Die Sorge um eine psychisch, sozial und körperlich gesunde Entwicklung hat die Gesellschaft von jeher beschäftigt (vgl. Delbrück, 1893/1993). Aktuell ist sie besonders durch Ergebnisse der PISA-Studie oder spektakuläre Einzelfälle jugendlicher Gewalt gefördert worden. Daran knüpft sich die Frage, wie Kinder und Jugendliche gefördert werden müssen, um den vielfältigen Lebensanforderungen in adäquater Weise gerecht werden zu können. Wenngleich auch die Schule und andere Institutionen wichtige Erziehungsaufgaben wahrnehmen, kommt doch der Familie hierbei eine entscheidende Bedeutung zu (vgl. Schneewind, 1999). Eltern sollen möglichst günstige Bedingungen für die Entwicklung ihrer Kinder schaffen. Von gesetzlicher Seite wird ihnen ein natürliches Erziehungsrecht zugestanden, das nur unter besonderen Bedingungen eingeschränkt werden kann. Es sind jedoch oft die Eltern selbst, die sich in dieser Rolle zeitweise überfordert fühlen. Die gesellschaftliche Pluralisierung, die auch zunehmend eine Abkehr von traditionellen familiären Strukturen mit sich bringt, verstärkt dieses Problem noch (Beelmann, 2003a). Obschon eigene Erziehungserfahrungen ein grundlegendes Modell für die Rollenfindung bieten, können oder wollen sich Eltern angesichts soziokultureller Veränderungen nur in Teilen darauf berufen (Jaursch, 2003). Die Erziehungssituation ist damit eine Herausforderung im Zusammenspiel von Eltern, Kindern und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, für die eine angemessene Lösung im Sinne aller Beteiligten gefunden werden muss. Grundlegende Unterstützung sollen Eltern dabei im Rahmen von Angeboten der Eltern- und Familienbildung erhalten. Im Rahmen der Jugendministerkonferenz vom 22./23. Mai 2003 ist dies erneut hervorgehoben worden.
Die Idee der Familienbildung hat in Deutschland eine lange Tradition. Sie wurde zu Beginn des Jahrhunderts in Form von Mütterschulen institutionalisiert und hat im Laufe der Zeit den Fokus mehr und mehr auf die Familie als Ganzes gerichtet. Primär wird sie heute von Familienbildungsstätten getragen. Allerdings entwickeln sich neben dieser "klassischen" Linie der Familienbildung zunehmend weitere Angebote. So widmen sich inzwischen auch andere Trägerinstitutionen sowie selbsthilfeorientierte Vereine, Netzwerke und Einrichtungen der Familienbildung (vgl. John, 2003; Pettinger & Rollik, 2005; Rollik, 2003; Schymroch, 1989).
Auch außerhalb Deutschlands wird in den meisten westlichen Ländern der familienbezogenen Bildung eine wichtige Bedeutung beigemessen. So finden sich in den USA "family centers", in Großbritannien "early excellence centers", und in Frankreich und den Beneluxstaaten "maisons vertes".