III Meta-Evaluation: Integration von Wirksamkeitsstudien

Wirkungsanalysen zu den in der Bestandsaufnahme erfassten Angeboten waren die Ausnahme. In den wenigen Fällen, in denen solche Untersuchungen durchgeführt wurden, lagen sie auf einem methodischen Niveau, das zwar konstruktive Rückmeldungen über Stärken und Schwächen der untersuchten Einzelmaßnahme ermöglicht. Für eine fundierte Wirkungsbeurteilung sind sie aber nicht geeignet. Im Folgenden werden daher die Ergebnisse einer systematischen Integration von Wirksamkeitsstudien mit Kontrollgruppendesigns dargestellt. Die Verwendung von kontrollierten Designs hat gegenüber reinen Vorher-Nachher-Vergleichen den Vorteil, dass Entwicklungsprozesse, die sich auch ohne Einwirkung durch eine spezifische Maßnahme ergeben, abgeschätzt und kontrolliert werden können. Obwohl auch bei Kontrollgruppenstudien je nach Strategie der Gruppenbildung erhebliche Unterschiede vorliegen, erlauben sie insgesamt eine bessere kausale Interpretation. Unsere Integration beschränkt sich auf Studien aus Deutschland, um den nationalen Bezugsrahmen der Gesamtuntersuchung zu wahren. Dennoch lassen sich auch aus dem

1 Internationale Befunde

Aus dem internationalen, meist angloamerikanischen Raum liegen eine Reihe von Meta-Evaluationen vor, die Hinweise auf das "Ob" und "Wie" der Wirksamkeit familienbezogener Präventionsmaßnahmen geben. Häufig beziehen sich diese Arbeiten aber auf enger umgrenzte Themen oder spezifische Vorgehensweisen. Die meisten Untersuchungen konzentrieren sich auf Elterntrainings oder spezifische Formen dieses Ansatzes (Barlow, 1998; Beelmann & Bogner, 2005; Bogner, 2003; Brestan & Eyberg, 1998; Cedar & Levant, 1990; Durlak & Wells, 1997; Heekerens, 1986, 1993; Müller, Hager & Heise, 2001; Serketich & Dumas, 1996). Beispielsweise nimmt Heekerens (1986) eine Zusammenfassung von 14 Wirksamkeitsstudien zum Gordonschen Elterntraining vor. Zwar zeigen sich hier überwiegend positive Effekte, allerdings betont der Autor die vielfältigen Probleme bei der Kausalinterpretation der Studienbefunde (z. B. soziale Erwünschtheit, Reduktion kognitiver Dissonanz nach Trainingsteilnahme). Cedar und Levant (1990) erweiterten Heekerens Arbeit (26 integrierte Studien) und gelangen zu einem mittleren Gesamteffekt von d = 0.33². In Bezug auf elterliche Erfolgsmaße zeigen sich etwas günstigere Effekte, diese speisen sich aber in erster Linie aus Wissensabfragen der Gordonschen Erziehungsprinzipien. Hinsichtlich konkreter Erziehungseinstellungen und Verhaltensweisen sind die Effekte gering. Ein deutlich günstigeres und mit den vorherigen Analysen inkompatibles Bild zeichnen Müller, Hager und Heise (2001), die einen außergewöhnlich hohen mittleren Effekt von d = 1.58 ermitteln. Dies liegt allerdings auch daran, dass entgegen der meta-analytischen Logik nur Maße berücksichtigt wurden, die signifikante Verbesserungen aufweisen, schwächere (bzw. negative) Effekte also von der Integration ausgeschlossen wurden. Ein solches Vorgehen ist nicht stichhaltig.

Andere Meta-Analysen umfassen nur Präventionsprogramme für bestimmte Altersgruppen (Barlow, Parsons & Stewart-Brown, 2005; Bernazzani, Côté & Tremblay, 2001; Nelson, Westhues & McLeod, 2003) oder bestimmte Zielbereiche wie die Eltern-Kind-Bindung (Bakermans-Kranenburg, van Ijzendoorn & Juffer, 2003, 2005) oder dissoziales Verhalten. So konzentrieren sich Serketich und Dumas (1996) auf 26 Studien zu lerntheoretisch fundierten Trainings von Eltern von Kindern mit dissozialen Verhaltensproblemen. Die relativ hohen Effekte bei kindbezogenen Variablen (d = 0.86) und die moderaten Effekte in Bezug auf elterliche Erfolgsmaße (d = 0.44) werden von Farrington und Welsh (1999, 2003) relativiert. Sie beschränkten ihre Analysen auf methodisch bessere Untersuchungen mit größeren Stichproben und gelangen zu einer deutlich geringeren Wirksamkeitsschätzung (d = 0.32). Allerdings schlossen sie neben behavioralen Elterntrainings auch andere familienbezogene Ansätze ein. Klinisch orientierte und multisystemische Trainings wiesen unter diesen Maßnahmen die günstigsten Effekte auf. Dies galt insbesondere für lerntheoretisch fundierte Trainings. In der Meta-Analyse von Beelmann und Bogner (2005; Bogner, 2003) zum gleichen Bereich zeigt sich dieser Unterschied jedoch nicht.

Eine wesentlich weitere Definition sowohl hinsichtlich der Art der Maßnahme als auch der potentiellen Zielbereiche legen Layzer, Goodson, Bernstein und Price (2001) zugrunde. Sie fassen 260 Evaluationen zu Programmen zusammen, die die elterlichen Fähigkeiten zur Unterstützung ihrer Kinder stärken sollen. Darunter wurden auch Programme subsumiert, die z. B. berufliche Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für die Eltern sowie spezifische Maßnahmen für die Kinder umfassten. Allerdings verfolgte fast jedes der Programme zumindest auch das Ziel, Erziehungskompetenzen zu fördern. Mit einem mittleren Effekt von d = 0.23 für die positive Beeinflussung von erziehungsbezogenen Einstellungen und Erziehungswissen und d = 0.26 für konkretes Erziehungsverhalten ergaben sich eher schwache Effekte. Allerdings standen diese Zielaspekte nicht immer im Mittelpunkt der Angebote.

² Das d-Maß wird häufig zur Quantifizierung des Erfolges von Interventionsmaßnahmen herangezogen. Es drückt die relative Verbesserung der an einer Maßnahme teilnehmenden Klientel gegenüber einer Vergleichsgruppe oder einem früheren Zeitpunkt vor der Intervention aus. Im sozialwissenschaftlichen Bereich werden üblicherweise Werte von 0.20 als schwache Effekte, Werte um 0.50 als moderate und solche über 0.80 als hohe Effekte erachtet
(vgl. Cohen, 1988).

 
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