auf familienbegleitende Programme und pädagogische Fragestellungen der Kindererziehung und die Gestaltung des Familienlebens.
Auch für die erste Hälfte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts konstatieren Schiersmann und Mitarbeiter (1998) starke quantitative Veränderungen des Angebots von Familienbildungsstätten: sie berichten von einem weiteren Ausbau und der zunehmenden Vielfalt der Themen, vor allem eine starke Zunahme der Eltern-Kind-Gruppen, die sich zum Kernangebot aller Familienbildungsstätten entwickelt haben (S.36f.); aber auch die Gesundheitsbildung hat sich in dieser Zeit stark ausgeweitet (S.53).
Neben den Trends in den Einrichtungen und Angeboten der institutionellen Familienbildung hat die Familienselbsthilfe sich quantitativ stark ausgeweitet, thematisch weiter ausdifferenziert und neue Formen der öffentlichen Partizipation und gesellschaftlichen Verantwortung hervorgebracht; ihre Bedeutung für die Familienbildung hat sich, auch in dem Sinne stark erhöht, dass in der Familienselbsthilfe aktuelle gesellschaftliche Bedürfnisse von Familien zum Ausdruck kommen ("Seismographen-Funktion").
Die nachfolgend gewählte Einteilung von Familienbildung ist zunächst als konzeptionelle Orientierung für die Vielfalt der Themenbereiche von Familienbildung gedacht; darüber hinaus können sie Anhaltspunkte liefern für eine Analyse des Angebots hinsichtlich der Zielgruppen, der pädagogischen Zielsetzungen und Aufgaben, aber auch für die fachlichen Anforderungen und Voraussetzungen des erforderlichen Personals etc.
Für die Arbeit der Familienbildung werden folgende Ansätze dargestellt:
der Familienlebensphasen-Ansatz (5.1.)
der aufgabenorientierte Ansatz (5.2.)
der Ansatz von besonderen Lebenssituationen (5.3.)
der Ansatz von besonders belasteten Lebenslagen (5.4.)
zielgruppenbezogene Arbeitsansätze (5.5.)
Die bei einzelnen Ansätzen dargestellten Themen, Arbeitsformen bzw. Zielgruppen sind dabei als Einzelbeispiele anzusehen; sie decken nicht die gesamte Palette und Vielfalt des Angebots ab.


